Karlinger, Hans [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (3,1): Bezirksamt Ochsenfurt — München, 1911

Page: 282
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KUNSTSTATISTISCHE ÜBERSICHT.

I. BAUKUNST.
i. Kirchliche Bauten.
Denkmäler romanischer Baukunst sind in dem Bezirk zahlreich vertreten, doch
reichen die Bestände nicht über die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück und sind
zum großen Teil nur fragmentarisch erhalten.
Das älteste erhaltene Bauwerk dürfte die profanierte Lambertuskapelle in
Tückeihausen sein, eine einfache romanische Anlage mit eingezogenem quadratischen
Chor. Sie gehört der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts an.
In das Ende des 12. Jahrhunderts ist die Erbauung der ehemaligen Prämonstra-
tenserklosterkirche Tückeihausen zu setzen. Dem auf S. 261 ff. Gesagten zufolge war
sie ursprünglich mit Transept, halbrunden Seitenapsiden und gerade geschlossenem
Chorhaupt ausgestattet. Ihre Disposition schließt sich im allgemeinen an den
Würzburger Dom an, doch müßte erst eine Spezialforschung zeigen, inwieweit nicht
auch schwäbische Einflüsse in Betracht kommen. Wir verweisen hier noch einmal
auf die Bedeutung der hohenstauhschen Regierung für Oberschwaben und die an-
grenzenden fränkischen Lande. (Vgl. S. 234.)
Romanische Reste aus der Wendezeit vom 12. zum iß. Jahrhundert finden
sich in der Pfarrkirche zu Kleinochsenfurt.
Ein romanischer Zentralbau stand in Gaurettersheim.
Das bedeutendste romanische Baudenkmal des Bezirks ist die Kunigunden-
kapelle bei Burgerroth. Sie ist eingehend S. 227ff. beschrieben. Besonders sei
hier die Anlage einer Erkerapsis hervorgehoben.
Verwandte Motive begegnen am Langhaus der Pfarrkirche zu Röttingen.
Beide gehören der Zeit vor der Mitte des iß. Jahrhunderts an. Der Chor der
Röttinger Pfarrkirche weist bereits auf den Ubergangsstil. Nicht nur daß der Spitz-
bogen hier schon systematisch verwendet ist — wir finden ihn schon angedeutet
an einem Fenster der Kunigundenkapelle — die Gestaltung der Dienstsäulen und
Kapitelle hat schlankere und elegantere Formen angenommen.
Ein charakteristisches Beispiel dieses Ubergangsstiles ist in der erhaltenen
Westempore der ehemaligen Propsteikirche zu Aub vertreten. Das Gleichmaß von
Proportion und Struktur ist hier am glücklichsten erreicht. Der Bau entstand in
der zweiten Hälfte des iß. Jahrhunderts. Eine Vermischung gotischer und romanischer
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