Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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Bebauungsplan Brehmstraße/Brehmhof, 1924, Architekten Elkart und Schick


Brehmstraße/Brehmhof, Blick in den Brehmhof



Robert-Koch-Platz 5—9


Robert-Koch-Platz 10, Mensa und Turnhalle der TiHo, 1929/30


des „Neuen Bauens" verwirklicht wurden.
Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende und
in den Robert-Koch-Platz einmündende
Brehmstraße ist geprägt von einer halboffe-
nen Randbebauung mit zweigeschossigen,
traufständigen Häusergruppen, die zum Teil
durch Garagen miteinander verbunden sind.
Die Putzbauten tragen ausgebaute Walm-
dächer mit Dachhäuschen und Zwerchhäu-
sern; die jeweiligen Endbauten sind teilweise
risalitartig ausgebildet. Der sparsame, ledig-
lich auf die Fenster bezogene Dekor zeigt an
einigen Gebäuden Reliefs mit wechselnden
Tierdarstellungen, die wohl auf den Benen-
ner der Straße, den Naturforscher Brehm,
Bezug nehmen.
Der Charakter dieser Wohnstraße wird ent-
scheidend mitgeprägt von den breiten Vor-
gärten und der Baumreihe auf der Südseite
des Straßenzugs. Einzelne Symmetrien in
Planung und Gestaltung tragen zur visuellen
Geschlossenheit der Gesamtanlage bei.
Die in neuer Form ausgeführte Bebauung des
Brehmhofs stellt sich gegenüber dem ur-
sprünglichen Entwurf in aufgelockerter
Form dar. Die reichlichen Grünflächen vor
den Reihenhäusern und die eingeengte Zu-
fahrt zum Platz verleihen dem öffentlichen
Straßenraum einen eher privaten Charakter.
Störend wirkt sich aus, daß die ursprüngli-
che Einheitlichkeit dieser Platzanlage durch
individuelle Veränderungen an den Einzel-
gebäuden stark gelitten hat.
Eine wesentlich offenere Platzgestaltung bie-
tet der Robert-Koch-Platz. Die mit einer
baumbestandenen Grünfläche gestaltete An-
lage ist dreiseitig von schlichten zweigeschos-
sigen Reihenhäusern mit Vorgärten umge-
ben. Die südliche Platzbegrenzung bildet die
1929/30 erbaute Turnhalle und Mensa der
Tierärztlichen Hochschule. Das von der
Preußischen Hochbauverwaltung unter Mit-
arbeit der Architekten Kassbaum und Gra-
benhorst errichtete Gebäude ist ein breit ge-
lagerter weißer Putzbau mit Flachdach,
dessen einfache aber gut proportionierte
Fassade durch den halbrunden Treppenhaus-
vorbau mit Eingangsbereich gegliedert ist.
Die im Osten des Baus liegende Turnhalle
wird durch das sich über die gesamte Hallen-
breite erstreckende Fensterband auch nach
außen erkennbar gemacht.
Aus kunsthistorischer Sicht ist das Gebäude
wohl als der herausragendste Bau des Inter-
nationalen Stils in Hannover anzusehen.
Auf Grund seiner Lage in der Blickachse der
Brehmstraße und als Randbebauung des
Robert-Koch-Platzes erhält er eine zusätz-
liche städtebauliche Bedeutung im Stadt-
teil.
Eine weitere Aufsiedlung des Gebietes zwi-
schen Bahnlinie und Bischofsholer Damm
erfolgt noch in den zwanziger und dreißiger
Jahren sowie in der Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg. Es entstanden auf dem regelmä-
ßigen Straßenraster überwiegend einfache
Ein- und Zweifamilienreihenhäuser. Die süd-
liche Bebauungsgrenze bildet noch heute die
1906 erstellte ehemalige Pferderennbahn.

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