Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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AUS DER WERKSTATT EINES KUNSTLERS

Wilhelm Porte hat in seinen „Erinnerungen schließenden Kunst des Hans von Marees
an Karl von Pidoll" den Wunsch aus- suchen. Pidoll ist der berufenste Führer zu
gesprochen, das leider viel zu wenig bekannt Marees. Von den Schülern des Meisters ist
gewordene, nur für einen engen Freundeskreis er jener, dersich ihm am engsten angeschlossen
gedruckte Büchlein Pidolls „Aus der Werk- hat und der die stärkste Geistesverwandtschaft
statt eines Künstlers, Erinnerungen an Hans mit ihm aufweist. Pidoll kam nicht als junger,
von Marees" möge durch einen Neudruck und rasch entflammter Begeisterter zu Marees. Er
durch Uebergabe in den Buchhandel allgemein hatte schon ein gutes Stück seines Lebens-
zugänglich gemacht werden. Dieser Wunsch weges hinter sich. Er hatte als österreichischer
ist jetzt erfüllt. Der Neudruck der kleinen Offizier seine Laufbahn begonnen und war bei
bedeutungsvollen Schrift ist 1908 bei V. Bück Custozza im Feuer gestanden; später war er
in Luxemburg erschienen, dankbar begrüßt von zum Hauptmann im Großen Generalstab avan-
allen denen, die einen zuverlässigen Führer eiert und als solcher—mit der festen Absicht,
zu der komplizierten, nur schwer sich er- Maler zu werden — zur Reserve übergetreten.

7T~^ ; „., „.._,, . Böcklin gewann er in Florenz zum Lehrer, auf

*) Karl von Pidoll, »Aus der Werkstatt eines . r> . ,
Künstlers., Erinnerungen an Hans von Marees. seinen Rat besuchte er nie eine Akademie. Von
Luxemburg 190S, Verlag von V. Bück. M. 2.50. Böcklin führte ihn sein Weg zu Marees, und

da hatte er gefunden, was er suchte.
Daß Marees ein wahrhaft idealer
Lehrer gewesen sein muß, das lehrt
uns das Büchlein, denn Pidoll be-
handelt darin nicht nur seines Mei-
sters freischöpferische, sondern
auch dessen lehrende Tätigkeit. Pi-
doll darf auch als Künstler einen
Platz in der Nähe seines Lehrers
beanspruchen. Zwar fehlt seinem
Werk jene glühende innere Not-
wendigkeit, die aus dem Schaffen
Marees' spricht, zwar ist er von
seinem Meister durchaus abhängig,
aber er ist auch erfüllt von dessen
Geist und sicherlich der berufenste
Träger des künstlerischen Erbes
von Marees. So ist es auch keine
Anmaßung, daß er in seinem Te-
stament bestimmte, seine Werke
sollten neben denen seines Lehrers
aufgestellt werden. In einem Pa-
villon des Schleißheimer Galerie-
schlosses sind nun die Gemälde des
Lehrers und des Schülers vereinigt.
Konrad Fiedler war nach Marees'
Tod (S.Juni 1887) in den Besitz von
dessen Nachlaß gekommen und
hatte den reichen Schatz dem bayeri-
schen Staat geschenkt, als er die
rechte Zeit für das Verständnis der
Mareesschen Kunst gekommen
hielt. Im stillen Schleißheim wur-
den die Tafeln aufgestellt, abseits
vom Strom des rasch zugreifenden
viktor tilgner goethe Kunstpublikums. Der sogenannten

Jubiläumsausstellung im wiener Künstlerhaus „ Popularisierung" des Meisters mag

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