Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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derbem eines Pferdes oder einfach einem Hnf in der linken
Hand. Wie leicht war der jetzige Kelch vor der Nestanration
(1880) ein Huf! Man bedenke nnr, daß nicht katholische,
sondern protestantische Maler es waren, welche die Schluß-
steine polychromierten.
4. Jesus Christus, nach der Geißelung, in halber Leibes-
gestalt, ^die hl. Wundmale an sich, daneben d. h. rechts und
tinks die Marterwerkzeuge Geißel und Besen.
5. Ein Bischof in einfacher Mönchskleidung, der in der
Rechten ein Buch (Kirchenlehrer, s. v. M., S. 27) und in
der Linken den Bischofsstab hält. Ist hier nicht an den seligen
Dominikaner Albertus Magnus (v. M., S. 23) zu denken?
Desgleichen oben im linken Seitenschiff:
1. St. Johannes Baptista, der mit dem Zeigefinger der
rechten Hand auf das Lamm (Christus) hinweist, das auf
einem von ihm mit der linken Hand gehaltenen Buch liegt.
(Occe Oei w.!)
2. Ein vollbartiger Heiliger, mit einem gewöhnlichen Hut
(vielleicht Judenhut?) auf dem Haupte, in der rechten Hand
einen Kelch, in der linken ein aufgeschlagenes Buch haltend,
dielleicht ein Judenmissionär.
3. Ein hl. Bischof, den Bischofsstab in der rechten, in
der linken Hand das Modell einer Kirche mit Turm haltend,
dielleicht Sll Severinus (v. M. S. 22).
4. St. Katharina, rechts ein Schwert, links ein Buch
Und neben sich ein halbes Rad. Als Königstochter gekrönt.
5. St. Klara, welche in der Rechten in einer silbernen
Kapsel die hl. Hostie, in der Linken einen Turm hält. (S. v.
Ak., S. 85.)
Endlich sind in den Netzgewölben der Sakristei, welche
nördlich an den Chor angebaut ist, noch folgende zwei Schluß-
steine zu finden:
1. St. Maria mit den: göttlichen Kinde.
2. St. Leonardus, wie im Chor.
Alle diese Schlußsteine sind mit der neuesten Restauration
(von 1880 an) hübsch polychromiert, überhaupt sowohl die
Gewölbe als auch die ganze innere Kirche bemalt, beziehungs-
weise angestrichcn worden. Im Chor stehen an den Wänden
sechs Grabsteine und Epitaphien, meist aus den: 17. Jahr-
hundert, ohne besonderen künstlerischen Wert. Ein siebenter liegt
Noch in: linken Seitenschiff. Leider bieten sich eben auch hier
die Kennzeichen einer protestantischen Kirche dar: man tritt
überall ans Bänke und Stühle, sieht in der Höhe die unver-
meidlichen Emporen, hört das Feuern der Öfen u. s. w.
Doch ist hierin etwas mehr Maß gehalten als in der Stifts-
kirche: in: Hintergründe des Chors ist ein wenig Raum ge-
lassen für den gekreuzigten Heiland, in Holz geschnitzt, und
ein meist verhülltes kleines Harmonium, zu welchem die zeit-
weise zur Religionsstunde versammelten Kinder ihre Choräle
singen. ' _(Fortsetzung folgt.)
Das Klvstrr und dir Klosterkirche in Neresheim.
Von Pfarrer A. G.
(Fortsetzung.)
Staunen muß mau, wie ungemein pünktlich, man kann
sagen kleinlich, in dem oben angeführten Vergleich zwischen der
Herrschaft Öttingen und dem Kloster alles auseinandergesetzt
wurde dnrck das „Hochpreißlich Kaiserliche und Rcichskammer-
Gericht". Selbst die Zahl der „Aufwartungen" des resp. Prä-
laten'bei dem Grasen wurde vorgeschrieben; ferner Gebete
während der Schwangerschaft einer „regierend. Frauen
Kräfin oder des krimo ^eniti Frauen Gemahlin"; des-
gleichen das Trauergelänte u. s. w. jedoch alles nicht „anderst

als praevia reciuisikione und invitatioue". „Wenn aber
ein Herr Prälat ans erheblichen Ursachen sothaner Dillectus
persönlich zu Verrichten behindert seyn würde, so sollte eine
schriftliche Entschuldigung in geziemenden Termine zeitlich
abgegeben werden." (Toud comme clle? norm!) Daß die
Zehntfrage auch eine hervorragende Nolle in: Vertrag spielt,
versteht sich von selbst. Den ganzen Vertrag, bestehend aus
43 Paragraphen, anzuführen, würde zu weit führen und all-
zusehr ermüden. Nnr der Besitzstand des Klosters zu da-
maliger Zeit möge der Erwähnung noch wert sein, ohne aber
auf einzelne Äcker, Wiesen u. dgl., wie sie alle aufgesührt
sind, Bedacht zu nehmen.
