Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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bei seiner Herde, für welche er während seiner langjährigen
Amtszeit gelebt und gewirkt hat, haben. Sehr wahrscheinlich ist
dieselbe an der Mauer, welche ehedem den katholischen und
evangelischen Gottesacker trennte, angebracht worden. Da diese
Mauer 1813 abgebrochen wurde, so ist nun das Grab
Mauchers nicht mehr zu finden. Wenn es uns aber auch
nicht vergönnt ist, seine stille Ruhestätte mit Bestimmtheit zu
wissen, so wollen wir das Bild seines Geistes in Liebe und
Verehrung um so tiefer in unseren Herzen einprägen.
Nemento esu 3 in deneck ictio nein!
Sein Andenken sei uns gesegnet!
Friede und Ruhe seiner Asche!
(Fortsetzung folgt.)
Bilder aus der Geschichte Mergentheims.
Von Pfarrer Prof. Sambeth in Ailingen.
(Fortsetzung.)
11. Der dreißigjährige Krieg.
Nun genoß Stadt und Land Ruhe und Frieden bis zu
den traurigen Zeiten des dreißigjährigen Krieges. Sichtbar
hob sich der Wohlstand der Bürger durch die Sorgen einer
väterlichen Regierung. Und wenn mich die Pest im Jahre
k611 abermals große Wunden schlug, auch sie wären in
Välde geheilt gewesen, wenn nicht noch größeres Elend bevor-
gestanden wäre. Das Vorspiel bildete der Durchmarsch des
Ernst von Mansfeld durch das Tauberthal mit 18 000 Mann
am 19. Okt. 1621. Die Mergentheimer Trauben hingen ihm
allerdings zu hoch, weil die Stadt durch den Statthalter von
Westernach tapfer verteidigt wurde, aber die ganze Umgegend
wurde so verwüstet und verödet, daß 13 Weiler und Höfe
damals ganz verschwanden bis ans den heutigen Tag. Was
die Leute des Mansfeld, die fast nur von Raub und Brand-
schatzung lebten, übrig gelassen, das verzehrten die des Tilly,
die bald folgten. Die verschwundenen Wohnstätten sind Reckers-
felden, Dunkenroth, Radvlfshausen und Schönthal bei Adels-
hausen, Dainbuch bei Althausen, Rödelsee bei Harthansen,
Wesserberg bei Hagen, Rinderhof bei Nenbronn, Wiesel bei
Münster, Niederhausen bei Nassau, Hohenweiler bei Rinder-
nd, Jgelstrnt bei Hachtel und Nohhof bei Queckbronn. Das
Jahr darauf überfielen 16 000 böhmische und polnische Reiter
Wie Heuschrecken das Land, 6 kaiserliche Regimenter nahmen
in der Stadt und Umgegend ihre Winterquartiere und brachten
abermals die Geißel der Hungersnot und Pest, der unglaub-
lich viele Menschen und Tiere zum Opfer fielen.
Wie die Schweden am hl. Weihnachtsfest 1631 in die
Stadt einzogen, die dann ihrem Eroberer, dem Reichsmarschall
Gustav Grafen von Horn, von seinem dankbaren Könige Gustav
Adolf zum Geschenke gemacht wurde, haben wir schon gesehen.
Horn blieb in ihrem Besitze bis zur Schlacht bei Nördlingen,
6. Sept. 1634, in der er selbst gefangen wurde. Mergent-
heim stand also nicht volle drei Jahre unter dem Hornschen,
i. schwedischen Regiment; aber diese kurze Zeit genügte,
der Stadt ein ganz anderes Aussehen zu geben. Der Hoch-
Und Deutschmeister Johann Kaspar von Stadion mußte trauernd
bon seiner Kommende Kapfenbnrg aus Zen Fall der ihm so
lenren Stadt ansehen und dann beim Fortschritt der schwe-
dischen Waffen nach Tirol fliehen und seine Residenz ganz
dem Feinde überlassen.
