Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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Wichte von 2—6 Kilo. Höchst originell sind namentlich 2
Henkelstücke, deren Henkel in Form eines Löwenhauptes ge-
halten sind. Offenbar entstammt die ganze Sammlung, über
deren chinesischen bezw. japanischen Ursprung kein Zweifel be-
steht, einer der besten Zeiten der Blüte der keramischen Kunst
in den beiden genannten Ländern, wenn wir auch darüber noch
nicht im reinen sind, welcher Zeitperiode die Stücke im ein-
zelnen zuzuweisen sind, und sich somit das Alter der einzelnen
Piecen noch nicht feststellen läßt; eine Zahl derselben ist mit
dem Chrysanthemum-Zeichen versehen und weist somit aus
japanisches Fabrikat hin. Die Besitzer der „Sammlung von
Abbildungen keramischer Objekte aus dem nahe« und fernen
Oriente" (Wien, Verlag des Orientalischen Museums, 1885)
seien noch darauf aufmerksam gemacht, daß die iu derselben
enthaltenen Lichtdrucktafeln: Nr. XXVII japanische Vase, alt
Hizen, cZecor in Emailfarben, 0,30 Meter hoch, Nr. XXXII 1
desgleichen, 0,70 Meter hoch, und Nr. XXXVII und XXXVIII
japanische Schüsseln, alt Hizen, llecor in Emailfarben, 0,56
und 0,36 Meter hoch, noch am meisten Ähnlichkeit mit
Stücken der Achstetter Sammlung ausweisen; im großen Ganzen
ist die Ornamentik der letzteren eher eine reichere. Indem
wir uns eine nähere Beschreibung derselben in Fachzeitschriften
womöglich unter Beigabe von Abbildungen Vorbehalten, können
wir einstweilen den Vorständen großer Museen, sowie Lieb-
habern und Sammlern von altchinesischen und altjapanischen
Porzellanen in- und außerhalb Deutschlands nur empfehlen,
sich diese Schätze selbst einmal anzusehen. Nach Achstetten
sind diese seltenen Schätze gegen das Ende des vorigen Jahr-
hunderts durch den Urgroßonkel des jetzigen Grundherrn,
nämlich durch den (i. I. 1803 -s) Altshauser Landkomtur der
Balleien Elsaß, Burgund und Hessen und k. k. Wirklichen
Geheimen Rat (Wirklichen Staats- und Konserenzminister des
Hoch- und Deutschmeisters) Beat Kourad Phil. Fried. Frhrn.
Reuttuer zu Weyl gekommen. Vermutlich hat sie dieser Edel-
mann während seines Aufenthaltes zu Brüssel, woselbst er
einige Zeit als Gesandter weilte, erworben; die holländisch-
indische Compagnie betrieb ja schon seit dem 17. Jahrhundert
einen großartigen Handel mit japanischem Porzellan aus der
Provinz Hizen. Es wäre übrigens auch nicht unmöglich,
daß die jetzige Achstetter Sammlung sich schon früher in dem
Deutschordensschlosse zu Altshausen befunden hat, welches
viele Kunstschätze, namentlich Luxusartikel, barg. — Aber
auch sonst bewahrt der anmutige Achstetter Edelsitz noch manches
Kunstwertige. Abgesehen von verschiedenen feingemalten Ter-
rinen aus Ludwigsburger uud Meißener Porzellan, den von
der Biberacher Pflugausstelluug her im Sommer 1886 wohl-
bekannten Pflugschen Ölbildern und Aquarellen sind es haupt-
sächlich 2 angeblich Holbeinsche lebensgroße, laut Wappen
einen Hrn. v. Freyberg und Gattin vorstellende Brustbilder
im Kostüm des XVI. Jahrhunderts, welche unser Augenmerk
aus sich ziehen. Den Glanzpunkt bildet aber neben den keramischen
Kunstschätzen der schon längst früher in den Verhandlungen
des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Ober-
schwaben (Bericht 2 von 1844) beschriebene runde Tisch mit
reich verzierter, vermittelst Säure geäzter (nicht geschnittener)
^olenhoser Platte von ca. 1,2 m Durchmesser. Das
kreisförmige Mittelbild stellt Christum am Kreuze mit Maria
und Johannes dar; der dieses einschließende verzierte Rahmen
trägt die Umschrift: Omni8 cfui vivit et creclik in me
non moiiekui in uelernum. stoli. XI. ^nno Domini 1568.
Das nun nach nutzen folgende ringförmige Feld oder der
nächstinnere Kreis zeigt die Figuren, die Wappen und Namen

