Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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12. UeUiouien.8l8.''') 12. Eon8tantien3i3.
(Heute U'^70^'.(v.) (Heute Koiistauz am badischeu
iu Mesopotamien am obereu Tigris.) Bodeusce. >
iz. Hruiicen8l8. IZ. Eon6uentinu8.
(Heute Zürich im Norden der (Heute Koblenz iu den prcus;.
Schweiz.) Nyciulaudeu.)
14. VVoi'macen8l.8. 14. I^ouanien8i3.
(Heute Worms in der bayerischen (Heute Lonau im französischen
Pfalz.) Depart. Seine et Marne.)
Wie schon oben erwähnt, so befinden sich auch im Lang-
haus rechts und links Ehorstühle, die ebenfalls spätgotisch
sind. Rechts ist der anferstandene Heiland zu betrachten,
mit einem Spruchband, das die Worte trägt: Venit-Hora-
fuckici(i) (oder um) — Hiu8 — /Vpoc. (Gotische Majuskeln.)
Ihm gegenüber, d. h. von vorn in der ersten Reihe, steht ein
Abt, wahrscheinlich der hl. Dominikus, in ein Blich schauend;
unter diesem ein Mann in päpstlicher Kleidung, der ebenso
ein Buch vor sich liegen hat, in welchem in Majuskeln steht:
Z.-?etru8 — Oe8(c)rip3it. Das weitere war für mich leider
unleserlich. Rechts glaubte ich folgende Namen eingeschnitten
(wie oben mit gotischen Minuskeln, nur mit Majuskeln
als Anfangsbuchstaben):
1. I4n§enouveu8i8. (Heute Hagenau im Unterelsaß.)
2. Nnri§en8cIÜ3. (Hellte Mergentheim im württem-
bergischen Franken.)
z. Oamunclieimm. (Heute Schw. Gmünd im württem-
bergischen Nemöthal.)
4. ^,qui1en8i8. (Heute Aalen, württembergische Ober-
amtsstadt.)
5. Undender§en8i3. (Heute Bamberg im bayerischen
Franken.)
6—lO leer.
n. VVi88endur§en8i3. (Hellte Weißenbnrg im Unter-
Elsaß.)
12. Uut7.e1dur§en8i8. (Wahrscheinlich nicht Lützelbnrg,
Dorf in Lothringen, sondern Luxemburg, die Haupt-
stadt des gleichnamigen Großherzogtnms.)
iz. 5let7.8tmtten.8i8. (Heute Schlettstadt im Oberelsaß.)
14. Uet7.en8i3. (Heute Netz in Niederösterreich.)
Links sind zunächst folgende Bilder zu betrachten: ein
Bischof oder Abt mit einem Geldbeutel in der linken Hand,
sowie einem Stab in der rechten. Um dessen (vielleicht Anto-
nius des Großen?) rechten Arm schlingt sich ein Spruch-
band, ans dem (in gotischen Majuskeln) steht, und zwar:
vorn: LU
hinten: 6^-IVL37I
(vielleicht — Unter er(emito)r(um) d(e)n(tu8) i(n)ve8tlLmdn(t)
von inve3ti§o, erforschen.)
Gegenüber, d. h. vorn an der Spitze der ersten Sitzreihe,
mit dem Antlitz dem nunmehrigen, d. h. an der Spitze des
Mittelschiffes gelegenen Altar zngekehrt, steht die Halbsignr
eines Mönches oder Priesters. Derselbe ist bartlos, mit einer
Hanskappe auf seinem Kopfe und einem weiten, faltenreichen
Talar bekleidet. Er umschlingt mit der rechten Hand einen
Löwen und hält in der linken ein Buch. Der Raum unter

*) Nach Pauly (Nealeucyklvpädie des klassischen Altertums. Zweite
Abteilung. Bd. I, S. 2367, Stuttgart, 1866) aber viel wahrscheinlicher
Bethnnc, Hauptstadt und fester Play, vder auch Bethon, des fran-
zösischen Departements Pas de Calais, Betonville, Betonconrt re. im heu-
tigen Frankreich.

ihm ist mit holzgeschnitztem, kräftig gehaltenem Nebcnlanb
nicht übel allsgefüllt.
Anmerkung. Die Erklärung der Ortsnamen in den Chor-
gcstiihlen ist mit Benützung der beiden von Dr. H. Lagai in 7. Auflage
heransgegebencn (Leipzig l883) Bände des geogr.-statist. Lexikons
Ritters gegeben, sowie des Wetzcr-Weltc'schen Kirchenlexikons (Freiburg,
I, 1847—60, II 1877—84 ff.). (Fortsetzung folgt.)

