Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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Reisen 6 Jahre in die Schweiz, sammelte Skizzen und bildete
sich weiter ans, kam 1798 nach Wien und arbeitete daselbst
für Kunsthändler und als Zeichnungslehrer, wurde dann be-
kannt mit dem Landschaftsmaler Molitor, und seine Bilder
fanden wegen ihrer treuen Auffassung der Natur und ihres
ruhigen harmonischen Charakters große Anerkennung. 1802
besuchte er Tirol. Er wurde Mitglied der Akademie der bil-
denden Künste, 1818 Kammermaler bei Erzherzog Johann,
in dessen Auftrag er wiederholt Reisen in die österreichischen
Gebirgsgegenden, besonders nach Steiermark machte. Als Ve-
dutenmaler erwarb er sich einen geachteten Namen. Die Nieder-
länder und Franzosen waren seine Vorbilder in der Land-
schaftsmalerei. Er malte meist in Wasserfarben, aber auch
Oelbilder. Durch seine Radierungen von Landschaften nach
Poussin wurde er in weiteren Kreisen bekannt. Er lebte zuletzt
zurückgezogen in Miesenbach bei Gutenstein auf seiner Besitzung.
Er starb in Wien 1843 am 27. März. Zwei seiner Sohne
Jakob (-s 1829) und Friedrich sind Maler geworden. Letz-
terer ist der berühmte Tiermaler, geb. 20. Sept. 1807 in
Miesenbach, gest. 7. Juli 1862 in Wien.
24) In Oeffingen begraben ist ein in der Geschichte
unserer Diözese sehr bekannter hochverdienter Mann, Stephan
Uhl vr. pliilos., Ehrenkammerherr Sr. Heiligkeit Pins' IX.,
geb. in Unterschneidheim, OA. Ellwangen, am 24. Dez. 1824.
Am 10. August 1849 wurde er zum Priester geweiht und
war als solcher zuerst Vikar in Böhmeukirch, dann Pfarrver-
weser in Gosbach. Anfangs Dezember 1856 trat er als
Mitarbeiter in die Redaktion des „Deutschen Volksblattes"
und „Katholischen Sonntagsblattes" in Stuttgart ein unter
vr. Florian Rieß. 3) Ende Mai 1857 vertrat er dessen Stelle
als Verleger und Redakteur. Am 1. Juli desselben Jahres
wurde er Nachfolger des letzteren. Er gab auch den weit
verbreiteten „Katholischen Volks- und Hauskalender", zeit-
weilig auch das „Rotteuburger Kirchenblatt" heraus in Ver-
bindung mit andern schwäbischen Schriftstellern, vr. Uhl er-
wirkte die Aufhebung des Verbots des „Deutschen Volksblat-
teö" in Bayern und Baden und brachte dieses, das von 1600
aus 900 Abonnenten gesunken war, wieder auf 1500 Abon-
nenten. Das „Sonntagsblatt", welches bei seinem Nedaktious-
eintritt 5500 Abonnenten zählte,, stieg bis auf 22 000. Im
badischen Kirchenstreite, in der Konkordatsangelegenheit, er-
warb sich das „Deutsche Volksblatt" große Verdienste. In
politischer Beziehung war es konstitutionell und großdeutsch
gesinnt. Infolge der sogenannten „Nottenburger Wirren"
und Jnfallibilitätssrage erstanden dem „Volksblatt" viele
Gegner und dasselbe wie auch das „Sonntagsblatt" gingen
zurück. Ersteres hatte uoch 1200, letzteres 15 000 Abouuenten.
Vom 1. April 1874 ab hörte das „Volksblatt" für dreiviertel
Jahre zu erscheinen auf. 1875 übernahm Gustav Wauner
die Redaktion (geb. Muuderkingeu 12. Sept. 1849, 1875
Redakteur am „Volksblatt" bis Febr. 1877, wo er wegen
andauernder Krankheit auötrat, als Kaplaneiverweser nach
Schleinsee kam und dort starb 29. Mai 1878). 1877 27. Febr.
übernahm Or. Thömes die Redaktion, und seit 15. Au-
gust 1877 Konrad Kümmel. 1875 erfolgte der Verkauf des
Besitzes beider Blätter und des „Volkskalenders" an die ueu-
gegründcte Aktiengesellschaft, vr. 11hl besorgte seit 1876 die
Pastoration der Katholiken in Böblingen und Kirchheim, wurde
anfangs Dezember 1879 zum Stadtpfarrverweser in Ludwigs-
burg und provisorischen Schuliuspektor des Bezirks Stuttgart
ernannt. Er starb, als er von einem Ausflug in Mühlhausen
S. „Deutsches Volksblatt" 1880, 12. Juni, Nekrolog von Joh.
Frizeilschaf.

