Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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B Kunst bibliothek
zu Berlin

-*p4^> VON AUSSTELLUNGEN -C^^
VON AUSSTELLUNGEN BHI^^^Hi^^HHH^HH

DERLIN. Schulte setzt uns diesmal
ein sehr reichhaltiges Menu vor.
Wir registrieren: Kollektionen von Kon-
rad Starcke, Joh. Georg Drey-

dorfFj Andreas Egersdorf er, Paul ^^Se^^^^Sß^^S^m ' ^^I^^^^^I^^R

Heydel (Aquarelle aus dem kaiserli- *

chen Töpferdorf Cadinen und Umge- k>

bung); figürliche und landschaftliche H9 • I

Pastellstudien von Otto H. Engel und

eine Anzahl Landschaften von Hans

Busse, die stark an das Genre von / Jmk$

Theaterdekorationsskizzen anklingen. -/
Dazwischen mehrere Vitrinen mit Me- ^^L-~^~ ^1

daillen, Plaketten etc. von Mme Lance- BtT^ ^1

lot-Croce ohne hervortretende per- S
sönliche Eigenart, ganz im Fahrwasser g-.
der führenden französischen Medail- HV~^^|
leure mit der Vorliebe für weiche ma- ||f
lerische Reliefbehandlung. Eine Reihe '°M
feiner Silhouetten von Johanna Beck-
mann zeigen eine technisch virtuose MA
Behandlung und — abgesehen von eini- sjj' j®

gen figürlichen Unzulänglichkeiten — m.
ein sicheres Gefühl für den Stil der k fl

diffizilen Scherenkunst. — Größerer
Raum ist drei Künstlern gewidmet.

Ueber von Raul- ^9^^^^^^^^H^^^^bK^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^|

bachs ist in diesen Heften schon so
viel gesagt worden, daß es sich erüb-
rigt, näher darauf einzugehen. Auch

Ausstellung des Haber- ^^^^^^^^H^EflK^'^Hfl^^^^^^^^^^^^^^^^H

sagt uns nichts Neues, abgesehen ^t/^^^^^K^^KSS^^^^^^S^^^^^^^^^^^^^^^^Bk
von einigen Frühwerken, die die stu- WSSH^^^HI^^^MiMSSHHEwSsMMMMBBMIl^^^^^»^

pende Entwicklung des Künstlers von john hoppner George ch Olm ley

der braunen Sauce her zur hellsten , _ ., . „ „ . _ . _. „ ,.

, r . ~ , , Im Besitz des Herrn Kommerzienrats Dr. Eduard Simon, Berlin

Palette aufzeigen. Sonst unterbrechen „ . .__.-_v . . „. „ „ . „ ,.

.° rsach einer Aufnahme der Photograpnischen Oesellschaft. Berlin

nur einige interessante Landschafts-
versuche die Reihe der Porträts und

Akte, die sämtlich mehr eine Manier wie einen mer zu verfallen, müssen wir doch die erstaunliche
Stil verraten. — Den größten Saal füllen Werke von farbige Klarheit und plastische Wucht dieser Pin-
Robert Weise; Bildnisse und Landschaften. Die selzeichnungen bewundern. Er hat, wie selten einer,
letzteren sehr fein im Detail, prachtvoll beobachtet, einen fast unfehlbar sicheren Blick für das Wesent-
allein es fehlt meist an einem großzügigen, straffen liehe in der Erscheinung der Dinge gehabt, und
Zusammenhalten. Die Komposition als solche leidet diese absichtlich primitive Vereinfachung mit den
fast immer an Ueberfüllung durch kleine, nicht ra- technisch einfachsten Mitteln bis zur äußersten
tionell untergeordnete Motive, wodurch man nicht Ausdrucksfähigkeit zu treiben, war das Ziel, das
zum vollen Genuß der beabsichtigten Stimmung sich dieser absonderliche Künstler gesteckt und
kommt. Voll köstlichstem Stimmungsgehalt aber sind auch in vieler Hinsicht voll erreicht hat. Noch
zwei Aussichten aus dem Fenster, die eine auf eine über van Gogh hinaus geht der von ihm stark be-
blaue abendliche Flußlandschaft, die andere in einen einflußte Christian Rohlfs. Einige seiner Bilder
grauen Wintertag. wirken als Sujets direkt grotesk, als farbiger Klang
Die Vincent van GoGH-Ausstellung bei Cassirer prachtvoll — sie sind rein zum Ornament gewor-
wird wieder historisch eingeleitet. Mit Delacroix den. Aber, wie gesagt, so etwas von sieghaft leuch-
beginnt sie und führt über Daubigny, Corot, Rous- tender Farbe kann man lange vergeblich suchen.
seau, Renoir, Monet, Degas u. a. bis zu der Die schönsten seiner ausgestellten Sachen sind un-
Schwelle, die van Gogh mit kühnstem Anlauf über- bedingt zwei Blumenstücke, d. h. Gartenland mit
sprang. Wenn man von ihm kommt und zu der Blumen darauf in Weiß, Rot und Gelb. Hier konnte
älteren Generation zurücksieht, fragt man sich un- er die Gegenstände ihrer Kleinheit wegen nicht so
willkürlich: ja, ist denn das überhaupt schon Im- in völlige Formlosigkeit auflösen, wie er das etwa
pressionismus, was in diesen zahmen Bildern steckt, bei größeren Landschaften tut. Und allein mit der
und man muß das Auge wieder völlig anders ein- Farbe zwingt er den gegenständlichen Eindruck doch
stellen, um dankbar die ungeheure Leistung der nicht zusammen. Aber die Blumen sind von einer
1870- und 80er Jahre zu erkennen und anzuerken- fabelhaft dekorativen Schönheit. r. s.
nen. Wohl niemand ist so von einem malerischen

Extrem ins andere gefallen wie van Gogh. Die YWTESBADEN. Im Festsaale des Rathauses ver-
armen Kunsthistoriker späterer Tage, denen etwa " anstaltet zurzeit die > Wiesbadener Gesellschaft
das braune Kartoffelstilleben van Goghs vorgelegt für bildende Kunst< eine Doppelausstellung. Die
wird und die in diesem Frühwerke die Entwicklungs- Malerei ist durch 50 Gemälde von Ed. Steppes
phasen des Meisters in embryonalem Schlummer vertreten; darunter viele neuesten Datums und eine
entdecken sollen! Ohne vor van Goghs Bildern größere Anzahl aus Privatbesitz. Steppes, der die
in die begeisterte Verzückung modernster Schwär- Traditionen des erst leider nach dem Tode genügend

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