Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 23.1907-1908

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-3~l^> ERINNERUNGEN VON WILHELM TRÜBNER

Klang, wie Thoaia, Volk.mann, Kampmann
u. a. sind hier zu finden.

Recht gut schneidet die junge Vereinigung
der Nordwestdeutschen Künstler ab, die ganz
besondere Anstrengungen gemacht hat. Den
Vogel schießt bei den Malern Hans Olde mit
dem Porträt des Fräulein v. Sch. ab, bei den
Bildhauern Pagels mit der charaktervollen
Büste Eugen Drippes. — Eine freundliche
Erinnerung nimmt man auch aus dem Kabinett
der Frankfurt-Cronberger Künstler mit.

Die Münchener Scholle hat den Vorzug, daß
sie Künstler in sich vereinigt, deren Werke
qualitativ fast durchweg auf gleicher Höhe
stehen. Wie vornehm wirkt die „Dame in
Schwarz" von Weise, von dem außerdem noch
ein gutes Waldinterieur mit wirkungsvoller
Staffage und eine Kinderszene am Christ-
baum uneingeschränktes Lob verdienen. Zu
den Zierden dieses Saales ist auch Erler's
„Dame in Braun" und das Selbstporträt des
Künstlers zu rechnen.

Die Luitpoldgruppe, die man zwischen
Scholle und Secession plaziert hat, läuft Ge-
fahr, von diesen erdrückt zu werden. Aller-

alfredadloff badendes mädchen

Deutsch-Xationale Kunstausstellung, Düsseldorf

dings übt Roeseler's „Kirta" auf das Publi-
kum eine starke Anziehungskraft aus. Kolo-
ristisch interessante Stücke sind die „Geigerin"
von Blos und Heller's Interieur, nach der
Seite des Dekorativen auch Urban's „Kühle
Stunde".

Die Münchener Secession hat sowohl im
Gesamteindruck wie auch in den Einzel-
leistungen mit den stärksten Erfolg aufzuweisen,
zu dem Rob. Engels, Herterich, der ver-
storbene Phil. Klein, Schramm-Zittau, Win-
ternitz, Hayeck, Niemeyer, Gröber, Nissl
und Kaiser das Ihrige beigetragen haben.

Den Abschluß macht die Münchener Künstler-
genossenschaft, die diesmal eine recht unglück-
liche Hand bei der Ausstellung ihrer Bilder
gehabt hat. Dagegen bringt die nebenanlie-
gende Aquarellausstellung den versöhnenden
Ausklang. Hier umgibt uns die Sphäre des
guten Geschmacks, und die intime Zwiesprache
mit dem schaffenden Genius entschädigt für
manche Enttäuschung, die uns auf der Wan-
derung durch die Gassen der „großen" Kunst
nicht erspart geblieben ist. — Alles in allem
haben wir eine gute Durchschnitts-Ausstel-
lung hinter uns. Daß Düsseldorf nicht mehr
erreichen konnte, war nicht seine Schuld; es
braucht sich deshalb aber von zukünftigen
Unternehmungen nicht abschrecken zu lassen;
der ernste Wille siegt schließlich doch.

ERINNERUNGEN VON WILHELM

TRÜBNER

T Tnter dem Titel - Aus meinem Leben - veröffent-
licht der berühmte Maler in der Zeitschrift - Kunst
und Künstler- Erinnerungen, von denen wir einige
Stellen nachstehend abdrucken. Die Erinnerungen
beginnen mit dem Münchener Aufenthalt 1870, wo
Trübner durch Carl Schuch mit Leibi bekannt wurde.
Trübner erzählt darüber:

Von einem Ausflug an den Walchensee kehrte er
(Schuch) mit dem ihm daselbst bekannt gewordenen
Wilhelm Leibi nach Bernried (am Starnbergersee) zu-
rück. Leibi, der uns sofort auf unsere Malerfähig-
keiten untersuchen wollte, ging gleich in unser Quar-
tier, wo in langen Reihen unsere Studien an den
Wänden befestigt waren. Bei dieser Besichtigung
ging er direkt auf meine Arbeiten los und zeichnete
mich sofort mit den größten Lobeserhebungen aus.
Er empfahl mir aufs dringendste, gleich aus der
Akademie auszutreten und mit meinen Freunden
Lang und Schuch ein gemeinsames Atelier zu be-
ziehen, betonend, daß ich bereits mehr könnte wie
meine Lehrer und jede Art von Korrektur mir nur
hinderlich wäre. Mein Mut wurde dadurch mächtig
gehoben und meine Schaffenskraft aufs äußerste an-
gespornt.

Leibi blieb mehrere Tage bei uns in Bernried und
war von da an unser bester Freund und unser künst-
lerisches Vorbild. Mit Korrigieren gab er sich aber nicht
ab, und besuchte uns im folgendenWinter 187/172 nur

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