Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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-^g> RÖMISCHE FRÜHLINGS-AUSSTELLUNGEN

sich Hugo Baar entwickelt: in gedämpften Farben der >Schleifplatz« mit dem Schneegestöber im nassen
schildert er seine Heimat zwischen der Oderebene Wintergrau sind ganz ungewöhnlich illusionistisch ge-
und den Beskiden in allen Phasen des Frostes und des Jungen. — Ueber die Blütenlese von Werken polni-
beginnenden Frühlings recht stadtfremd schlicht. — scher Künstler, die sich mehr als jene ihre slavi-
Als die Tschechen, soweit sie, die Sezessionisten sehen Stammesbrüder die nationale Eigenart zu er-
Prags, dem nach ihrem Vorläufer >Manes« genannten halten scheinen, könnte nur wiederholt werden, was
Verein angehören, vor einigen Jahren in Wien in dieser Zeitschrift unlängst eine Würdigung der
sich korporativ einstellten, nahmen sie vor allem >Sztuka« ausführlich erörtert hat. karlm.kuzhant
durch ihre Monumentalbildhauer für sich ein. Dies-
mal haben sie außer der impressionistischen Bronze-
büste Dvoraks von J. Maratka nur verparisert RÖMISCHE FRÜHLINGS-
seltsame Kleinplastiken beigebracht. Auch das

Fehlen ihrer Graphiker bedauert man. Den größten AUSSTELLUNGEN
Eindruck machen die Landschafter, von denen
Hudecek, Honsa, Ullmann und, durch das
Pastell >Ende des Wintersc Slavicek ganz her-
vorragend vertreten sind. Sie alle sind hier öfter seit einigen Jahren Frühlings-Ausstellungen. So auch
zu Gaste, auch der an Whistler gemahnende Porträ- heuer. Und diese intime deutsche Ausstellung im
tist Hugo Böttinger und sein Widerpart Joza Palazzo Serlupi zeigt, daß die deutsche Kunst am Tiber
Uprka, der trotz aller westlichen Schulung so im Aufschwung ist. Als feinsinniger Landschafterzeigt
ungeschminkt bauernbunt das Leben in den slova- sich der Worpsweder Jaro-Chadima, und der Kalk-
kischen Dörfern darstellt. Jan Preisler, ein Neu- reuth-Jünger H. Heyne erfreut uns durch schöne
romantiker, geht immer weiter in der gewollten Bilder, wie sein >Stilles Schloß«. Max Röder
Primitivität, die ihn von L. v. Hofmann zu Gauguin bringt gute griechische und sizilianische Studien,
führte. Otakar Nejedly kennen zu lernen, ist der Sigmund Lepinsky hat feine Aktstudien, Ernst
beste Ertrag dieser kleinen Rundschau über die Nöther eine zwar nur flüchtige, aber famose Zeich-
tschechische Kunst; sein ^Weißes Stilleben« und nung, »Mutter und Kind«, wo mit wenigen Mitteln

r\ie in Rom lebenden deutschen Künstler (ihre
Zahl ist immer mehr im Wachsen) veranstalten

wilhelm leibl gräfin rosinetreu berg

Ausstellung der Berliner Secession

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