Ein Lied auf die Ermordung Andreas von
Sonnendergs i. I. 1511.
Der Sonnenberg-Werdenbergsche Handel, dieses dunkle
Nachtstück ans dem Ausgang des Mittelalters, ist bereits in
einer Reihe von Darstellungen, vor allem in der Zimmeim-
schcn Ehronik, der Pappenheimschen Truchseßenchronik (I
155 ff., II S. 153—188) und nenestens erschöpfend von
Or. Zingeler in einem Separatabdrnck aus dem XVII. Jahrgang
(1884) der „Mitteilungen des Vereins für Geschichte und
Altertumskunde in Hohenzollern" sowie in Or. I. Vochezerö
Geschichte des Hauses Waldburg (I S. 766—784) und
auch in diesen Blättern (I S. 2 und 3) in einem Auf-
sätze über „eine kirchliche Buße vom I. 1524" zur Genüge
behandelt. Nicht so bekannt ist ein als Flugblatt auf sieben
Bl. in 8°. 0. O. u. I. in zwei Ausgaben — eine zu
Nürnberg von I. Gntknecht i. I. 1511 — gedrucktes Lied
(Weller, repertorium t)p>o§r<ap>llicum Nr. 661): „Wie
Endres von Sonnenberg ermordet ward"; und da dasselbe
bloß bruchstückweise in der genannten „Truchseßenchronik"
(II S. 175—177) und danach in der „Biographie des
Trnchseßen Georg III. von Waldburg" von Walchner-Bodent
(S. 219—221) mitgeteilt, die Verse hier zudem noch verstellt
sind, sofern die Reproduktion mit Vers 177: „Von Nngspnrg
und von Ulm des gleich rc." anhebt und an den 220. Vers:
„vorab die kaiserliche krau" sich die Verse 45—88: „Als ich
in dißem Handel merk,.vernittet sie nff alle ort" an-
schließen, somit die Verse 1—44, 89—176, 221—250 fehlen;
und da weiter der in der Art der damals üblichen erzählenden
Gedichte ein Stück Zeitgeschichte gebende „Spruch" — von den
überhaupt gar nicht mehr zu bekommenden 2 Originalaus-
gaben abgesehen — bis jetzt sich bloß in den „Historischen
Volksliedern der Deutschen vom 13.—16. Jahrhundert" von
N. v. Liliencron (III. S. 55—60) abgedrnckt findet, welches
Werk nicht so allgemein zugänglich ist, so bringen wir dasselbe
hier vollinhaltlich nach der eben angegebenen Duelle znm Abdruck.
Das .Zeitgedicht besaßt sich indes eigentlich weniger mit
der Mordthat, sondern läuft in der Hauptsache auf die etwas
tendenziöse Glorifikation des Herzogs Ulrich von Württemberg
und dessen, was dieser Fürst alles in dieser traurigen Affaire
gethan, hinaus. Herzog Ulrich hatte nämlich, gleichsam um
dem Kaiser und dem Eingreifen des Neichökammergerichtes zuvor-
znkommen und so sein Ansehen und seine Selbständigkeit zu
zeigen, in diesen Handel sich legen zu sollen geglaubt; und
dazu bot sich ihm, als eine allgemeine grimmige, fast den Cha-
rakter der Blutrache annehmende Fehde zwischen den beiden
Geschlechtern Waldburg-Sonnenberg und Werdenbcrg ans-
znbrechen drohte, man ans beiden Seiten rüstete und im
Lande umher banger Schrecken wegen der voraussichtlichen
Verwüstungen herrschte, ein passender Anlaß. Nasch
beschwichtigend trat er dazwischen, indem er den von der
öffentlichen Meinung laut — aber, wie sich hernach über
allen Verdacht erhaben heransstellte, ohne Grund, — der
Mitschuld an dem Mordanschlag bezichtigten Grafen Chri st 0 p h
von Werdenberg auf Sigmaringen und den hauptsächlich die
Sache seines ermordeten Schwiegersohnes betreibenden Wil-
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