a) Die löbliche Abbteyselbsten mit sämmtlich derselben
Bargütern an Äckern und Wiesen ;
b) der Ziegelstall und des Überruthers Hanß;
c) die Wallfahrt Maria Buch, mit dem Älldasigen Meß-
ners Hanß, Garten und Brunnen;
6) die Steinmühle; e) die Segmühle,
5) der Hochstetter Hof nebst der Sald allda;
§) das Dorf Aurnheim; Ir) der Waldsirter Hof;
i) der Wepler Klein-Kuchen; ll) das Dorf Groß-Knchcn;
l) die Hart- und Brandhäuser Markung;
m) der Dippers-Buch-Hof; n) das Dorf Ebnat;
o) der Weiler Asalterwang; p) das Dorf Elchingen;
<g) Alle einzelnen Unterthanen auf der Buchbronner Mühl,
zu Eglingen, zu Dischingen, Hofen, Schretzheim, Zürtheim,
Balmertshofen und zu Jgenhausen.
Unterzeichnet ist der Vertrag, der in vier Originalen
ausgefertigt wurde:
So geschehen Wallerstein und Neresheim den 1. Ok-
tober 1764.
(D. 3.) P. Carl Kraf zu Dettingen und Wallerstein.
(C. 5.) Benedikt Maria, Abbt zu Neresheim.
(O. 3.) Ulricus Faulhaber x>. t. Prior und Konvent allda.
Von dieser Zeit an ist erwähnenswertes Geschichtliches
nicht mehr zu verzeichnen. Im Jahre 1803 fiel die Abtei
dem Reichsdeputations - Hauptschlnß zum Opfer, wie auch
die übrigen Klöster. Sie wurde zuerst bayerisch und kan: dann
an das fürstliche Haus von Thnrn und Taxis, welches das
Kloster in ein Schloß umwandelte. Wir könnten hier wieder
einen kleineren oder größeren Stillstand machen, um einen
Exkurs über das große Wort „Neichsdeputationö-Hauptschluß"
anzustellen. Es würde dies uns aber von der gestellten Auf-
gabe zu weit abführen und möchten wir darum für die Klöster
in Württemberg resp. Bayern verweisen auf Gams, Geschichte
der Kirche Christi in: 19. Jahrhundert Bd. I. S. 304 ff.
Wir haben oben angeführt, daß das abgebrannte Kloster
zu Anfang des vorigen Jahrhunderts wieder nenerbaut wurde.
Nur die alte Kirche hatte mau stehen lassen, sie war aber so
klein und baufällig, daß ein Neubau eine unumgängliche Not-
wendigkeit war, und einen solchen aufzusühren entschloß sich
Abt Anrelius (gewählt 1739 und gestorben 1757). Als
Baumeister fungierte Balthasar Neumann, der kurze Zeit vor-
her das bischöfliche Schloß zu Würzburg kunstvoll hergestellt
hatte. Nach dessen Tode traten mehrere an seine Stelle.
1745 wurde der Grund gegraben, und 4. Juli 1750 an:
Feste des hl. Ulrich der Grundstein gelegt unter Anwesenheit
von 4 Reichsprälaten resp. Äbten. Antecipando bemerken
wir, daß sämtliche Stnecatnr und Bildhauer-Arbeiten von dem
Bayer Thomas Scheithauf sind, während die näher zu be-
schreibenden mitunter prachtvollen Gemälde der Tiroler Martin
Knoller verfertigt hat und mit denselben 1775 fertig wurde.
In: Jahre 1777 den 5. Oktober als an: hl. Rosenkranzseste
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