Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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-b-^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

sehen Auffassung der Boulevardiers gelangt ist. Eine VON AUSSTELLUNGEN
in London tätige Oesterreicherin, Marianne Stokes

(Preindlsberger war ihr Mädchenname), hat das ihr UND SAMMLUNGEN
eingeräumte Kabinett zu einem Aufenthalt weltferner

Beschaulichkeit gemacht; ihre liebenswürdig an- 1DERLIN. Nachdem uns vor kurzem bei Gurlitt
sprechenden Temperabilder holen sich die Stoffe eine Gericault-Serie vorgeführt war, beschert
zumeist aus Legenden und Märchen, klar in den uns jetzt der Kunstsalon Paul Cassirer eine Aus-
Farben und wohlabgewogen in der Komposition, Stellung von etwa 60 Arbeiten von Delacroix.
künstlerisch den Präraffaeliten nahestehend. — Gericault hatte das Signal gegeben — die Attacke
Schließlich ein flüchtiger Ueberblick über die Kunst- ritt Delacroix. Er bringt die Erfüllung. Was er von
salons. Bei Miethke der neuerdings vielgerühmte seinem — an Jahren älteren — Vorgänger über-
Constantin Guys, dessen Blick schärfer als die nimmt, ist die grandiose Verve der Linie, die Wucht
Hand korrekt in der Zeichnung war, als er die zeit- der Komposition; was er hinzubringt, ist die Farbe,
genössische Gesellschaft Frankreichs während des das schmetternde Kolorit wie die subtile Beobach-
zweiten Kaiserreichs beobachtete. Nach dem natür- tung der Valeurs. Viel davon, wenn auch nicht
lieh gewordenen Impressionisten ein sehr bewußt alles, läßt die Ausstellung erkennen, in der, haupt-
vorgehender, der Tscheche Josef Vaic, der in Prag sächlich aus der Sammlung Cheramy-Paris, fast nur
besonders gern an nebelfeuchten Tagen strichelt Skizzen oder Entwurfmaterial zu den großen Kom-
und aquarelliert; sein Landsmann Vojtech Preissig Positionen, die s. Z. die heißumstrittenen Haupt-
ist in Paris zu einem Radierer geworden, dessen werke des >Salonc bildeten, zusammengebracht sind,
tief geätzte und farbig gedruckte Kupferplatten im Viel prachtvolle Farbe kann man an den Bildern
dekorativen Sinn vorzüglich gelungene Blätter er- studieren; wie der Künstler sich aus dem Braun
geben. Gustav G. Groeger hat sich erst spät, losringt und langsam unter dem Einflüsse Rubens
nach einem Berufswechsel, der Kunst zugewendet zum lichten glänzenden Kolorit fortschreitet. Das
und sucht die Lösung landschaftlicher Probleme in ganze Ueberragende des Malers jedoch kann man
allen Regionen der Alpen, am Meer und in Aegypten. hier nur ahnen — seine innerste Anlage drängte
Bei Heller ebenfalls ein Neuling, Paul Lumnitzer, ihn stets nach dem Monumentalen. — Ein an-
welchen sein offenbares Talent dazu berechtigte, genehmer Zufall gibt uns die Möglichkeit, gleich-
den Predigtrock des Geistlichen gegen den Alalkittel zeitig in Berlin auch die dritte französische Gene-
einzutauschen. Besonders verdienstlich war es, ration des letzten Jahrhunderts zu studieren. Im
innerhalb ihrer Kollektivausstellungen Liebermann Salon Schulte ist die ausgezeichnete Sammlung
und Ludwig von Hofmann den Wienern in ihrer Young ausgestellt, die nahezu alle Meister der
Bedeutung als Graphiker darzubieten. Schule von Barbizon in sich vereinigt. Millet ist

Karl m. Kuz.many vertreten u. a. durch eine »Wäscherin« mit erstaun-

f. goya grosse heldentat an toten! (radierung)

Aus den Desastros de la Guerra

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