Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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dorf in Frankfurter Privatbesitz übergegangen. VON SLAVISCHER KUNST
Im selben Jahre entstand der „Christus auf dem

Meere" (Abb. Jahrg. 1901 2, S. 554), den Korn- |m Mai wurde in Agram die dritte südslavische

merzienrat Giradet vor kurzem dem städti- f Kunstausstellung des Vereines .Lad«« eröffnet.

... . _ , .An der Ausstellung nahmen 21 kroatische, 13 ser-

schen Museum in Essen geschenkt hat; eine bische) 25 bulgarische und 7 slovenische Künstler

Studie dazu besitzt der bekannte Düsseldorfer teil; darunter sieben Bildhauer, die übrigen Maler. —

Kunstfreund und Sammler Prof. Georg Oeder, Unter den bisherigen südslavischen Kunstausstel-

in dessen vornehmer Galerie zahlreiche - lu.n8e" Präsentiert sich die diesjährige am euro-

, . , _ paischsten; sie wurde schon äußerlich einer jeden

und zwar die schönsten — Studien Gebhardts der bekannten Kunststätten Europas zu Gesichte

zu finden sind. stehen. In der Mitte der vom Architekten Kovacic

Aber erst nach Erledigung der Arbeiten in geschmackvoll ausgestatteten Ausstellungsräume,

der Friedenskirche fand der Meister die Muße, untej; d«r KuPPel,> w"rd^" ,die Skulpturen unterge-
. , . . . , . _ _..... ' bracht. Den Mittelpunkt bildet hier die große Bronze-

sich mit ganzer Kraft wieder im Staffeleibilde statuC; der , Kampf: betitelt (F;scher mit Schlange,

zu betätigen. Seit 1906 sind verschiedene Entwurf für einen Brunnen), vom serbischen Bild-
Frauengestalten entstanden, zu deren Köpf- hauerSiMA Roksandic. Den Löwenanteil an Skulp-
chen er mit unendlicher Liebe dem leisen turen lieferten auch m diesem Jahr der Kroate Fran-
. r , . , . , , ~ ges und der Serbe Gjoka Jovanovic, beide heute
Aufundab der bewegten Flachen des Ge- wohl die hervorragendsten Vertreter ihres Kunst-
sichtes nachgegangen ist. Die Düsseldorfer zweiges unter den Südslaven; es seien hier nur
Ausstellung von 1907 zierte ein „Johannes die bronzene »Flucht nach Aegypten' des ersteren

im Kerker" (Abb. Jahrg. 1907/8, S. 86), es "nd Jovanovies neu.ites ,Werk >Die Trauer<> aus
c . , , _. . T , „ Marmor, herausgegriffen, ferner ein anmutig entwor-

folgte der „Tod des Lazarus" aus der Samm- fener Kinderkopf £ Marmor des einzigen hier aus-

lung Oeder. Das letzte vollendete Werk stellenden bulgarischen Bildhauers Nikolow, und
„Der verlorene Sohn" (Abb.
S. 435) macht gegenwärtig auf
der Berliner Kunstausstellung
berechtigtes Aufsehen und schon
hat der Meister ein neues Bild
„Christus bei Maria und Martha"
begonnen, das ebenfalls eine
Perle Gebhardtscher Charakteri-
sierungskunst zu werden ver-
spricht.

So schafft der Meister mit unge-
brochener Kraft weiter, — möch-
ten seinem rastlosen Schaffen
noch viele segenbringende Jahre
beschert sein, ihm zurFreudeund
der deutschen Kunst zum Heile.

„Man hat oft die Frage an mich
gerichtet, warum ich denn die bibli-
schen Bilder in altdeutschem Kostüm
male; ja wie denn? Sollte ich etwa
weiter malen wie die Nazarener? An-
fangsdachte ich auch nicht anders,aber
meinen hausbackenenMenschen wollten
die konventionellen Gewänder partout
nicht passen. Ja, sagten die klugen
Menschen, ich sollte es doch so malen,
wie es gewesen ist, es ist doch im
Orient passiert, das ist doch ein
Anachronismus, den ich begehe. Merk-
würdig! Noch nie hat ein Mensch es
zustande gebracht, in der Form des
Orientbildes ein andächtiges Bild zu
malen, warum verlangt man denn das
von mir? Malen wir denn nicht als

Deutsche für Deutsche?" Eduard von Gebhardt heimführung

Eduard von Gebhardt Photographieverlag von Franz Hanfstaengl, München

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