Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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zu sich komme!:, zerriß vor ihren Augen ihre Schuldscheine,
oder ließ ihnen wenigstens größere Summen nach. Im Jahre
1826 machte er sein Testament und bestimmte:
der St. Martinskirche hier als Anlagekapital die
Summe von. 1000 sl.
für die Schule in Lentkirch, als Schulreguisiten für-
arme Kinder. 800 fl.
für die Schulen in Niederhofen, Tantenhofen, Wuch-
zenhofen zu gleichen Zwecken je 200 fl., zus.: 600 fl.
zur Verstärkung der Waibelschen und Mancherschen
Studienstiftnng, zusammen ....... 500 fl.
zur Abhaltung eines Jahrtages für ihn und die
Verwandtschaft. 300 fl.
für die Unterhaltung der Kirchenmusik .... 200 fl.
für die Kirche in Tautenhofen. 100 fl.
zur Verteilung an die Armen in Stadt und Land
nach dessen Tode. 800 fl.
der Pfarrkirche zu Berg bei Ravensburg ... 100 fl.
dem Waisenhaufe in Weingarten. 40 fl.
4440 sl.
Das weitere hinterlassene Vermögen erhielten die zahl-
reichen Verwandten. Stadtpfarrer Nittler starb nach ^jäh-
riger segensreicher Wirksamkeit am 2. Oktober 1832, über
80 Jahre alt, und wurde am 4. Oktober unter zahlreicher
Begleitung und allgemeiner Teilnahme von Stadt und Land,
ohne Unterschied der Konfession, zu Grabe bestattet.
Seine Majestät der König Wilhelm präsentierte zum
erstenmale:
32) Joh. Bapt. Werner von Gmünd im Juli 1842 als
Stadtpfarrer und Dekan von Leutkirch, welcher am 1. Sep-
tember desselben Jahres von der Pfarrstelle feierlich Besitz
nahm. Es muß dem Stadtpfarrer und Dekan Werner zur
Ehre hier beigefügt werden, daß er das Innere des schönen
Gotteshauses wieder dem Baue der Kirche gemäß im goti-
schen Stile anzupassen bemüht war. Unter Dekan Werner-
Würden alle fünf Altäre, die Kanzel und vieles andere her-
gestellt , der Chor ausgemalt uud in denselben gemalte Fenster-
eingesetzt. Die Parochianen wetteiferten auf seine Veranlassung,
reichliche freiwillige Beiträge zu spenden und konnte auch ein
ganz neuer Ornat angeschafst werden. Nachdem Stadtpfarrcr
und Dekan Werner 23 Jahre als thätiger Seelsorger für die
St. Martinskirche gewirkt hatte, übersiedelte er am 3. No-
vember 1865 nach Urlau. Nach lOjähriger Amtsthätigkeit
(das Dekanat hatte er bereits schon früher niedergelegt) zog
Werner anfangs Dezember 1874 nach Leutkirch zurück, wo
er am 28. November 1875 starb.
33) Joh. Bapt. Piscalar, geb. am 26. Mai 1820 in
Stimpsach, OA. Crailsheim; er war 11 Jahre Rektor am
Schullehrerseminar in Gmünd und wurde unter Anerkennung
seiner bisherigen treuen und ersprießlichen Dienstleistung von
Seiner Majestät dem König Karl zum Stadtpfarrer der St.
Martinskirche in Leutkirch ernannt. Am 12. November 1866
wurde Stadtpfarrer Piscalar von der ganzen Pfarrgemeinde
und der Stadt Leutkirch festlich empfangen und tags darauf
feierlich investiert. Stadtpfarrer Piscalar, der nach Werner
zum Dekan gewählt und bestätigt worden war, zog ebenfalls
auf die vakante Stelle in Urlan und wurde daselbst am 12. Sep-
tember 1876 als Pfarrer feierlich investiert.
34) Vinzenz Stützle von Dürnau bei Buchau kam am
23. Mai 1877 von Altheim, OA. Horb, wo er Pfarrer und
Kamerer gewesen und wo unter seiner Leitung eine neue
sehr schöne gotische Kirche erbaut worden war, nach Leutkirch.
Er wurde ebenfalls sehr festlich empfangen und am darauf-

folgenden Tage den 24. Mai feierlich und kirchlich investiert.