über Oeffingen nach Stuttgart reisen wollte, infolge eines Cu"
Hirnschlags in Oeffingen am 10. Juni 1880 und wurde
Oeffingen, wo er sich am Oelberg ein Grab gekauft hatte, seines
Wunsche gemäß am 12. Juni 1880 unter höchst zahlreiche
ehrenvoller Leichenbegleitung beerdigt von Herrn Kamerst
Schneider, Stadtpfarrer in Stuttgart. Or. Uhls Grab schmücks
ein kunstvolles Marmordenkmal, gefertigt nach dem EntwlU'l
des Herrn Hosbaninspektors Bayer von Bildhauer Höschst'
Or. Uhl, der in seinem Leben ein sehr woblthätiger Man"
war, hat reiche und schöne Stiftungen gemacht durch seist
Verwandten. Er selbst war für seine Person eine friedliebende
Natur. Die katholische Presse Württembergs hat ihm seist
vieles zu verdanken. Auf ihm als Vorgänger bauten die
Nachfolger fort und führten das begonnene Werk zu weiterst
Blüte. — 7>nm Schluß uoch einige Nachrichten über dst
ehemalige Oesfinger Franziskanerhospitinm. (Fvrts. folgt-'

Dir katholische Pt'arrltrlle zu St. Martin in
-Lenti: irch.
VII.
Chronologie der Pfarrer.
, Mitgetcilt von R ud. Roth, sevior.
(Fortschmig.) ..,
Die Thätigkeit des Stadtpsarrers Mancher erstreckte stw
aber nicht bloß auf seine Gegenwart, sondern er war anst
bemüht, der Nachwelt sich nützlich und verdienstlich zu zeige"'
Wir ersehen dieses bereits schon aus den von ihm gemachtst
Stiftungen. Er verfaßte mit großem Fleiße eine Psarrchroint'
wenn es ihm damals auch an manchen Quellen mangelte, st
hat er doch mit wahrem Bienenfleiße alles Interessante ast
seiner und der Vorzeit gesammelt und niedergeschrieben. Diest
Chronik ist eines der schätzbarsten und wertvollsten Dokumente
in der hiesigen Pfarr-Registratur. Diesem reiht sich würdst
an eine Pfarrbeschreibnng aller damaligen Filialieu, der Fst
lialkirchen und Kapellen. Ein eigenes ITder Oecimukio""'
oder Zehntbnch hat Mancher mit einer gründlichen Pünktliche
keit, mit Angabe aller Rechtsverhältnisse hergestellt.
Wie aber Stadtpfarrer Mancher von seinen Pfarrkindest
geliebt wurde, bei der Stadtgemeinde in Achtung stand, ebenst
geehrt und geschätzt war er bei seinen Amtsbrüdern und de"
höheren ihm Vorgesetzten geistlichen Behörden. Manchst'
wurde schon 1624 zum Kamerer und am 12. Januar 16-1^
zum Dekan des großen Landkapitels „Uf der Haide", damal-
Jsny genannt, gewählt und bestätigt.
Nach einer 46jährigen segensreichen Wirksamkeit kon"st
Mancher wohl mit Recht sagen : „Ich habe als Kamerer n-st
Dekan das ganze große Landkapitel öfters visitiert, ältest
nirgends so viele Beschwerden und Lasten gesunden als
in meiner eigenen Psarrgemeinde." Mit unermüdlichem Eisst
hat Pfarrer Mancher mit dem ihm von Gott gegebenst
Steuerruder seine ihm anvertraute Herde durch die Stürist
jener Zeit, wenn auch sehr beschwerlich, doch glücklich hinüber
geführt. Mit unverbrüchlicher Treue in feinem Amte hat st
46 Jahre zum Wohle und Segen der Gemeinde, zum Heist
der Kirche und zur Ehre und Verherrlichung Gottes als Pfarrst
an der St. Martinskirche in Leutkirch und als Kamerer
Dekan des großen Dekanatssprcngels gewirkt. Er starb st'
75. Lebensjahre 1660.
Während von verschiedenen Pfarrern und Geistlichen kst
Grabmonnmente in der Kirche oder auch außerhalb derselbe"
an der Kirchenmaner angebracht sind, ist die Grabstätte dst
Stadtpsarrerö Mancher nirgends zu finden. Höchst walst
scheinlich wollte Mancher seine Ruhestätte aus dem Friedhöfe
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