Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

Page: 13
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd10_1/0019
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
STADT HANNOVER

Geschichtlicher Überblick
Lage und Entstehung einer ersten Marktsiedlung
Hannover wurde als Siedlungsplatz vor allem durch zwei geographische Um-
stände begünstigt: zum einen die Lage im Leinetalgraben, zum anderen die
Grenzlage zwischen Mittelgebirgsschwelle mit ertragreichem Löß und nord-
deutscher Tiefebene mit sandigen Geestböden.
Neben dem parallel zur Leine verlaufenden Fernhandelsweg aus Süddeutsch-
land über Hildesheim nach Bremen, dessen Verlauf für die grundsätzliche Aus-
richtung des Straßennetzes der späteren Marktsiedlung bestimmend wurde,
überquerte ein zweiter aus Frankfurt kommender Fernhandelsweg die Leine
und führte weiter nach Hamburg bzw. Lüneburg — Lübeck. Der Flußübergang
wurde durch die Einengung der Leineaue — im Westen Ausläufer des Lindener
Berges, im Osten Sanddünen — und die Inselbildung mit kurzen Furten erleich-
tert, so daß die Benutzung der Übergangsstelle verbunden mit einer Siedlung
bereits seit dem 1 .—3. Jh. nachweisbar ist.
Weiterhin war die Leine in ihrem Unterlauf bis zu ihrer Abknickung aus der
Süd-Nord-Richtung nach Westen schiffbar; dies erforderte hier einen Warenum-
ladeplatz.
Die Lage am Schnittpunkt zweier bedeutender Handelsstraßen und am End-
punkt des Schiffahrtsweges sowie an der Trennungslinie unterschiedlicher land-
wirtschaftlicher Nutzungsgebiete bot eine günstige Voraussetzung zur Anlage
eines Handelsplatzes.
Auf den Terrassen kanten beidseitig der Leineaue waren im stadthannoverschen
Bereich zwischen 1000 und 1250 zunächst etwa 15 Siedlungen in hochwasser-
geschützter Lage an der Grenze zum bebaubaren Ackerland entstanden, von
denen ungefähr die Hälfte im Hochmittelalter wüst wurde.
Eine dieser Ufersiedlungen war das zwischen 1007 und 1013 erwähnte Dorf
Tigislege, das einen der Ausgangspunkte der Stadt Hannover bildete. Die etwa
gleichzeitig sich entwickelnde Lehnshofsiedlung der Billunger im Bereich der
Burgstraße diente zur Sicherung des Leineübergangs und zur Kontrolle des
Fernhandelsweges Hildesheim—Bremen.
Eine eigentliche Marktsiedlung entstand im Schutz dieser Lehnshöfe neben
dem Dorf Tigislege seit etwa 1100. Marktkirche und Marktplatz waren der Kern
dieser um 1150 als „vicus hanovere" bezeichneten Kaufmannssiedlung, deren
mandelförmiger Grundriß zu dieser Zeit bereits vorhanden war.
Die Entwicklung der Bürgerstadt bis zur Residenznahme
Nach der Zerstörung 1189 durch Heinrich VI. baute man die niedergebrannte
„civitas" auf dem alten Grundriß, der in Teilen weiterentwickelt wurde, wieder
auf. 1202 war die als „oppidum" bezeichnete Stadt an den Pfalzgrafen Hein-
rich, den ältesten Sohn Heinrich des Löwen, gefallen. Westlich der Leine setzte
zwischen 1208 und 1215 mit der von den Grafen von Roden als stärkste Be-
festigung ihres Einflußbereiches erbauten Burg Lauenrode die mittelalterliche
Besiedlung ein. Zugehörig waren eine kleine Siedlung zwischen Burg und Leine-
knie („Brühl") und die Burgmannshöfe im Südwesten.
Die Stadt wuchs im 13. Jh. stark. 1241 wurden ihre Rechte durch Herzog Otto
das Kind von Braunschweig-Lüneburg, der Hannover von den Grafen von Ro-
den erworben hatte, bestätigt. Eine durch Türme befestigte Stadtmauer löste
seit der 2. Hälfte des 13. Jh. bis zur Mitte des 14. Jh. die Graben-Palisadenwall-
Befestigung ab. Seit der Mitte des 14. Jh. verstärkte man die Befestigung durch
die Anlage einer Landwehr im Vorfeld der Stadt, die insbesondere infolge des
Lüneburger Erbfolgestreites 1369—88 stark ausgebaut wurde. Die Burg Lauen-
rode wurde 1371 aufgrund des im Lüneburger Erbfolgestreites geschlossenen
Bündnisses der Stadt Hannover von dem askanischen Herzog Albrecht übereig-
net und abgebrochen. Gleichzeitig wurden die städtischen Privilegien und die
Nutzungs- und Eigentumsrechte am Stadtwald Eilenriede bestätigt.
Die Blütezeit der selbstbestimmten Bürgerstadt vom 14. bis zum 16. Jh., von
der heute noch wenige Großbauten künden, wurde nur kurz durch die mit der

13
loading ...