der Besteller der Platte: Karl v. Freyberz vom Eisenbe^Z
zu Naunau uud seiner Gattin Kreszentia v. Freyberg, g^.'
v. Laubenberg, sodann die Wappen je ihrer 8 Ahnen ast
Ahnenprobe (das Freybergsche Geschlecht besaß nämlich
stellen vom XIV. Jahrhundert bis 1625). Der äußere Kre''
enthält 6 größere Jagdscenen, sehr lebendig dargestellt utt
unterbrochen durch die in Medaillons beigesetzten ^gereimM
körnigen Strophen, deren erste hier folgt, da sie Sinn un>-
Zweck des ganzen Jagdcyklus eröffnet. Sie lautet:
Hier ist zu sehen Offenbar
Wie all waidwerk daz gany jar
Bei Fürsten, Grafen und Herren
Fnrgenommen vnd gejagt werden
Bst Östren d' roh birst (d' Reh geburscht) vnd gsangen
Haselhicncr vnd auch Orhanen (Anerhahnen).
Unter dieser Strophe steht noch die Inschrift des Vew
fertigers der Platte:
Isuk Xienin§ pictor IsnensiZ fecik — derselbe Meisten
welcher um d. I. 1569 ebenfalls aus Soleuhofer Stein mit
erhabenen Lettern und verzierter Schrift ein jetzt noch in'
Magistratssaale zu Wangen i. A. aufgehängtes, vor den Nats^
sitzungen zu sprechendes interessantes Gebet und ebenfalls
im gleichen Jahre nach Ravensburg eine im dortigen Rats-
saale noch erhaltene „Vater unser"-Gebetstafel verfertigt hat-
Beide Tafeln enthalten außer der Jahrzahl und dem Mond'
gramm unter den Verzierungen ein gleichlautendes Gebet,
welches, ein wahres Muster einer einfachen und frommen
Gebetsformel, also lautet: „Ein schön gebeet, so man j"
Rath geth. O Herr und Gott Jhesu Christe, von welichen'
Alle weise Ratschlag slüessen, durch welchen auch alle Gott-
selige gedanken sind und alle guette werk gefirdert werden-
Gib uns deinen dieneren Crafft und Weyssheit deines Worts,
und wölkest durch deinen Heiligen Gaist bej uns jn dieses
Rath zegegen sein, Darmit mir nichts setzen noch verordne,
das dein Göttliche Mayestett verletze, Sonder jn allem dich
fürchten, Dein Glorj lob Eer und preiß, Auch die liebe deö
Nechsten betrachten und suchen, damit wir samptlich durch dich
das Ewige leben erlangen, Amen." Leider hat sich bis jetzt übel
diesen hervorragenden oberschwäbischen Künstler, von dessen
Hand sicherlich noch weitere Kunstwerke herrühren, nichts
Näheres (nicht einmal dessen Geburts- und Todesjahr) erheben
lassen. Auf der Augsburger kunsthistorischen Ansstellung voll'
Sommer 1886 waren verschiedene ähnliche in Solenhofe)
Platten geäzte Arbeiten, so eine mit Stadlwappen von Kanll
b euren und Spruch an den Rat, eine andere mit „christe
lichem Gebet einer Obrigkeit", eine mit Kruzifix vom Hand'
altar des Stadtpslegers Max Welser uud eine Art Roulette
mit eingeäzten in Öl kolorierten Bildern, Ornamenten rc. nm
vergoldetem beweglichem Bronzezeiger rc. zu sehen, von welche
vielleicht die eine oder andere von unserem Meister herrührt'

Miszellen.
Die Zahl der russischen Ordenspersonen i. I. 1 7-s);
Nach einem in dem genannten Jahre herausgekommencn Verzeichnis
über die im russischen Reiche befindliche Lllostergeistlichkeit gab st'
714 Mönchs- und 222 Nonnenklöster, unter welchen 10 unmittelbw
waren. — Die Zahl sämtlicher Mönche betrug 7400 und der Nonne"
5600, zusammen also 10 000 Ordenspersonen. Nach der von Peter ''
i. I. 1722 hcrausgcgcbenen R. O. sollte kein Mönch unter dem 30. nw
keine Nonne unter dem 50.—60. Lebensjahre ausgenommen werdeN'
Ungeachtet in Rußland fast alle Mönche von geringem Stand, werde'
doch nnr Ordensgeistliche zu Bischöfen gemacht. -ck-

Stuttgart, Buchdruckern der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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