Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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-^4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^^~

lebensgroße Figuren im Gemälde werden stets die paar Blätter, die hier von E. Heilemann, Jütt-

aus dem Wohnzimmer eine Galerie machen. ?er u.a. ausgestellt sind zeigen deutlich die ganz an-

. w, • • ■ dere Richtung, in der die deutsche Wnzillustration

Das Bild an der Wand ist einmal etwas Re- „ach Inhalt und künstlerischer Tendenz sich bewegt;

latives. Und weil das der Fall ist, wird einen Thöny haben die Pariser nicht, nach dem Typus

es für den Bewohner stets etwas Erfrischen- Th- Th- Heine wird man ebenso vergeblich suchen.

. ,__i___ _____ j. „ . Es ist erfreulich, konstatieren zu können, daß wir

des haben, wenn die Bilder von Zeit zu auf eigenen Bahnen wandeln - womit natürlich den

Zeit gewechselt werden. Eine neue Frisur Franzosen kein absprechendes Urteil gefällt werden

der Frau erfreut den Mann ja auch; nicht soll. Frankreich zeigt, daß sein Ruhm als des

weil er sich nun einbildet, eine neue Frau zu klassischen Landes des Schick und des Witzes nicht

, ., > <r .. verdunkelt ist.

haben, sondern weil es ihm Vergnügen be- Natürlich bewegen sich etwa drei Viertel der
reitet, in der neuen Form die alten vertrauten ausgestellten Werke in der Sphäre des ewig Weib-
Züge wieder zu suchen, und weil er sich liehen, vielfach auch des allzu Weiblichen. Wir
dessen, was ihn zu ebendiesen Zügen stets si"d )a au* deutschen Blättern dieses Genre auch
. , ... . t- . o schon zur Genüge gewohnt, um da noch besonders
wieder hinzieht, in der neuen Fassung bewußt rot zu werden> wenn gleich einige Stücke doch etwas
wird und die Erkenntnis als Glück empfindet. stark über den Rahmen dessen hinausgehen, was
Man wird stets finden, daß ein lebhaftes Ge- für eine breitere Veröffentlichung möglich erscheint,
fühl entsteht, wenn der Blick ins Zimmer Eine detaillierte Würdigung würde aus der Fülle
„ . X • p c ■ • j i-, des Gebotenen (das übrigens leider recht unuber-
von Zeit zu Zeit aufgefrischt wird. Das laßt sichtlich gehängt ist) eine ganze Zahl guter Namen
sich ja sehr leicht machen. Zuweilen tut es herausschälen können; ganz überragende Talente,
schon ein Umhängen der Bilder. Oder man die das Gros völlig in Schatten zu stellen ver-
kann die Stiche und Gravüren in ihren Rah- möchten, gibt es kaum darunter.

, , „ r ... , ... . . Durch eine gute Serie ist die Kunst von Fernand

men auswechseln, wozu es freilich notig ist, Bac repräsentfert, der noch hie und da den Einfluß

daß die Rahmen danach eingerichtet sind. der alten Schule (bis auf Daumier zurück) stark
Oder man kann durch Tausch
und Kauf kleine Neuerwer-
bungen machen, die zu einer
Quelle der Freude werden.

VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN

DERLIN. Ergötzlich und auf-
heiternd wirkt die neue Aus-
stellung der Secession, nachdem
der konfuse Wirrwarr, der sich
- Ausstellung von Antiquitäten
und Kunstwerken« oder so ähn-
lich nannte, aus ihren Räumen,
die man für zu gut zu derartigen
Experimenten halten sollte, ver-
schwunden ist. Durch Vermitte-
lung des Verlags der -Lustigen
Blätter« ist jetzt dort die heitere
leichte Kunst, die pikante Muse
des Pariser >Salon der Humo-
ristern eingezogen. Ein dan-
kenswertes Unternehmen, da
die französische Karikatur und
Witzillustration viel zu wenig
in Deutschland bekannt ist. Nur
schade, daß außer einigen in
einem Saale vereinigten Zeich-
nern der Lustigen Blätter keine
anderen deutschen Zeichner da-
neben zu Worte kommen: gerade
die Konfrontation der Deutschen
mit den westlichen Nachbarn
wäre lehrreich gewesen; erst so
hätte man die besonderen natio-
nalen Werte derbeiden Gruppen
richtig abschätzen gelernt und
die beiderseitigen Vorzügedeut- fritz burger siesta

licher wahrgenommen. S ' 1 Deutsche Kunstausstellung, Köln

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