Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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Ernst Barlach im vergangenen Sommer ausstellte, belebt werden, wobei Max von Poosch schon zu
ist eine ebenso gute, ebenso keramisch gedachte schöner Ausgeglichenheit gelangt ist und Othmar
Bettlerin hinzugekommen. Als ein entschiedener Ruzicka eine ungewöhnliche Frische sich bewahrt
Mißgriff aber ist es anzusehen, wenn der Künstler hat; Landschafter wie Josef Baschek, L. H.Jung-
nun seine Zeichnungen und Bronzen in genau der- nickel und EMANUEI Baschny können selbst in
selben Weise stilisiert. Es gibt doch noch Gesetze, der großen Menge nicht unbemerkt bleiben. Welch
die von den Materialien diktiert werden. Zum Schluß ein Talent die Wiener Künstlerschaft durch den Hin-
möchte ich mir noch die Bemerkung erlauben, daß gang von Charles Wilda aus ihren Reihen ver-
man wohl — ohne seiner Vorurteilslosigkeit etwas loren hat, ruft die Gesamtausstellung seiner Werke
zu vergeben — gut daran täte, wenn man allzu in Erinnerung. Das Robuste war nicht seine Sache,
offenkundige Perversitäten von öffentlichen Ausstel- vielmehr zog es ihn zu einer Verfeinerung der ge-
lungen fernhielte. Robert Schmidt schauten Dinge, und es ist nur logisch, daß Wilda

den Oelgemälden aus dem Orient, deren Farben oft
aquarellistisch durchsichtig sind, Märchenbilder fol-
WIENER AUSSTELLUNGEN gen ließ, Phantasiestücke vornehmer Art nach ge-

gebenen Stoffen. Zwei in Paris tätigen Künstlern sind
W/1EN. Der Herbstausstellung im Künstlerhaus Ehrenplätze eingeräumt worden, den PolenJ an Styka
W soll es nicht unter namentlicher Autzählung und Tade Styka, Vater und Sohn ;dieser,erstsiebzen-
angekreidet werden, daß sie, wie so manche ihrer jährig, scheint durch Noblesse der Auffassung über
Vorgängerinnen, viel unzulässigMinderwertigesneben jenen hinauswachsen zu wollen, es ist in seinen Por-
tüchtigen Leistungenbringt. DerRegenerationsprozeß träts und in einem >gefesselten Prometheuse neben
gehtebennurlangsamvonstatten,obwohldenjüngeren dem Konventionellen aus der Schule Henners doch
Kräften ein weiter Spielraum gelassen ist, auf dem schon ein eigener Wille zu spüren. Die Graphik muß
sie sich fleißig tummeln. Unter den Porträtisten auf dieser Ausstellung in einem Winkel die nächstens
nehmen da John Qu. Adams und W. V. Krausz ihr gebotene Gelegenheit zu größerer Entfaltung ab-
eine führende Stellung ein, das Genrebild soll auf warten, die Plastik zeichnet sich bloß in dem Holz-
der Suche nach der Lösung farbiger Probleme neu Schnitzer Franz Zelezny aus. Von Friedrich

Ohmann, dem vielseitigen Architek-
ten, soll an anderer Stelle noch die
Rede sein. — Im Hagenbund domi-
niert Heinrich Zügel (München),
dessen Bedeutung diese Zeitschrift
vor nicht langer Zeit so ausführlich
dargelegt hat, daß kaum mehr etwas
zu sagen übrig bleibt. In den fünf
Sälen und Kabinetten hier kann man
einen künstlerischen Entwicklungs-
gang verfolgen, von dem man wünscht,
er möge der jüngeren Generation als
ein mächtiges Beispiel ernstester Ar-
beit dienen. Neben einer solchen
Meisterschaft erscheinen die kleinen
Tierplastiken von Willy Zügel un-
frei und mehr in der Absicht befan-
gen, als sie es in einer andern Um-
gebung wären. Dagegen behauptet
sich der Bildhauer Georg Wrba
(Dresden) auf einer Höhe, wo ihm
Carpeaux und Hildebrand vorbildlich
gewesen sind, durchaus ein männlich
durchgeistigter Künstler, der keine
Nebenzwecke außerhalb der rein zur
Anschauung gebrachten Form kennt.
Vettore Zanetti-Zilla (Venedig)
hat gewiß von den Ausländern ge-
lernt, die alle zwei Jahre die inter-
nationalen Ausstellungen seiner Hei-
matstadt beschicken. Doch ist es
nicht allein seinem technischen Ver-
fahren, das nach alten Rezepten Tem-
perafarben gründlich anwendet, zuzu-
schreiben, daß er trotz den Anklängen
an Brangwyn u. a. m. sich selbständig
bewährt. Den Zauber der Lagunen,
wenn über dem dunklen Wasser die
Häuser in der Abendsonne erglühen,
die Ruhe der im Hafen verankerten
weißen Dreimaster, die Ausfahrteines
bunten Seglers weiß er in durchaus
besonderer Weise zu schildern, deko-
rativ bei aller naturnahen Stimmung,
otto lessing adam monumental bei aller herzlichen Teil-

//. Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin nahm? am Gegenstand. — In der

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