Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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rührensche Geist unter der Schussenrieder Bauernschaft auf,
so namentlich unter der Negierung des Abtes Martin Dieterich
um d. I. 1611, in welchem sich gegen 300 schwierige Köpfe
wieder in Steinhaufen zusammcnrotteten und sich von einem
unruhigen Kopfe, einem Schneider ans Roppertsweiler, Barthol.
Kaudtler, dem sog. „Hcssenschneider" harangnieren ließen?)
Das Elend des 3Öjährigcn Krieges und dessen das ganze 17.
Jahrhundert noch andauernde Nachwehen machten von selbst
solchen aufrührerischen Gelüsten ein Ende. Im darausfolgenden
18. Jahrhundert war das Regiment ein so mildes, nahezu
patriarchalisches, daß wesentliche Unruhen nicht vorkamen. —
Mit dem Bauernaufstand speziell im Gebiete des Neichsstiftes
Schussenried befaßt sich nun das Lied nicht; die zeitgenös-
sischen Originalauszeichnungen rc. darüber sind so ziemlich
alle, jedenfalls vollends im Verlause des 30jährigen Krieges,
gegen dessen Ende im Jahre 1648 das Kloster noch von
den Schweden angezündet wurde, zn Grunde gegangen, es
müßte — was nicht ausgeschlossen — nur ein günstiger Zufall
etwas noch ans Tageslicht gelangen lassen; die im Jahre 1765
znsammengestellte „Schnssenrieder Hauschronik" folgt beinahe
ausschließlich den Angaben des Schemmerbergschen Pflegers
Amand Scheffer, den Pslnmmernschen Annalen von Biberach
und der zum Teil in dieselbe cinverleibten Hcggbachcr Chronik.
— Um ans das Zeitgedicht, welchem eine zeitgeschichtliche Bedeutung
nicht abgesprochen werden kann und welches wir nun im Wortlaut
folgen lassen, zurückzukommen, so ist das Original desselben, das
fliegende Blatt, außerordentlich selten; es findet sich in Wellers
Annalen (I, 96) und Repertorium (Nr. 3480) aufgeführt und
bei Soltau unter Nr. 51, sowie in R. von LiliencronS Samm-
lung „historischer Volksliederder Deutschen vom 13.—16. Jahr-
hundert" (Leipzig, Verlag von F. C. W. Vogel 1867) unter
Nr. 376 im III. Bd. S. 447—451 abgedrnckt und nach dem
letztgenannten Abdrucke geben wir dasselbe hier. Die Schreib-
weise von: ck, tz, ss, s, ß, ss, uo, ne, r, meh, mehr, theill,

weytther, lenthen, theüffel, thiefs, thuoch, spill, will, woll, mann,
denn, vonn, vnnd, Widder ?c. wechselt häufig. — Die „Poesei"
steht über der mancher anderer zeitgenössischer Lieder; der
Gehalt ist reich und kann dieser poetische Erguß als ein echter
Repräsentant der damals im Lager der Bündnischen herrschen-
den Empfindungen und Gefühle gelten. Die Singwcise ist „in
brnderVeiten tv iE („Mnst's in brnder Veiten ton singen"
— heißt's im Text).

1 Ich sing zn lob nnd cren
keiserlichcr majestat;
den fürsten und auch Herren
hat gvt verlanhen gnad
in tentsch und welschen landen,
auch in dein römischen reich,
am Nein nnd bei dem bvnden,
in Lolringcn des gleich.
2 Nn Han ich all mein tagen
vom kling von Frankenreich
groß wonder hören sagen,
cs ieb keinr seins geleich,
der solches mög Volbringen
mit kriegen nnd mit streit,
er wolt all weit bezwingen:
dies jar kam auch die zeit,
2 Daß er sich must ergeben
nnd selbs gefangen sein,
kost manchem man sein leben,
gingcnt am netzen ein
gar vil der großen Hansen.
Karlus der anßcrwelt
der hat den sig behalten,
dem köng sein blnt gestelt.

4 DSchweizcr hont in betrogen,
nament ein anders für,
in Übermut gezogen
dem bond gleich für die thiir,
woltent den frnmmen Herren
von Wirtemberg setzen ein,
kondent im sein seckel lcren,
brachten ihn umb das sein,
ü Sie hont ir lob verloren,
das sie lang haut gehapt,
thettent in vierzig jaren
iivch nie kein erlich that,
sie schabents gelt von lenken
nnd nement gute Pfand;
du weist wol >vie sie thettent
dem Herzog von Meiland.
o Die pawern ivolten lernen
von Schwizern böse stück
und auch selbs Herren werden,
das war ir ungelück;
man must sie anderst taufen
bei Ulm in einer bach,
welcher nit mocht entlaufen,
gar bald man ihn erstach.

«) N. a. O. S. 33 und 34.

