Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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Das Bild ist mit Harnisch und Helm versehen. Andere
reicher verzierte entbehren der .Inschrift. Im Kreuzgang sind
zwei Grabdenkmäler im Renaissancestil; das eine mit einem
Kruzifix und den beiden knieenden Toten: Christofs Leonhard
von und zum Diemantstain und Behingen -7 1577. 28. Febr.
und seiner Frau Margarets geborenen v. Wöllwart. Ligen Baide
vor dem Chor begraben. Das andere stellt Mariä Krönung dar
und hat die Zuschrift: Anno 1580 den 27. tag aprillis Her
Ludwig Freiher zu Grafeneck Her zu Eglingen und Osterhofsen.
Auf dem sehr schönen, gegen Norden gelegenen Gottes-
acker findet man desgleichen noch ein paar Solenhoser Plätt-
chen mit kurzer Inschrift über den betreffenden Toten, ohne
Angabe, wo sie liegen.
Fragst du endlich, lieber Leser, ob auch noch Schätze aus
dem Klosterzeitalter da sind, so gehe in die südlich gelegene
Sakristei und du findest noch einige wahre Kunstwerke. Bor
allem eine wunderschöne sehr reiche Monstranz mit der Jahres-
zahl 1685. Sodann einen prachtvollen Renaissancekelch mit der
Umschrift: Anno 1563 25. Dag Hornung Starb der edel
und vest Beit von Scheppach zu Amerdingen und Znoten.
Der sel. Got wot gnedig sein. Ferner 2 schöne große Rokoko-
kelche, der eine die Inschrift tragend: 14. ?. U6mun6u8
Icke>'8er celebruvit Uie 8. ^prilis. ^nno 1714. Zwei
Kruzifixe aus Elfenbein, davon eines 1 ^2 Fuß hoch ist. End-
lich erwähnen wir den weißen Festornat, der seinesgleichen
weit und breit sucht.
So haben wir versucht, kurz die Geschichte des Klosters
NereSheim und die Klosterkirche dorten dem Leser vor Augen
zu sichrem Wenn es nicht in allweg so ausgefallen ist, wie der
Leser es vielleicht wünschte, so möge er gefälligst entschuldigen,
am guten Willen hat es nicht gefehlt. Cs heißt mitunter
„wer'Vater und Mutter nicht folgt, muß aufs Herdtsfeld".
Auf demselben ist es nicht so schlimm, wie der Name vielleicht
sagen möchte, und brave Leute giebt es dort sehr viele. Nur
hinaus, lieber Leser, es wird dich nie und nimmer gereuen!
Wir möchten am Schlüsse noch ein Zeugnis über den
beschriebenen Tempel ansühren, nämlich das des Thnrn und
Taxisschen Hofrats Krämer. Derselbe sagt: „Die Majestät,
die religiöse Würde und Erhabenheit dieses Tempels wirken
mit heiliger Rührung ans das Gemüt, und emporgehoben
wird der Geist in die Regionen des Himmels, wenn die Töne
der großen Orgel durch die Kuppeln und den weiten Raum
dieses Gotteshauses widerhallen. Schönere Freskomalereien,
als zu Neresheim, kann mau kaum sehen. Jeder, der diese
Kirche besucht, wird mein Urteil bestätigen" w.
Mit diesen Worten nehmen wir Abschied von unserem
herrlichen Gotteshanse und rufen allen in nah und fern zu:
„Kommt und sehet, was kirchlicher Geist, welch einen herr-
lichen Tempel die ehemaligen Benediktiner in Neresheim er-
richtet haben zur Ehre Gottes lind zur Bewunderung der
Mit- und Nachwelt!"
Die ehemaligen neun Naplaueien in Leutkirch.
Von ihrem Ursprünge an bis zur Jetztzeit oder
bis zu dereu Aufhebung und Einziehung.
Mitgetcilt von Rud. Noth, 8«nior.
(Fortsctniilg und Schluß.)
6. Die St. Jakobi-Kap lau ei in Leutkircb.
Gestiftet 1396 u. 1471 — 1477.
