Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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DIE NEUE LANDSCHAFT

Von Dr. Gustav G. Groeger, Graz*)

ch will nicht unter die Kunstschriftsteller kann man ja nicht machen, was man will,
gehen, ich habe nur etwas zu sagen, das und wie man es will, sondern nur, was man
sich mir bei der Arbeit aufgedrängt hat. Da machen muß, niemand fühlt so täglich die
ereignet sich so manches, und das macht unsere Unfreiheit, den Zwang, beim freiesten Schaf-
Arbeit so aufregend. Ein Pinselstrich — und fen, wie der Künstler. Und da sollte man
plötzlich sprüht das vielumworbene, heiß be- noch als dritter sich und seiner Arbeit un-
gehrte Licht auf, nicht der matte Schein der parteiisch gegenüberstehen und reflektieren
Ölfarbe, ein echtes und rechtes Stück Sonnen- und die Wechselwirkung registrieren! Wäre
licht aus dem Spektralkranze — zitternd vor ein Zusammentreffen von dem allen nicht so
Aufregung hält man inne: „Woher? Warum selten, was hätten uns unsere großen Schaffer
gerade jetzt?" Oder wie gebannt bleibt man nicht schon alles erzählen können! Aber ge-
plötzlich stehen, wo man schon hunderte Male rade deshalb reden sie wenig darüber und
gegangen: „Da ist dein Bild!" Und nichts schreiben nichts, und wir wissen soviel wie
läßt sich mehr an dem ersten Blitzstrahl der früher — vom Schaffen selbst.
Erkenntnis ändern, Arbeit und Mühe können Die bildende Darstellung der menschlichen
dem ersten Eindruck nahekommen, nichts daran Figur hat einmal eine einschneidende Aende-
verbessern. Dazu heißt es aber schußbereit rung erfahren, in der Renaissance. Unvergeß-
sein, sonst ist der Augenblick entwischt. In lieh bleibt mir, wie Hermann Grimm das er-
jeder Minute der vielen Arbeitsstunden am _

Anstand stehen, vielleicht erklärt das einigen, ,} Siehe unseren Bericht »Wiener Ausstellungen,
warum unsere Arbeit so erschöpft. Und dabei im Dezemberheft Seite 138.

ALBERT VON KELLER SPIRITISTISCHER APPORT (1887)

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