7 Man lert die pawern tnch pleichen
zn Worza im Algei;
es geschaen große zcichen
bei marggraf Casimei:
manchem ist sein licht verloschen,
der nit wolt sehen an
renter oder pfasfcn
nnd auch kein cdelman.
8 Bei Herrenberg in Schwaben
lert man pawern z'acker gan;
ir tvordent vil erschlagen/
zJngelsingcn uf dein plan.
Vil mcr schlacht sein geschehen,
fürwar sag ich euch das;
sie hants oft übersehen,
paur, lern den reimen baß!
9 Der lew nnd auch der adler
nistcnt in einem Holz,
es mag vil steten schaden,
ein teil warent zu stolz,
mngent irs Hochmuts genießen,
man darf in schlagen ein
und in den hirßen büßen,
leert sie gehorsam sein.
,n Heiltpron, ich muß dich schelten,
hast dich nit wohl bedacht,
du magst sein noch entgelten,
du hast vil lent nmb bracht;
durch dich so ist verdorben
gar mancher biderman,
vil seind erschlagen worden,
da bist» schuldig an,
ii Daß du dich thets ergeben
on alle not and pawern,
und hast vil tiefer greben
nnd auch ein gute manr;
das macht arm lent erschrocken,
die saßent uf dem land
in dorf nnd offen flecken
und wistent kein beistand.
I» Du bist nnd Pfaffen gfarcn,
hasts auch dem lewen than
vor ein nnd zwenzig jaren,
das sein auch nemen lan;
ich darf nit weiter singen,
du merkst zwar selbst wol das;
den leuwen liest du sehen
den tcifel in eim glas.
i» Der lew niöcht dran gedenken,
es ist noch nit verschwort!,
sein gut thestn im henken
dem hirß wol an sein Horn.
Wie Neckersolmbs ist geschehen,
als möcht es dir auch ergan;
ich mein du habst's gesehen,
was Weinsperg ist gethan.
i4 Man thct die panwern grüßen
zn Königshosen in eim wald,
man maß sie mit langen spießen;
cs geschah hernach gar bald,
zn Jngelstadt desgleichen
sezt man in kappen ans,
kond in die lenden streichen,
thet nit der gweltig Hanf.
i s Würzperg, du magst wol tranren,
daß du hast gnommen für
verbend dich mit den pauren,
des host du gar kein cer;
du wollest ic vertreiben
den frommen Herren dein,
nun must in laßen pleiben,
im underthenig sein.

i« Der adler thet sich mausen,
der lew brnmpt feindlich ser,
dem stieft von Meinz ward grausen
wol vor dem großen her,
des gleichen ward nie gesehen
in tentscher Nation;
wer ein ding nit geschehen,
man hets baß griffen an.
i? Man wards ein wenig pochen,
sie hnbent ns ir hend,
seind auch zum crcuz gekrochen,
das geschach an manchem end.
sNinckaw hat sich ergeben,
wer hals ie wer gehört?
mvgcnt nun fridlich leben,
sonst hett mans auch zerstört!
1« Zn Frankfurt seind die weißen,
habent sich erst bedacht,
sie hettent sich vergeßen
nnd selber ordnnng gemacht,
als ob kein keiser were
und auch kein regiment.
Stet, fürsten und die Herren
sollcnt verordnen all stend.
i-. Ich Hofs sie seind vertragen
mit fürsten und dem bond.
Noch eins hör ich gern sagen,
daß Wormbs nit übel stond,
biß daß der hochgeboren
fürst selber zu im knm,
ir bischof anßerkoren,
ist Herzog Heinrich fromm.
2« Noch was ein olenb panren,
mntwiltent ns dem Nein,
man sagt von sieben tansent,
mustent erschlagen sein;
sie woltent teufel sahen
dem leuivcn in seim land;
es mocht in wol verschmähen,
daß sic in griffent an.
21 Zn Dirmstein ists geschehen,
verbrannt man im ein Hans
nnd Hingent im ein diencr
oben zn laden anß,
hat im sein knecht erstochen;
das thet dem fürsten zorn,
er hats an in gerochen,
der pfalzgraf hochgeborn.
22 ZFedersheim vor der Pforten
schind inan die wammes an,
panren woltents fürsten Worte»,
nnd plibcn doch nit stau!
sie woltent all entrinnen,
liefent die wingart ein,
man sach kein seiden spinnen,
stachen sie wie die schwein.
22 Erstmochd diepawernwolrenwen
was sie Hand gfangen an;
in riet hievor in trcuwen
ein frommer edelman,
daß sic ab soltent keren
nnd ziehen wider heim,
bedenken trew nnd ehren
und auch ir kinder klein.
24 Das thet Wilhelm vom Hadern,
der erlich cdelman,
der kond den panwern wol sagen,
was in hernach würd gan,
ist gen Westhofen geritten
und auch ins stift von Spcier,
thet pawern freundlich pitten,
ja daß sie schontent ir.
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