Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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II. Fränkische 10: 1. Pforzheim, 2. Mergentheim,
3. Wimpfen, 4. Frankfurt, 5. Koblenz (?), 6. Bamberg, 7.
Speyer, 8. Worms, 9. Mainz, 10. Nürnberg.
III. Sächsische 3: 1. Dülmen (Westfalen), 2. Luxem-
burg, 3. Greiz.
IV. Brabantische 3: 1. Löwen, 2. Antwerpen, 3.
Utrecht (Holland).
V. Österreichische 1: Betz.
VI. Bnrgnndische 1: Kanton Wallis.
VII. Französische 2: 1. Bethnne, 2. Lonan.
VIII. Italienische 1: Crema.
Zusammen: 40.
Nnr das glauben wir feststellen zu können, aber auch
mit gutem Grunde nnr das. Bedenkt man nämlich die Zeit,
so kurz vor der eigentlichen Reformation, bedenkt man ferner
namentlich, daß diese so rasch und plötzlich wieder unterbrochen
wurde; daß weiter die dann eintretende österreichisch-schwäbische
Kreis-Herrschast trotz allem für das württembergische Volk
eben eine fremde, deshalb immer unbeliebte sein mußte; hatte
auch Herzog Ulrich ganz sicher nie den Charakter, um sich
mit seinen Neuerungen wirklich beliebt machen zu können, so
ist doch ans der andern Seite wohl begreiflich, daß wenige
überhaupt über diese Zeit der Nachwelt etwas vermeldeten.
Daß zuletzt auch vom Herzog Ulrich die sich immer etwas
fühlenden Gemeinderätc von Stuttgart ein Geschenk wie das
Predigerkloster zu einem Hospitale annahmen und sich keine
Gewissensbisse machten, hiemit die Mönche Hinausgetrieben zu
haben n. s. w., ist ebenso leicht erklärlich. Was später,
namentlich im 16., 17., 18. Jahrhunderte speziell über würt-
tembergische Verhältnisse geschrieben wurde, enthält über diese
Geschichte wenig, oder fast nichts mehr, indem entweder so
etwas gar nicht zur Materie der zu behandelnden Ausgabe
gehörte oder unabsichtlich oder auch mit Fleiß weggclassen
wurde. So haben wir weder bei Gabelkhofer (Chronik der
Stadt Stuttgart, Mannskr. der K. Bibliothek) noch bei
Besold in seinen beiden Werken (einmal allgemein die würt-
tembergischen Nonnenklöster, dann speziell das Chorherren-
stift Stuttgart), noch bei Sattler (württ. Grafen), noch bei
Stälin, Pfaff (Geschichte Stuttgarts), Fr. Cleß (kirchenpoli-
tische und knlturgeschichtl. Lage Württembergs bis zur Refor-
mation, 1806/8 in 3 Bd.), Schönhut (Burgen und Klöster
Württembergs 1860/61) etwas Nennenswertes gefunden. Bloß
darin stimmen aber alle überein, daß Graf Ulrich der Viel-
geliebte (V.) nicht nnr nomineller Stifter der Kirche ist, son-
dern in allen Beziehungen mit Rat und That, Geld und
guten Worten sie und das Dominikanerkloster unterstützte.
Ihm war es z. B. nicht gleichgültig, wie die von ihm herbei-
gernsenen Predigermönche anssahen, wie sie lebten und webten.
Er drang gleich darauf, daß welche von der strengen
Observanz kamen. Er forderte von ihnen, und ließ ihnen
dies auch von ihren Ordens-Provinzialen mehrmals einschärfen,
daß sie sich nicht mit der „Vervielfältigung" von Jahrtagen
(die ja doch die Mittel znm Ausbau und zur Vergrößerung der
Kirche und des Klosters herbeigeschasft hätten) und überhaupt
nicht mit der alleinigen Pflege der Wissenschaft, insbesondere
der kirchenrechtlichen Prozesse, befasseil sollten. Ihre Aufgabe
sollte mehr eine praktische sein; durch echte Volkspredigten
sollten sie nicht nur sich selbst, sondern namentlich auch das
Volk wahrhaft „reformieren". (Vergl. Cleß, II. Teil, 1. Abt.
