Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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ruhige, aus dem Geiste der Architektur heraus
für diese als noble Dekoration geschaffene
Kompositionen: Werke reifer, hoher Kunst,
die nicht nur, wenn sie einmal ausgeführt
sein werden, dem Künstler, sondern auch
der an Kunstwerken gewiß nicht armen Stadt
Basel selbst Ehre bringen werden. g.

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

WIEN. Im Miethkesehen Kunstsalon hat
O. M. Miethke-Gutenecg (München)
eine Kollektiv-Ausstellung seiner überwiegend
graphischen Arbeiten veranstaltet. Ganz ab-
gesehen von den impressionistischen Natur-
studien, die ein offenes Auge für die reale
Erscheinung der Dinge zeigen, macht er es
einem schwer, seine Persönlichkeit aus dem
Vielerlei zu schälen. Denn die Zeichnungen,
aus welchen die genaue Kenntnis von Beards-
ley und Markus Behmer hervorlugt, sind in
ihrer Haltung und ihrer Tendenz gar zu ver-
schieden, als daß nicht etliches davon nur
einer launenhaften Hingabe an die modische
Dekadenz entspringen sollte. Wo sich der ein-
bekannte Frauenfreund der reinen, nicht ver-
schnörkelten und nicht mehr zwitterhaften
Linienführung befleißt, da kommt sein geläu-
tertes künstlerisches Wissen, das sich auch
in den nichtigen Tändeleien nicht verleugnen
kann, am erfreulichsten zur Geltung. — Um
dem immer regeren Interesse an der Graphik
Rechnung zu tragen, ist bei Heller nun ein
dafür geeigneter intimer Raum entsprechend
eingerichtet worden. Außer Blättern des
schon von anderen Gelegenheiten her be-
kannten L. H. Jungnickel, der sich neue- john s. sargent Italiener
stens mit Glück der Radierung zuwendet,
und des in Paris ansässigen Deutschböhmen

F. Michl gab es farbige Holzschnitte von Marie Sammlungen. Die Bilder verteilen sich auf den
Hofrichter zu sehen und Karikaturen des Ru- Zeitraum von 1873 bis 1907, und da fast aus jedem
mänen j. Pascin, gewollt nachlässig gekritzelte dieser Jahre mehrere Werke zur Ausstellung gelangt
Zoten aus dem Dunstkreis der niedrigsten Glücks- sind, gewinnt man einen Ueberblick über die Ent-
und Sinnlichkeitsabenteuer, Satiren der Gleichgültig- Wicklung des Künstlers, wie es gleich lehrreich und
keit: — Wie das Aufflackern eines Lebens, das man übersichtlich nur selten wieder sich bieten wird,
längst erloschen glaubte, berührte die Ankündigung Es überwiegen die kleinen, skizzenhaften Bilder,
des alten Oesterreichischen Kunstvereins, daß er seine daneben sind aber auch einige der bekannten großen
420. Ausstellung eröffne. Von dem, was er uns noch Hauptwerke des Künstlers vertreten, z. B. aus früher
zu bieten weiß, ist wenig zu sagen, insofern es Zeit das Stilleben mit dem Selbstporträt (1873), das
moderne Kunst betrifft, denn bisher konnte er bloß Rübenfeld und die Geschwister (1876), aus späterer
den Steirer Alois Penz, der an Pariser und Dachauer Zeit derschreitende Bauerdes KönigsbergerMuseums
Vorbildern sich geschult hat, zur Anerkennung und eine Anzahl der Bildnisse aus den letzten Jahren,
bringen. Ein Stück Alt-Wien ist wieder ans Tages- darunter die beiden neuesten Porträts des Künstlers
licht gerufen worden, als die Bilder von der Hand von Herren aus der Berliner Finanzwelt. Unter den
Adalbert Stifters aus Privatgalerien zum Vor- ausgestellten Aquarellen und Pastellen sei besonders
schein kamen. An seinen Dichterruhm reichen diese das schöne Porträt Gerhard Hauptmanns genannt,
seine Werke nicht hinan, doch wird es sich immer- Dazu kommen 50 Zeichnungen des Künstlers, zu-
hin verlohnen, gelegentlich eingehend bei ihnen zu meist Kohle und Kreide, die in einem besonderen
verweilen. Karl m. Kuzmany Räume ausgestellt sind und eine nahezu vollständige

Sammlung des graphischen Werkes, der Radierun-

FRANKFURT a. M. Der Kunstverein hat aus An- gen, Kaltnadelarbeiten und Lithographien Lieber-
laß des 60. Geburtstages von Max Liebermann manns. Für das Zustandekommen der Ausstellung
eine Ausstellung von Werken des Meisters veran- darf man dem Kunstverein aufrichtig dankbar sein,
staltet. Die ganzen Räume des Vereins sind der G-
Ausstellung gewidmet, die gegen 100 Nummern um- CTUTTGART. Wie alljährlich, so ist auch in diesem
faßt und jedenfalls an Umfang alle früheren Kollek- ^ Jahre anfangs September der Württembergische
tivausstellungen Liebermanns übertrifft. In den Kunstverein nach längerer Pause wieder eröffnet
beiden Hauptsälen sind 65 Gemälde vereinigt, die worden. Es ist dies durch eine Ausstellung ge-
hauptsächlich aus Berliner und Frankfurter Privat- schehen, die im wesentlichen Werke von Heinrich
besitz geliehen sind, einiges auch aus öffentlichen Hermanns, E. Spiro, R. Wimmer, O. H. Engel,

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