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Dörpfeld, Wilhelm; Reisch, Emil
Das griechische Theater: Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater — Athen, 1896

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https://doi.org/10.11588/diglit.5442#0123

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io8

II. Abschnitt. Griechische Theater ausserhalb Athens.

nach oben stark verengte. Ich zweifle nicht, dass wir sie mit der krahnenarti-
gen Maschine in Verbindung zu bringen haben, welche an der Skene ange-
bracht war und dazu diente, schwebende Personen, also namentlich Götter, in
der Höhe erscheinen zu lassen (vergl. Abschnitt IV). Durch die Öffnung des
Gebälkes konnte vermutlich ein Balken, an dem sich ein Krahnen befand, vor-
geschoben werden. Eine Person, die an dem Krahnen hing, konnte so schwebend
und scheinbar fliegend als « deus ex machina » (öeb? äitb y.-qxaTqq) erscheinen.
Wurde der Krahnen etwas nachgelassen, so sank die Person auf das Dach des
Proskenion herab und konnte auf dem Podium stehend zu den unten befindlichen
Schauspielern und zu den Zuschauern reden. Dass die Öffnung für eine flie-
gende Person besonders gross sein musste, ist wohl verständlich; ebenso be-
greift man, dass es technisch notwendig oder wenigstens nützlich war, dem Balken
über der Öffnung, der den Krahnen trug, durch die geschwungenen Architrave
eine geringere Spannweite zu geben.

Figur 42. Ergänzter Aufriss der Skene von Oropos.

Ist hiernach die Reconstruction der oberen Skene in einigen Einzelheiten
auch noch unklar, so ist sie doch im Grossen und Ganzen vollkommen gesichert.
Fraglich ist z. B., ob der Triglyphenfries über der Öffnung unterbrochen war
oder durchging. Letzteres müsste zwar als architektonischer Fehler bezeichnet
Averden, weil die Triglyphen nicht in der Luft schweben können, kann aber trotz-
dem der Fall gewesen sein. Als Verschluss der grossen Öffnung können wir
uns entweder einen Vorhang oder eine hölzerne Thür denken, die sich beide
vermutlich in der Mitte teilten, wenn ein Schauspieler vermittelst der Flugma-
schine erschien.

Das Dach über dem Spielhause war höchst wahrscheinlich horizontal. Nicht
nur deshalb, weil das Proskenion auch ein horizontales Dach hatte, sondern na-
mentlich, Aveil die gefundenen Geisa oben horizontal abgearbeitet sind.

Neben der Skene werden in der Weihinschrift noch 0upw[j.aTa genannt, welche
gleichzeitig hergestellt worden sind. Man könnte hierunter unsere grosse Thür-
öffnung verstehen und müsste dann wegen des Plurals noch zwei weitere Thüren
neben der grossen Mittelöffnung ergänzen. Meines Erachtens ist aber die grosse
 
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