Ness, Wolfgang [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

Seite: 109
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Angestellte usw.) bestimmt. Es handelt sich
um dreigeschossige,aneinandergereihte Miet-
häuser mit zwei Wohnungen je Etage und
großzügig ausgebauten Dachgeschossen.
Die kurz vor und um 1900 entstandenen
Eckbauten Callinstraße 6, Schneiderberg 7
und Glünderstraße 10 sowie der in der west-
lichen Straßenkrümmung hervorgehobene
Bau Glünderstraße 11 unterscheiden sich
durch ihr Fassadendekor zum Teil beträcht-
lich von den später entstandenen Bauten,
ohne jedoch den Gesamteindruck der Ge-
schlossenheit zu stören. Während der Dekor
der früheren Bauten noch stark an den histo-
risierenden Formen der Renaissance und der
Gotik orientiert ist, verbinden sich im Dekor
der nach 1900 entstandenen Hausfassaden
barockisierende Elemente mit denen des Ju-
gendstils. Plastische Fenstereinfassungen und
-bekrönungen, üppig dekorierte Giebelfelder
und Portalverdachungen stehen flächigen
und sparsam ornamentierten Putzflächen ge-
genüber.
Charakteristisch für die Fassadengestaltung
sind die symmetrisch angelegten risalitarti-
gen Vorbauten. Sie befinden sich jeweils seit-
lich der Mittelachse und sind durch die Tür-

überdachungen miteinander verbunden, so
daß die Erdgeschosse sockelartige Wirkung
erhalten und teilweise durch Quaderputz,
Klinkerverkleidung oder abteilende Gesimse
auch als solche ausgebildet sind.
Diese Vorbauten bilden bei beiden Straßen-
zeilen vertikale Gliederungselemente, die
deutlich machen, daß die gesamte Straße
als Planungseinheit begriffen und entworfen
wurde. Dieser Eindruck wird unterstützt
durch die einheitliche Gestaltung der Dach-
zone vorwiegend mit Mansarddächern und
variierenden Dachausbauten, die zu einem
abwechslungsreichen Straßenbild beiträgt.
Ein weiteres einheitsstiftendes Merkmal und
wesentlicher Bestandteil sind die Vorgärten
mit den Eisengitterumzäunungen.
Zu den Häusern der östlichen Straßenseite
gehören jeweils zwei Hinterhäuser, die einen
geräumigen Hof umschließen. Die Fassaden
dieser Hinterhäuser sind in Putz oder Ziegel
gestaltet, eine für Hannover untypische Er-
scheinung.


Glünderstraße 10, 9, 8, 7

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Im Moore 32, um 1900

Callinstraße 8, 6, 4

DIE WOHNVIERTEL MIT
GESCHLOSSENER BEBAUUNG
ÖSTLICH DES ENGELBOSTELER
DAMMS
Das Gebiet der Nordstadt zwischen Bahnli-
nie im Osten und der Straße Schneiderberg
im Westen war um 1905 im wesentlichen in
der Bebauung abgeschlossen. Durch die un-
mittelbare Nachbarschaft des Güterbahnhofs
wurde die Fläche östlich des Engelbosteier
Damms im Zweiten Weltkrieg zu nahezu
100 % zerstört. Zum Teil ziehen sich die von
den Bombenangriffen betroffenen Gebiete
auch westlich des Engelbosteler Damms hin
(,,Blumenviertel"). In den fünfziger Jahren
wurde dieser Bereich in geschlossener Zeilen-
bauweise wiederhergestellt.
St. Marienkirche
Den Zerstörungen des Krieges fiel auch die
westlich der Bahnlinie gelegene Pfarrkirche
St. Marien (Marschnerstraße 34) mit Aus-
nahme des Turmstumpfes zum Opfer. An-
stelle des an niedersächsischen Backstein-
kirchen aus dem Ende des 14. Jh. orientier-
ten Baus, der 1886—90 durch Christoph

Schneiderberg 7/Ecke Glünderstraße 11


Marschnerstraße, Marienkirche, Westturm,
1886—90, Architekt Ch. Hehl


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