Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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DIE KAISERHULDIGUNG IM
WIENER HAGENBUND

International in ihrem Oesterreichertum, — anders
^ wüßte ich diese Ausstellung von denen der Secession
und des Künstlerhauses, die selbst mannigfaltig ge-
stimmt und dabei vollzählig ihr vorausgingen, doch
nicht zu unterscheiden. Dabei kommt, wie gleich
bemerkt sei, das im besondern Wienerische keines-
wegs zu kurz; gefällige Pracht und angenehme Heim-
lichkeit empfangen einen, bevor man zu den Räumen
gelangt, in denen die polnische »Sztuka« und der
tschechische »Manes« sich eingerichtet haben. Der
Hagenbund sieht in seinen Reihen ein fortwährendes
Kommen und Gehen von Mitgliedern, wodurch er,
mitunter ins Schwanken gebracht, der Gefahr des
Erstarrens nicht ausgesetzt ist. Und jetzt hat er
sich, ungeachtet jener Gäste, durch die Fortschritte
einiger seiner Getreuen erstarkt gezeigt, dabei seine
eigene Prägung bewahrend. Umwälzendes wurde
hier niemals geplant, so oft auch Architekt Joseph
Urban neue Grundrisseund dekorative Anpassungen
ersann. Diesmal haben ihn Oskar Laske, Alfred
Keller und Franz Polzer darin unterstützt, durch
das Drum und Dran aller Kunstgewerbe für die
Bilder und Skulpturen den ihnen gemäßen Rahmen

ariste maillol bronze

Ausstellung der Berliner Secession

zu gestalten. Der Huldigungsraum bildet an und
für sich das bedeutendste Ausstellungsobjekt; vor
einer Wand aus dunkelgoldenem Glasmosaik, in
dessen Feldern »Krieg« und »Frieden« allegorisiert
sind, beherrscht über schwarzen Marmorstufen das
Kaisermonument den Saal. Blank vergoldet glänzen
die Kolossalherme des Kaisers und davor zwei
Löwen, sehr kräftig in der Wirkung, denn Franz
Barwig hat die Gruppe in seiner kühnen Manier
aus Holz geschnitzt, die alles Runde durch gerade
Kanten und tiefe Ecken schattiert. Die seitlichen
dekorativen Reliefs, Festonträger von Karl Stemo-
lak, sind in der Art Meuniers stilisiert und lassen
in der reichen Umgebung das Material, Sandstein,
etwas gröblich empfinden. Vom Vorraum aus ge-
sehen, über ein Ziergitter aus getriebenem Messing
hinaus, kommt die Harmonie des Ganzen am besten
zur Geltung, zumal dort nur ruhige Plastiken, dar-
unter die vortrefflichen Porträtbüsten von Joseph
Heu, den Besucher empfangen. Ebenso wie die
Architekten und Bildhauer haben auch die Maler
außerordentliche Anstrengungen gemacht. Schon
durch das Format eines Panneau fällt Karl Huck
auf; sein »Erwachen« läßt in den sieben Geiern,
die sich im Frührot des Hochgebirges recken, nichts
an Größe der Formgebung vermissen, bei genauestem
Naturstudium. j. V. Krämer ('Christus und Mag-
dalena am Morgen der Auferstehung im Garten vor
dem Grabe<) ist zu dem früher von ihm behandelten
Stoffkreis zurückgekehrt am glücklichsten in der
glühenden Landschaft. August Roth befreit sich
immer mehr von den vorwiegend blauen Tönen
seiner auf dem Divisionismus beruhenden Technik;
weniger im >Es ist vollbracht!«, dem seelisch ohne
Verhimmelung vertieften Antlitz des Gekreuzigten,
als in der von all dem bunten Paradiesesgetier um-
gebenen »Eva«. Naturandächtig stimmt die reife
Frauengestalt von A. D. Goltz (»Herbst«), die man
Feuerbachisch, in moderner Anschauung gemalt
nennen möchte; weiter zurück, auf Waldmüller, greift
ein genau durchgeführtes Damenbildnis von Viktor
Hammer. Viel feiner als sonst, prickelnd in der
Vortragsweise auch des Interieurs, ist Ludwig Kuba,
der meisterlich nuancierende, in einem Doppel-
porträt des tschechischen Dichters Machar unddessen
Gemahlin. In dem Bildnis zweier Kinder schreckt
L. F. Graf nicht davor zurück, aus den unver-
mischten Farben die äußersten Folgerungen zu ziehen,
ein Wagemut, der sich in dem »Schwimmbad« besser
belohnt, denn hier sind die Bäume des Parks, das
Wasser, die Körper der Knaben in das sie alle um-
spielende Element des Sonnenlichts ohne Ueber-
treibung, wahrheitsgetreu aufgegangen. Ueber die
Talentproben von Wodnansky, Dorsch (Dresden),
Vacatko (Prag), Brünauer (München), Uziemblo,
der von seiner Studienreise nach London und Paris
berichtet, über die Landschaften von Raoul Frank,
Paul Ress (»Moserboden«), G. Bamberger, von
den in München ansäßigen R. Sieck, Otto Bauriedl,
von Barth (»Bergführer«) u. a. m. ist schon wieder-
holt gesprochen worden. So genügt auch der bloße
Hinweis auf die bekannten, miniaturfeinen Tempera-
malereien von Walter Hampel, der mit den Ein-
fällen ebensowenig geizt wie Heinrich Lefler und
j. Urban, wenn sie in durchsichtigen Aquarellen
über märchenhafte Ereignisse phantasieren. Eine
Art Kleinmalerei sind die Holzintarsien, aus denen
Herbert Graf Sch affgotsch sein Sonderfach ge-
macht hat; als Füllungen in die Türrahmen ein-
gelassene Blumenstücke wirken nicht im schlechten
Sinne hölzern, denn die geschickte Verwendung der
verschiedenen Holzarten und der Maserung läßt
ihnen etwas von dem Naturduft. Sehr schön hat

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