Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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ERINNERUNGEN AN DEN MUNCHENER ALLOTRIA-KREIS

Von Louis Corinth

(Schluß aus dem vorigen Hefte)

Als die Allotria noch ihr erstes Lokal im
„Abenthum" inne hatte, drängten sich
auch Leute zu einem Tische, neugierig ge-
spannt, wie die Sache enden sollte.

Hier spielte ein schwerer breiter Mann
ruhig seine Karten aus, nahm Stich um Stich
an sich, wurde aber viel daran von einem
dunkeln, elegant gekleideten Herrn gehindert,
der ihm zwischen den Karten eine Menge
Tausend Franken-Noten auf den Tisch zählte
und dabei lebhaft und eindringlich auf ihn
in französischer Sprache einredete.

Endlich ward das dem Kartenspieler zu bunt,
er schob die Banknoten beiseite, daß einige
auf den Boden flatterten und sagte in gurgeln-
dem kölnischen Dialekt sehr ungebärdig:
„Aber nun lassen Sie mich doch endlich
meinen Tarock zu Ende spielen." Das war
Leibi, der dem Pariser Kunsthändler Goupil
sein berühmtes Bild „In der Kirche" verkaufen
sollte. So sehr der Franzose auch bat und
flehte, Leibi bestand auf hunderttausend Fran-
ken. Bestärkt wurde er hierin durch Gedon,
der ihm immer wieder sagte: „Nicht weniger,

das Bild ist besser wie eines von Holbein."
Als der Franzose endlich das Vergebliche
seiner Angebote einsah, packte er achsel-
zuckend seine Scheine in die Tasche, begab
sich in sein Hotel und reiste zurück, nicht
ohne vorher seinem Geschäftsfreunde in Mün-
chen hinterlassen zu haben, daß solche Preise
nur für Meissoniers angelegt werden könnten.

In dem Abenthum war es auch, wo ein Fest
für Lenbach veranstaltet wurde, als er auf
längere Zeit seinen Wohnsitz nach Rom ver-
legen wollte. Wir jungen Akademiker saßen
in dem öffentlichen Gastzimmer der Wirtschaft
und lauschten ehrfurchtsvoll auf das geringste
Geräusch, das zu uns herübertönte, wenn die
Tür zu der Gesellschaft auf Augenblicke ge-
öffnet wurde.

Die Feste waren immer reich an Geschmack
und Geist. Schwabenmaier, Horstig und Lang-
hammer verfaßten Spottverse auf die Mit-
glieder.

Lossow hatte einst „Das Lied an der Lahn"
in seinen tausend Versen illustriert. Es war
eine erotische Ungezogenheit, die nicht seines-
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