d. h. Bd. 8 P. 266, 312, 466 A. B.) In diesem Sinne,
um selbst auch ihr fleißiger Zuhörer zu sein, ließ er sich
auch noch anno 1479 die hübsche Empore an der Nordseite
des linken Seitenschiffes erbauen. Die offenen Arkaden der-

selben ruhen ans vier zierlichen achteckigen Pfeilern, welche
gegen vorn an Konsolen die geistvoll gearbeiteten Brustbilder
alter Propheten tragen. Ans den Konsolen standen unter
den reich verschlungenen, steinernen Baldachinen die jetzt
leider verschwundenen Slatnen der vier Evangelisten. Der
zweite Baldachin (vom Westen, dem Eingang der Kirche, die
ziemlich parallel mit der Stiftskirche läuft, ans gerechnet)
trägt ans einem Sprnchbande die Inschrift: Twno clomini
1479 ^lnrin. Im Innern der Empore gehen die Netz ge -
wölbe, die mit reichem Maschenwerk das Ganze überspannen,
an den Pfeilern von Konsolen ans, die von den lebhaft
bewegten, kleinen Gestalten der Werkleute gehalten werden;
an der Rückwand dagegen von schönen, langgelockten Engeln
mit Spruchbändern, und in der östlichsten Arkade von einem
steinernen W a ppenschild, ans dem einst ohne Zweifel das
gräflich württembergische Wappen gemalt war. Die Schln ß-
steine, ebenso von West nach Ost gesehen, zeigen an:
1. Deil hl. Johannes Baptista, mit dem Lamm Gottes
ans der Linken, das eine Krenzeösahne trägt und aus welches
der Heilige mit der Rechten weist. (S. Fig. 16 der Tafel VII
bei Heidelofs.)
2. Den hl. Paulus, mit dem Schwert in der Linken
und einem Buch in der Rechten.
3. Einen Jüngling, der in der Rechten einen Kelch
hält, auf den er mit der Linken hinweist, wahrscheinlich St.
Johannes Cvangeli sta.
4. Einen Apostel, in der Rechten einen Schlüssel, in der
Linken ein anfgeschlagenes Buch, wahrscheinlich St. Petrus.
5. St. Anna, mit ihrer als Mädchen dargestellten Tochter
St. Maria, die das Jesuskind auf den Armen trägt.
Vergl. überhaupt Heidlf. T. I—VIII, mit dem dazu ge-
hörigen Text. „Ehristl. Kunstblatt für Kirche, Schule und
Hans." Jahrg. 1882. Nr. 1. S. 15/16.
(Fortsetzung folgt.)

Schwäbisches aus der Münchener rRnnst- und
Nnnstgeiverbe-Nusstellung von 1688.
In der im Münchener Glaspalast stattfindenden III.
internationalen Jubilänms-GemäldeauSstellnng befinden sich ver-
schiedene.Stücke mit schwäbischen Motiven. So führt uns
Karl Röchling ans Berlin in einem (in Saal 31 nnter-
gebrachten) etwas mattsarbig (grau in weiß) gehaltenen Kolvssal-
bilde (Katalog Nr. 1966; verkäuflich) „die Berennnng des
Städtchens Besigheim im Jahre 1519" vor, an welcher
entschieden die gelungene Stadtansicht das Beste ist, während
die vor und entlang der Stadt ansgestellten Belagernngs-
trnppen schon mehr an „Holgen" von Landsknechten oder auf-
rührerischen Bauern erinnern. Der scharfe Kritiker der „Augs-
burger Postzeitnng" geht über diese Darstellung mit der kurzen
Bemerkung: „Impressionistische Historienmalerei" hinweg. In
Stadtvednten scheint indes Röchling ein versierter Meister
zu sein; so zeigt er uns in einem anderen, weit besseren, in
Saal 2 ansgehängten, ebenfalls verkäuflichem Oelbilde „Schwarz-
wälder Flößer ans der Enz" (Kat. Nr. 1967) wieder eine
hübsche Allsicht eines echten, an einem Flüßchen liegenden
Schwarzwaldstädtchens, welches man fast für einen Teil von
Wildberg halten möchte, wogegen die Typen der Flößer eher
an bayerische Holzknechte als an Schwarzwälder erinnern.
Das Urteil des gen. Kritikers über dieses tüclnig gemalte Stück:
„Stark hervorgehobene prosaische Wirklichkeit und hart ge-
malt" finden wir zu hart. „Ans dem Mnrgthal" hat Karl
Lndw. Fahrbach in Düsseldorf (Nr. 965) eine hübsche
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