Horn selbst scheint versöhnlich gestimmt gewesen zu sein,
wenigstens erlaubte er schon zwei Tage nach seinem Em-
sige den Natsherren, ihre Degen zu tragen. Nicht so die
Regierung, die er einsetzte. Sein Statthalter, Florian Schulter,
gebürtig von Thalhcim, drang mit Gewalt ans die Einführung

der lutherischen Religion, obgleich Horn bei der Uebergabe
ausdrücklich die katholische Religionsübung in der Stadt garan-
tiert hatte. In der Hofkapelle wurde alsbald für die schwe-
dischen Soldaten protestantischer Gottesdienst eingeführt. Der
Statthalter stellte einen Superintendenten ans in der Person
des Magister Korber, einen Informator bei Hof in der Person
des Magister Liptekemann und endlich einen Präzeptor der
protestantischen Schule, Eberhard Seitz. Doch das genügte
ihm nicht. Am 19. Mai 1632 wurde dem katholischen Stadt-
pfarrer Michael Faber, anfangs freilich vergeblich, die Auflage
gemacht, in der Stadtpfarrkirche den lutherischen Gottesdienst
einznführen, wie er bereits in der Schloßkirche für die schwe-
dischen Truppen und Beamten stattfand. Durch denselben
Befehl wurden der Kaplan und der katholische Organist ihres
Dienstes entsetzt, die Priester des Deutschen Ordens durften
sich nicht mehr so nennen, noch weniger ihre Ordenskleidung und
das Kreuz tragen, sie mußten eine besondere Hnldignngssormel
unterzeichnen, und dem Pfarrer und Kaplan wurde die Be-
soldung vorenthalten. Das wirkte leider, wenigstens bei
einem: am 11. November, dem Namenstag Luthers, im Jahre
1633 trat der katholische Stadtpfarrer Faber feierlich zur lu-
therischen Religion über und verkündigte das seinen Zuhörern
in einer Predigt mit dem Thema: Vule Vapn, tu 8a1ve
I^utlrere (Leb wohl, Papst; sei gegrüßt, Luther)! Von dieser
Zeit an wurde der lutherische Gottesdienst auch in der Pfarr-
kirche eingesührt. Aber bei den Bürgern ging das nicht so
leicht; sie beschwerten sich vielmehr bei Horn, der ihnen auch
offen erklärte, er habe sich schon an den Prior der Domini-
kaner in Mergentheim, Markus Graf, gewendet, der für einen
Stadtpfarrer sorgen werde. Er konnte ihnen zwar keinen
Stadtpfarrer geben, aber die wackeren Dominikaner, der Prior
an der Spitze, hielten in ihrer Kirche den katholischen Gottes-
dienst mit solchem Eifer und unerschrockenem Mute und nahmen
sich so sehr der ganzen Seelsorge an, daß in der ganzen
Stadt nur sieben Bürger abtrünnig wurden! Mit den Schwe-
den zog 1634 auch Faber fort, nachdem er zuvor allePfarr-
akten und Bücher sich zugeeignet hatte, woraus in dem Deutsch -
ordenöpriester Melchior Stolz die Stadt wieder einen katho-
lischen Pfarrer bekam. (Fortsetzung folgt.)
Zur GrschichtsliLtrratur des österreichischen
Erbsvlgestrrites.
Bon Amtsrichter a. D. P. Beck in Ravensburg.
Die Zeit der beiden schlesischen Kriege und noch des
siebenjährigen Krieges war außerordentlich fruchtbar an poli-
tischen Staats-Streit- und Schmähschriften, an politischen
Abhandlungen, Flugblättern .w. pro und contra. Auch in
Süddeutschland verfolgte man mit Interesse, wenn auch etwas
zurückhaltend, die neue Entwicklung, welche die Dinge in
Deutschland nehmen sollten. Hier war im ersten Anfang die
Stimmung unter dem oberschwäbischen Adel und den Reichs-
städten mehr für die Sache Karls VII., während der Klerus
mit der seinigen zurückhielt, das Volk selbst aber sich nicht für
diesen überhaupt nie populär gewordenen Fürsten erwärmen
konnte. Bald gingen indes auch den erstgenannten Kreisen
namentlich den Reichsstädten die Angen über die wahren Ab-
sichten Frankreichs ans und neigten sich dieselben meistenteils
mit der Zeit wieder mehr der Sache Maria Theresias zu.
Dies geht n. a. aus einer Reihe von ans einem oberschwä-
bischen Kloster (d. i. dem Kapuzinerkonvent Niedlingen stam-
menden handschriftlichen politischeil Eppektorationen (Ratschlägen,
Reflexionen, Studien, Voransblicken re.) hervor, welche nicht
nur einen Einblick in die damalige politische Gesinnung Ober-
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