Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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Plan der Stadt Hannover, Anfang 19. JhAusschnitt, Landesbibliothek, Mappe XIX C, Nr. 77


Bultstraße, Eisenbahnbrücke, um 1910


Stadtstraße, Lokschuppen, um 1890


Seligmannallee 1,2, Schlachthof, Eingangsbauten, 1881, Architekt Hecht


07 BULT

Der Stadtteil Bult wird im Westen und Nor-
den durch die Bahnlinien nach Kassel und
Braunschweig, im Osten und Süden durch
die Eilenriede begrenzt.
Die Ausdehnung des Gebietes entspricht in
etwa der früheren Gemarkung „Große Bult".
Die Erschließung des Stadtteils erfolgte erst
relativ spät in der 2. Hälfte des 19. Jh. Der
hohe Grundwasserstand der feuchten Wie-
senlandschaft hatte eine raschere Besiedlung
bis zu dieser Zeit verhindert. Seit dem aus-
gehenden 18. Jh. siedelten lediglich einige
Gärtner auf den höher gelegenen Bereichen.
Erst mit dem Bau der Eisenbahnlinien nach
Braunschweig (1843) und Kassel (1853) und
deren Höherlegung seit den neunziger Jahren
begann der entscheidende Abschnitt der Er-
schließung des Gebietes.
Dieser Zeit entstammt der um 1890 im Zu-
sammenhang mit der Errichtung des Ausbes-
serungswerkes entstandene Lokschuppen an
der Stadtstraße. Die halbkreisförmige Halle
wurde bereits kurze Zeit später um eine wei-
tere viertelkreisförmige Anlage erweitert.
Der sich in die Kurve Stadtstraße/Bultstraße
einfügende Backsteinbau wird durch flache
Lisenen und Rundbogenfenster gegliedert
und durch ein Attikageschoß abgeschlossen.
Im Zusammenhang mit dem Lokschuppen
sei die daneben liegende, um 1910 errichtete
Brücke über die Bultstraße und die der Plath-
nerstraße als weiteres Zeugnis des hannover-
schen Eisenbahnbaus erwähnt.
ZWISCHEN BISCHOFSHOLER
DAMM UND HANS-BÖCKLER-
ALLEE
Durch den Bischofsholer Damm und die
Hans-Böckler-Allee erfolgt die verkehrsmä-
ßige Haupterschließung des Stadtteils. Beide
Straßen sind gleichzeitig die historisch frühe-
sten Verbindungswege in der Bult: Die Hans-
Böckler-Allee verband als Misburger Damm
die Stadt Hannover mit dem östlichen Vor-
ort Misburg. Auf Plänen des 18. Jh. sind
noch beidseitig der Straße Gartengrund-
stücke mit einem regelmäßigen Parzellen-
raster vorhanden.
Der Bischofsholer Damm führte zu dem
1461 errichteten Landwehrturm „Landwer
tom Bischoppes Holt", bei dem später eine
Gastwirtschaft errichtet wurde.
Auf Grund der günstigen Bedingungen des
Eisenbahnanschlusses und der Straßenverbin-
dungen entstand als eine der frühesten An-
siedlungen in diesem Bereich der 1881 fer-
tiggestellte „Central-Schlacht- und Viehhof".
Der Planung vom Architekten Theodor
Hecht war eine Besichtigungsreise der Bau-
kommission in mehreren europäischen Städ-
ten vorausgegangen.
Der Schlachthof wurde schließlich weitge-
hend nach französischem Vorbild errichtet,
d.h. die „offene Form", durch Gänge
und schmale Höfe getrennte Hallen, prägte
den Gesamtkomplex.
Die sich bis 1965 in Betrieb befindende An-
lage wurde in den Folgejahren durch Gebäu-
deabbrüche in ihrem Bestand erheblich ver-

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