Er ist noch in voller Amtsthätigkeit, und durch seine Umsicht und
Leitung ist die Kirche bereits in ihrem innern Ausbau fertiggestellt.
Hiemit schließt die Reihenfolge der Pfarrer zu St. Martin
in Leutkirch. Möge es einem späteren Geschichtsforscher Vor-
behalten bleiben, die Reihenfolge der Pfarrer wie auch alles
andere Interessante und die Begebenheiten der St. Martins-
kirche und Psarrstelle in Leutkirch zu ergänzen!

Drldrr aus der Geschichte Mergentheims.
Non Pfarrer Prof. Sambeth in Ailingen.
(Fortsetzung.)
Am 24. April 1631? soll auch Gustav Adolf selbst hrer
gewesen sein. Bei dieser Gelegenheit beschenkte er die Grafen
von Hohenlohe wegen ihrer Anhänglichkeit an seine Sache,
z. B. den Grafen Kraft mit dem Stifte Ellwangen und Kloster
Schönthal samt dem Propsteihofe in Mergentheim, während
Ferdinand II. im Jahre 1637 die Grafschaft Weikersheim
wegen schwedischer Gesinnung des Hohenlohe dem Deutschorden
schenkte. Infolge des westfälichen Friedens kam aber 1649
alles wieder an die früheren Herren.
Während der schwedischen Herrschaft wütete auch die
Pest 1631 und 1644. Am 1. Sept. 1634 erließen Bürger-
meister und Stadtgericht an den Ziegelmüller den Befehl, alle
Abend 4 Uhr den ganzen Mühlwehrbach in die Stadt
zu leiten und bis spät in die Nacht laufen zu lassen. Auch
wurden täglich in den Straßen und auf den Märkten große
Feuer angezündet.
Von Horn selbst erzählt uns eine Chronik noch folgen-
des: Im Jahre 1593 war der Mergentheimer Pfarrkirchen-
turm um 56 Schuh höher als zuvor erbaut und mit einem
Kranze, an dem verschiedene Wappen angebracht sind, geziert
worden. In den Knopf des Turmes, der am 24. Nov. 1593
vollendet wurde, war ein Denkzettel gelegt worden. Diesen
Denkzettel nebst der Wetterfahne ließ Horn am 22. August
1633 verändern; diese Änderung aber währte nicht lange,
denn die rechtmäßige Negierung ließ 1634 Urkunde und Fahne
alsbald wieder im alten Sinne erneuern. Bei dieser Gelegen-
heit erfahren wir auch, daß 1593 von den Brüdern Hans
und Weigand Arnold von Würzburg die große 52 Zentner
48 Pfund schwere Glocke um 18 fl. per Zentner gegossen wurde
und daß der Schwengel 128 Pfund wiegt. Sie kostete, bis sie
im Turm hing, 1546 st. 36 kr. damaliger fränkischer Währung.
1634, 26. August rückte der kaiserliche General Johann
von Werth vor Mergentheim, um die Stadt zu entsetzen, mußte
aber unverrichteter Dinge abziehen.
In demselben Jahre, nach der für die Kaiserlichen gün-
stigen Schlacht bei Nördlingen sahen endlich die treuen Mer-
gentheimer am 5. Oktober den geliebten Landesherrn, Hoch-
und Deutschmeister Johann Kaspar von Stadion, wieder in
seine alte Residenz einziehen, nachdem der schwedische Statt-
halter schon am 11. Sept. entflohen war. Der gütige Fürst
gab der Stadt wegen der bewiesenen Anhänglichkeit an den
Orden das Privilegium des freien Weinhandels.
Aber mit der Wiederkehr des rechtmäßigen Fürsten hatte
die Kriegsnot noch lange nicht ihr Ende erreicht. Die noch folgen-
den vierzehn Jahre des Kampfes brachten noch Truppen aller Art.
1642 im Oktober kam der kaiserliche General Graf
Melchior von Hatzfeld, der große Wohlthäter der Lauden-
bacher Bergkirche, dessen Herz noch jetzt im prächtigen Sarko-
phage der Kapelle ruht, während sein Bild in Lebensgröße auf
der obern Fläche zu sehen ist, mit zehn Regimentern in Mer-
gentheim an, zog aber bald wieder ab, jedoch hatte die Gegend
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