Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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von Schwaben
— zugleich Organ für deutsche Lrirchengeschichte —
mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschau.

Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenburg.

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i Stuttgart, Urbansstr. 94, j
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: lich, das Pastoralblatt t
i allein zum Preise von M. I
i 1. 60. halbjährlich bezogen :
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Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten herausgegeben
von Dp. Engelbert Hvfele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenzen wollen gefl. direkt an Or. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf b. Biberach, gerichtet werden.
^---
Nr. 8. Stuttgart, den 15. April 1888. 5. Jahrgang.
^»halt: Eine geistliche Druckerei. — Die katholische Pfarrstelle zu St. Martin in Leutkirch mit ihren ehemaligen Einkünften, die Größe und der
Umfang der Pfarrei. Mitgeteilt von Rud. Roth sen. (Schluß.) 6. Chronologie der Pfarrer. — Bilder aus der Geschichte Mergentheims.
Von Prof. Sambeth in Ailingen. (Fortsetzung.) 11. Der dreißigjährige Krieg. — Miszellen. — Beilage: Augsburger „Reformatoren".
Historisch-kritischer Beitrag zur Geschichte der „Reformation" von vr. Patrizins Wiltmann, Ritter des päpstlichen St. Gregorius-Ordens.
(Fortsetzung.)

Eine geistliche Druckerei.
Wer in Rom von der Piazza del Popolo kommend, die
Babuino hinunter und über die Piazza di Spagna,
^ der spanischen Treppe vorbeigeht, gewahrt alsbald, unmittel-
hinter dem Monument der Immaculata Louceptio einen
Kosten Palast, dessen dunkles finsteres Aussehen das ohnehin
deutende Größenverhältnis seiner Mauern zu steigern scheint;
? ist der Palazzo der Con§re§atione ctella propa^ancla
und sie ist es, von der wir heute sprechen wollen.
Die katholische Kirche hat es stets als eine ihrer Haupt-
aufgaben betrachtet, die Lehre Christi und sein Evangelium
^ller Heiden und Ungläubigen zu verbreiten; Orden wurden
Z diesem Zwecke gestiftet, Missionen ausgesandt und zahllose
Mrtyrer sind diesem edlen Bestreben in allen Teilen der
s^elt zum Opfer gefallen. So bestanden Missionen schon
Ullge vor Beginn des siebzehnten Jahrhunderts, besonders war
^ die Gesellschaft Jesu, die sich um Ausbreitung des Glau-
Ms verdient machte; sind in Indien, Japan und China
Tausende von ihnen für ihre Lehre eines oft qualvollen
^des gestorben.
. Daß die Resultate der Missionsthätigkeit zuerst in Nom
staunt wurden, daß von hier der Impuls zu immer neuer
Tätigkeit ausging, liegt im Charakter der katholischen Hier-
^chie und so war auch nirgend anders als hier der geeig-
^te Platz für ein größeres Institut, dessen Wirkungskreis
^ dieser Richtung liegen sollte. Papst Gregor XV., aus dem
Muse Ludovisi, stiftete, nachdem er kaum den Stuhl Petri
Jftiegen, durch Bulle vom 22. Juni 1622 die Kongregation
Ar Verbreitung des Glaubens, für die Johann Vives aus
stine Veranlassung den Plan ausgearbeitet hatte, indem er in
aller bis dahin vereinzelter Thätigkeit Haupt und Leitung
und alle bis dahin bestandenen Direktorien in ihr vereinigte.
.. Nach kaum dreijährigem Pontifikat schloß Gregor 1623
I Augen, seine Schöpfung noch in den Anfängen verlassend.
erhielt denn die kaum begründete Anstalt erst unter seinem
Mchsolger ihren rechten Ausbau. Urban VIII., dem kunst-
^uigen Geschlechts der Barberini entstammend, war es, der
1627 ein Seminar und eine Druckerei hinznfügte und das
^Je Institut in dem prächtigen von Bernini und Borromini
Zanten Palaste unterbrachte.

Das Seminar enthält die Vorbereitnngsanstalt der Geist-
lichen, deren sich von allen Riten, als dem griechischen, mel-
chitischen, armenischen, chaldäischen, koptischen, syrischen, syrisch-
maronitischen, lateinischen hier finden und hier erzogen werden,
um nach vollendetem Studium in ihre Heimat als Sendboten
des Evangeliums entlassen zu werden. Aller Stürme der
Zeiten ungeachtet, hat die Anstalt seit ihrer Gründung nicht
anfgehört, auf das segensreichste bis in die weiteste Ferne zu
wirken, und die Blüte, zu der sie es bald brachte und bei der
sie sich zu erhalten wußte, beweist am besten ihren Wert.
Männer wie Leo Allatius, die Kardinäle Antonelli, Ruggieri,
Spinelli, Consalvi, Zurla, die Monsignoren Bicei, Amadueci
u. a. m. haben ihre Kräfte dem Institut geweiht, und es war
in besonders schwerer Zeit, im letzten Jahrzehnt des vorigen
Jahrhunderts, Monsignore später Kardinal Borgia, dessen
aufopfernder Thätigkeit und umsichtiger Direktion das Kolle-
gium sein Bestehen und seine Erfolge verdankt. Unter diesem
Manne, dessen Name allen Gelehrten durch die prächtigen
Publikationen, die er über und aus seinem großen Museum
in Velletri veranstaltete, wohl bekannt ist, war auch der be-
rühmte Archäolog Georg Zoega, von Geburt ein Däne, als
Dolmetsch an der Propaganda thätig. — Einer der letzten
Leiter des großartigen Instituts war der Kardinal Mezzofanti,
ein Mann, der durch sein immenses Sprachgenie für diese
Stelle wie prädestiniert erschien; erzählt man doch, er habe
achtundsiebzig Sprachen gesprochen und die zahllosen Vor-
träge, die an Epiphanie, dem großen Festtage der Kongre-
gation, deren Kirche auch den heiligen drei Königen ans dem
Morgenlande geweiht ist, in allen Sprachen des Erdballs ge-
halten werden, sämtlich verstanden.
Gleichzeitig mit diesem Seminar begründete Urban VIII.
auch die Druckerei der Propaganda, als Grundstock für die-
selbe schon vorhandenes Material verwertend. Schon Leo X.
hatte von Domenieo Basa 1516 im Quirinal eine Druckerei
anlegen lassen, die auch unter seinen Nachfolgern Weiterbestand
und an der z. B. unter Pius IV. Paulus Manutius thätig
war. Sixtus V. bereicherte sie mit fremdsprachlichen Typen,
und diese Druckerei war es, die zur Begründung des neuen
Instituts benützt wurde.
Waren nun in ihr auch schon fremdsprachliche Typen
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