Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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oder Tiere male, und so gab ich mich denn VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

unverdrossen daran. Der Graf drückte un-
verhohlen seine Befriedigung aus, ja sein Stau-
nen, daß ich den Charakter und die eigen- riERLIN. Die Quellen fließen spärlicher, aber in
tümliche Farbe so treffen könne" etc. etc. D gleichem Maße scheint auch in der Junihitze der

Durst nach Kunst zu versiegen. Die Kunstsalons
liegen verödet, das Publikum kontrolliert bereits an
Ort und Stelle, ob die und die Landschaft nun auch
GEDANKEN UBER KUNST wirklich >getroffen< ist. Doch auch die Ueberleben-

. , „ , . .. , „ • , ., den bekommen noch manche unerwartete Freude zu

„Ich finde es impertinent, daß ein anderer weil ießen _ allerdings neben vielem das woh, nur

er ein paar Taler zu vergeben hat mir sagen kann, |jner issen Ferienstimmung seinen Aufenthalt in

jetzt machst da das und das laßt du sein." Schwind den G6alerien verdankt. So hat das Künstlerhaus einer

* ganzen Anzahl von Bildern ein Asvl gewährt, denen
Erst wenn man ein Bild genau angesehen hat, man Heber ein stilles, unbeobachtetes Dasein in den

kann man anfangen, es in Gedanken mit anderen vjer Wänden ihres Geburtszimmers gönnen würde,

Bildern zu vergleichen. Aus diesen Vergleichen aber Doch entschädigen andere Werke für diese Baisse,

erst entsteht der Anfang eines Kunsturteils. Nichts so einige recht gute Porträts von Fritz Burger,

ist unfeiner als die Schnelligkeit, mit der viele Be- bej denen nur an der etwas gesucht originellen An-

schauer über die Arbeit und das Träumen der Kunst- Ordnung etwas auszusetzen wäre. Von Kayser-Eich-

Xer herziehen, als würden sie selbst es in einer hal- rerg sind einige feine, durch die Art der Silhouetten-

ben Stunde besser machen, — wenn sie nur eben führung gut charakterisierte Landschaften da, und von

gerade Maler wären. Alles Ansehen braucht Zeit, Hans Licht prächtige, von blauem Mondlicht durch-

aber diese Zeit verlohnt sich, denn sie vergrößert flutete Nachtstimmungen. Ein Herrenporträt von

die Welt, in der wir leben. Friedrich Naumann Schulte im Hofe, ein Damenbildnis von Georg

* Ludwig Meyn, sowie Landschaften von Otto H.
„Wer es weit bringen will in der Malerei, muß Engel seien weiter erwähnt. Neben einigen wackeren

arbeiten, ob es ihn freut oder nicht. Morgens, mit- Plastiken von M. Schauss (Kinderporträts) und von
tags und abends, bis in die Nacht hinein; denn es Wilhelm Rex (Taube und Affen) sind wohl die besten
ist kein Spiel, sondern harte Arbeit, die er zu trei- Werke dieser Ausstellung überhaupt die Bronzen
ben hat.'( Reynolds von Herm. Joach. Pagels, besonders ein ganz ein-

fach bewegter aber sehr ausdrucksvoller
>Diskuswerfer< und eine > Arbeitergruppe«,
vor eine Walze gespannt, von Meunierscher
Wucht und eindrucksvollsterCharakteristik.

Aus der Reihe der Künstler, die bei
Keller & Reiner ausgestellt haben (es sind
gute darunter, E. R. Weiß, Curt Hermann),
möchte ich nur einen herausheben, der mit
zwei kleinen Bildern vertreten ist: C. M.
Rebel. *Mänaden< und »Aphrodite« sind
die beiden Werke betitelt, die ein stark aus-
geprägtes Talent, aber ein fast zu scharf
gebändigtes Temperament verraten. Wenn
man will, findet man Anklänge an Böcklin,
vielleicht auch an Unger, aber trotzdem hat
man den bestimmten Eindruck, daß der
Künstler seine Vorwürfe eigen und tief
durchgefühlt, und um die konkreteste Aus-
drucksmöglichkeit mit aller Kraft gerungen
hat. Man möchte solchen Bildern häufiger
begegnen! Bei Schulte sind Landschaften
des verstorbenen Adolf Stäbli (in diesen
Blättern schon vor kurzem besprochen), so-
wie eine große Kollektion von Werken des
in München tätigen Engländers Charles
Tooby ausgestellt. Tooby scheint das
Schwergewicht seinerTätigkeit auf das Tier-
bild gelegt zu haben; ich kann seinen Tieren
jedoch weniger abgewinnen als seinen Land-
schaften, die oftmals einen sehr feinen Stim-
mungsgehalt erkennen lassen. Von den
übrigen Malern, die bei Schulte alle mit
einer ganzen Reihe von Werken vertreten
sind, seien genannt Fritz A. Pfuhle (Ber-
lin), der Interieurs und Porträts auf ganz
delikate Farben zu stimmen weiß (man denkt
unwillkürlich an Hammershöi), Carl Arp,
dessen gut beobachtete Winterlandschaften
aus dem Engadin als Symphonien in Blau
und Weiß sich darstellen, dem es aber noch
lovis corinth das Strumpfband (1907) nicht gelungen ist, die tektonische Struktur

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