Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 29.1913-1914

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JULIUS DIEZ SCHERZO
fahren hätte. Damals weigerte sich der Prinz- tigend schön. Die Proportionen von Sockel und
regent, dessen Bescheidenheit und Taktgefühl sprich- Denkmal, von Roß und Reiter sind vorzüglich ab-
wörtlich waren, sich in seiner Residenzstadt schon gewogen. Der Zusammenschluß mit dem archi-
bei Lebzeiten im öffentlichen Denkmal verewigt zu tektonischen Rahmen, mit dem Straßen- und Stadt-
sehen, und so entstand seinerzeit nur der Rahmen bild ist vollkommen. G. J. W.
für das Denkmal selbst: Terrasse und Bassin, die
die monumentale Prinzregentenstraße so glücklich hakk von rartfi ^ '
gliedern, und das barocke Tempelchen, das den nAINa VUIN tLO t
Hubertusbrunnen, ein feines Werk Hildebrands, um- A m 5. Oktober ist in München nach langem
schließt:dieserarchitektonischeRahmen,inzwischen /\ Leiden der Maler Professor HANS VON BAR-
gut „zusammengewachsen", gibt nun dem Denk- TELS gestorben. In ihm verliert die Münchener Künst-
mal selbst die beste Resonanz. Das Werk ist heraus lerschaft eine ihrer führenden Persönlichkeiten;
aus der Stimmung, welche die Persönlichkeit des im besonderen auf dem von ihm gepflegten Sonder-
verstorbenen Regenten vermittelte, entstanden: es gebiet der Aquarellmalerei war er anerkannter-
wirkt mehr intim als monumental. Das hängt nicht maßen nicht nur in München, sondern wohl im
etwa mit den an sich nicht übermäßig imposanten ganzen Reich der Erste. — Hans von Bartels wurde
Ausmaßen des erzgegossenen Denkmals und auch am 25. Dezember 1856 in Hamburg, wo er auch
nicht mit dem ziemlich tief ge- den ersten Kunstunterricht bei
wählten Standpunkt auf niede- hk^^bh^bokb Rudolf Hardorff erhielt, gebo-
rem .Marmorsockel zusammen. ren, und später ging er dann
sondern es entspringt einer durch die Schulen von Schweitzer
glücklichen Absicht des Schöp- HKfe«<t~ ;Y 'n Düsseldorf und Oesterley in
fers, die vorzüglich zum Aus- ■^■^■»TLt C^^fl Hamburg. Reisen, die ihn beson-
druck und in die Erscheinung B^HIP/ fl ders häufig an die See führten,
getrieben wurde. Von diesem haben ihm den Weg zu dem
Denkmal geht etwas von dem | ^KJ HK^K^K^Kjl Spezialgebiet, das er dann mit
reinmenschlichen, unmonarchi- außerordentlichem künstleri-
schen Charme aus, den auch des KL sehen Erfolg fast ausschließlich

Prinzregenten Persönlichkeit be- pflegen sollte, gezeigt. Marinen,
saß, und ich denke mir, eine bes- tS>i^M8K8<88bfci2.,~ Schilderungen des Meeres und
sere Funktion als diese kann ein W' Li der Bewohner seiner Küsten,
öffentliches Denkmal überhaupt ^^fc* im besonderen der holländischen
nicht erfüllen. Die Auffassung der Rj^J^^^^bV^ksflHtV Natur und des holländischen
R-iur^st. J.i. Dv.v. _: Volkes umschreiben das Stoff-
des Rosses, das durchaus natür- '- fcf J ; _ . gebiet, auf dem er wenige gleich
lieh wirkende zeitlose Kostüm erfolgreiche Mitkonkurrenten
hatte. Der Aquarellmalerei hat
er, indem er ihre Ausdrucks-
aber freilich sehr erfreuliche se- möglichkeiten, auch in Anwen-
kundäreMomente.Dietechnische professor hans von Bartels dung auf Kompositionen großen
Durchführung ist vollendet. Die f =■ Okiober Umfangs, aufs höchste zu steigern
Silhouettenwirkung ist von je- Xacheinetkansti.Phot'ogrlpincvonHofphot.Gebr.Hirsch. wußte, die Gleichberechtigung
dem Standpunkt aus überwäl- München mit der Oelmalerei errungen.

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