Die beiden Brüder Heinrich Aeblin, Domvikar in Augs-

burg und Jakob Aeblin, Bürger daselbst, beide gebürtig von
Leutkirch, stifteten eine ewige Meßpsründe aus dem St. Jakobi-
altar in der St. Martinskirche in Leutkirch. Zur Fundation
hatten dieselben die bereits von ihnen erkauften und noch zu
erwerbenden in Aussicht stehenden Renten, Gülten und Zinsen
angewiesen. Das Lehen- und Besetzungsrecht der zu schassen-
den Kaplaneistelle wurde dem nächsten Grade der Berwaudt-
schaft Vorbehalten. Im Falle des Aussterbens sollen diese
Rechte an den Bürgermeister und Rat der Stadt Leutkirch
übergehen.
Diese Urkunde wurde mit den Jnsiegeln der beide»
Aeblin in Augsburg, des Bürgermeisters Aeblin und Jörg
Bumann, Stadtamann in Leutkirch am 29. Juli 1471 be-
glaubigt.
Aus dem Verzeichnisse der vielen Einkünfte zur Errich-
tung dieser Kaplaneistelle ersehen wir, daß ein Kurz Leder-
gerber von Leutkirch aus seinem Hose in Wypolzhofen 1396
ein Malter Haber und 10 Schilling-Pfennige zu Gunsteu
dieser Stelle abgetreteu hat. Zuletzt stellte der Bürgermeister
Simou Aeblin in Leutkirch im Mai 1477 eine Urkunde aus,
woriu er sagt, daß er die ihm zugefallene Erbschaft von
Ursula Ringgele und Kaspar Wyssach zur Gründung der
Kaplauei zu St. Jakob an seine beiden Brüder in Augsburg
um 200 Pfund Heller verkauft habe. Die Einkünfte, welche
seit 1336 von einer Hand in die andere wanderten, bestanden
ans einer Zinsgülte von jährlich zwei Malter Haber und
3 Pfund Heller, sechs Hennen und zwei Hahnen ans einem
Hose in Ädelharzhosen. Die übrigen erkauften Einkünfte
waren aus Höfen und Gütern der Umgegend und auch von
Mnthmanshosen (bayerisch) und andern Orten erworben
worden.
Im Dezember 1477 sandte der Bürgermeister und Rat
eine Stiftnngö- und Dotationöurknnde an den Bischof in
Konstanz und den Abt in Stams zur Genehmigung, welche
auch alsbald die kirchlicbe und patronatsherrlicbe Bestätigung
erhielt.
Der kaiserliche Notar Gabriel Hausmann stellte 1536
noch ein eigenes Fundations-Jnstrnment aus, wodurch diese
Stiftung aucb bei den kaiserlichen Gerichten rechtlich aner-
kannt wurde.
Allein auch diese Kaplanei war von kurzer Dauer. Durch
deu bekannten Vertrag von 1562 wurde diese Kaplaneistelle
ansgehoben und deren Einkünfte mit der Genofevapfründe
vereinigt und zur Besoldung der katholischen Schulstelle au-
gewiesen.
7. Die St. 'Nikolaus-Kap laue, in Leutkirch.
Gestiftet 1376 u. 1383—1433.
In einer Urkunde von 1376 finden wir, daß ein Wied-
mann in Urlan zu Gunsten der St. Nikolaus-Kaplanei in
Leutkirch ans seinem Hofe daselbst eine Zinsgülte von einem
Malter Haber und fünf Schilling-Pfennige abtrat.
Der eigentliche Stifter dieser Kaplanei ist jedoch Eber-
hard Lnprecht, Bürger in Leutkirch. In einer von ihm ans-
gestellten Urkunde heißt es:
„Daß er seinem lieben Freunde Berthold Orthold, Kirch-
herr in Urlau, die Kaplaneistelle zu St. Nikolaus übertragen
und verliehen habe; mit der Bestimmung, daß derselbe, solange
er lebe, alle Nutzungen hievon beziehen könne, aber sowohl
er, als auch andere Priester an seiner Statt jede Woche zwei-
mal in der St. Martinskirche in Leutkirch eine heilige Messe
zu lesen habe."
Zur Fundation dieser stelle sind verscküedene Einkünfte
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