Karlinger, Hans [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (3,1): Bezirksamt Ochsenfurt — München, 1911

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I. B.-A. Oclisenfurt.

Eine hübsche Brücke aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts führt über die
Tauber bei Tauberrettersheim. Die glückliche Begabung des unterfränkischen Spät-
barock und Rokoko, Architektur und Landschaft zu einem Bild zu gestalten, kommt
hier besonders zum Ausdruck.
Namen von Meistern, die vorwiegend bei den Rathausbauten tätig waren, sind
uns mehrere bekannt. Ein Meister Lorenz baute 1514—1515 am Ochsenfurter
Rathaus; um dieselbe Zeit waren der schon erwähnte Würzburger Dommeister
Hans Bock und Meister Hans Sparr an der Ochsenfurter Brücke tätig. 1615 —1616
arbeitet Meister Hans Berzing für das Rathaus dortselbst. In der Wende vom
17. zum 18. Jahrhundert werden in Ochsenfurt Stadtbaumeister Georg Hüter und
die domkapitelschen Baumeister Hans Platz und Georg Bayer genannt, in Eibelstadt
der domkapitelsche Baumeister Peter Zwerger, außerdem Michael Bauer und Johann
Val. Haubtmann. 1733 treffen wir Balthasar Neumann in Tauberrettersheim. 1763
baut der Würzburger Baumeister Kleinholz das Pfarrhaus in Sonderhofen.
Stadt- und Ortsbefestigungen sind in stattlicher Anzahl erhalten. Die ältesten
Reste einer Stadtbefestigung finden wir in Röttingen. Der viereckige Mauerturm an
der Nordmauer dortselbst, ehedem ein Torturm, darf wohl noch dem 13. Jahrhundert,
zugezählt werden. Seine beiden Obergeschosse sind nach der Stadtseite zu offen
und nur mit Brettern verschalt. (Eine ähnliche Anlage findet sich beim Weilertor
in Schwäbisch-Hall. [Vgl. Kunstdenkmäler des Königreichs Württemberg, Jagstkreis,
S. 536.]) Dem Ausgang des Mittelalters gehört die Stadtbefestigung in Ochsenfurt
an. Sie wurde eingehend oben S. 170 ff. beschrieben. Einfachere Befestigungen
aus derselben Zeit sind in Aub, Eibelstadt, Röttingen, Frickenhausen und Sommer-
hausen erhalten. Das geschlossenste Bild bietet Frickenhausen. Als besondere
Anlage verdient die Bachsperre in Goßmannsdorf erwähnt zu werden. Sie entstand
wohl im 17. Jahrhundert, in derselben Zeit, wo die schweren Batterietürme in Ochsen-
furt erbaut wurden. Kleinere Ortsbefestigungen sind, meist nur in Resten, in Bütt-
hart, Gaukönigshofen, Geichsheim, Goßmannsdorf, Riedenheim, Rittershausen, Sonder-
hofen, Tauberrettersheim und Winterhausen erhalten.
Hieher gehören auch die Warttürme. Wir verzeichneten solche bei Röttingen,
Bieberehren, Baldersheim, Kleinochsenfurt und Ochsenfurt. Sie entstanden ziemlich
gleichzeitig, wohl im 13. Jahrhundert. Uber ihre Bedeutung vgl. S. 195.
Der Bezirk ist ziemlich reich an hübschen Privathäusern. Die älteren, 16. bis
17. Jahrhundert, sind zumeist in Fach werk ausgeführt. Das schönste dieser Denk-
mäler ist das Bäckerhaus zu Bütthart (1623). Weitere in Aub und Ochsenfurt.
Daneben kommen schon im 16. Jahrhundert stattliche Bürgerhäuser in Stein vor, wie
der Renaissancebau von 1361 in Aub beweist. Gute Bauten des 18. Jahrhunderts
haben Ochsenfurt, besonders das Haus von 1717 in der Spitalgasse, Röttingen,
Sommerhausen, Eibelstadt und besonders Frickenhausen aufzuweisen.
Als Beispiele von Stuckierungen profaner Bauten können nur zwei Fälle ver-
zeichnet werden, in Frickenhausen und Aub. Die Stuckierungen im Knabenschul-
haus zu Frickenhausen gehören dem 17. Jahrhundert an. Bedeutend besser sind die
Stuckdekorationen im ehemaligen Schlosse zu Aub aus der Zeit um 1760, die an
Bossi erinnern.
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