Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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3i>5 Kunstlitteratur u. Kunsthandett — Todesfälls. — Kunst- u. Gewerbevereine. — Sanimlungen n. Ausstellungen. Z(>6

^ahmen die sieben Werke der Barmherzigkeit und die
dier Kirchendäter. Nicht Rottenhammer, sondern
8rans Francken d. j.

Jn den häufigcn Fällen, in welchen oben keiner
unserer Namen angegeben ist, trafen unsere Be-
Uennungen entweder böllig zusannnen, oder es rührt
die Kritik von mir allein her. Die ersteren sind die
ivichtigeren Fälle und verteilen sich auf die holländi-
!chen und vlämischen Schulen, während die Neube-
uennungen und sonstigen Angaben, welche sich auf die
Altdeutschen beziehen, von mir ausgehen.

Eisenmann.

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

z^. ve vklurnisvlio 8vll0«k, ein seit zweiunddreißig
Jahren in Antwerpen erscheinendes Knnstblatt, hat nach dem
Tode seines Begründers Desirä van Spilbeeck eine neue
Folge begonnen, welche unter der Redaktion des Verlegers
I- C. Buschmann in halbmonatlichen Heften von je einem
Bogen erscheinen wird. Wie schon der Titel andeutet, ist
das Ziel des Blattes vornehmlich auf die heimischen 5b»nst-
interessen gerichtet, ohne jedoch die hervorragenderen Er-
scheinungen des ausländischen Kunstlebens außer Acht zu
lassen; es bringt Abbildungen im Text und auf Einzel-
blättern und kostet in Belgien 8 Franken jährlich.

Todesfälle.

x.— Augnst Scheffers, Architekt und Professor an der
kvnigl. Kunstakademie zu Leipzig, ist dort am Z. Februar
im 56. Lebensjahre gestorben. Seit einer Reihe von Jahren
leitete der Verstorbene die Herausgabe des Sammelwerks
„Deutsche Renaissance", zu dessen Vervollständigung er
hauptsächlich in seiner Hsimat Mecklenburg mit einer Anzahl
junger Akademiker thätig war. Leider hiuterläßt er die ver-
dienstliche Arbeit, welche ihm die goldene Medaills für Kunst
und Wissenschaft eintrug, unvollendet.

Der Architektnrmaler Heinrich Hcger ist am 4. Febr.
in München gestorben. Er war 1832 in Hadersleben ge-
bvren, hatte sich zuerst in Kopenhagen bei den Architektur-
malern Hetsch und Hamm und dann in München bei Her-
mann Dyk gebildet, war von 1862 bis 1865 in Kopenhagen
und dann in Kiel als Lehrer an der Gewerbeschule thätig,
von wo er 1875 nach München übersiedelte. Er hat vor-
zugsweise Jnterieurs gemalt, unter denen die Kriegsstube
iin Rathause und das Fredenhagensche Zimmer in Lübeck,
der Kaisersaal in Goslar, die Betstube der Schlohkirche in
Gottorp, der Rathaussaal in Danzig, die Sakristsi der
Marknskirche und der Senat- und Audienzsaal im Dogen-
Palast zu Venedig hervorzuheben sind.

T Der französische Architckt Charlcs Augnst Ouestel ist
am 29. Januar zu Paris im 81. Lebensjahre gestorben.
Er war ein Schüler von Dubau und hat die romanische
Kirche St. Paul in Nimes, die Bibliothek und das Museuin
zu Grenoble erbaut. Seine Anfnahmen des Amphitheaters
zu Arles nnd des Pont du Gard gehören zu den vorzüg-
lichsten Arbeiten der Kommission für die hislorischen Denk-
mäler Frankreichs. Er war auch Architekt der Schlösser
von Versailles und Trianon und Professor an dsr Looks äes
k>öanx-nrt8.

Aunst- und Gewerbevereine.

— Dcr Verein Berliner Künstler hat am 4. Februar
Abends zu Ehren seines Vorsitzenden, des Direktors der
königlichen Akademie der Künste, Anlvn v. Werner, in
seinen schönen Räumen ein Festmahl veranstaltet, um dem
Danke für Werners bedeutsame Bertretung der Jnteressen
der Berliner Künstlerschaft würdigen Ausdruck zu geben.
An der Spitze des Ehrenkomitss standen Menzel, Knaus,
v. Kameke, die Architekten Kayser und v. Großheim nnd der
Dichter Julius Wolff. Ein auserlesener Kreis der Berliner

Künstler war ihrem Rufe gefolgt; wohl kein einziges be-
rühmtes Mitglied des Vereins fehlte. Die fröhliche Stim-
mung, die an den langen Tafeln herrschte und in Wort
und Lied mannigfaltigsten Ausdruck fand, bewieS, welch
festes Band der innigen Zusamniengehörigkeit die Vereins-
mitglieder umschlingt. Mit warmen Worten seierte A. v.
Heyden den Kaiser, den Schirmer der deutschen Kunst,
als den Friedensfürsten, dessen stetes Streben, den Frieden
zu sichern, wieder einmal durch die jüngste Berösfentlichung
so schlagend erwiesen worden sei; dann sprach der Maler
Dielitz auf Herrn v. Werner, der seit 15 Jahren der Ber-
liner Knnstgenossenschaft angehört und sich in seinen ver-
schiedenen Stellungen stets um dieselbe die höchsten Ver-
dienste erworben hat. Herr v. Werner dankte in längerer
Rede, indem er seine Ziele und Bestrebungen entwickelte
nnd dem abwesenden Kultusniinister Or. v. Goßler, dem
Ehrenmitglieds des Vereins, ein Hoch darbrachte, das von
der Festversammlung mit Jubel ausgenommen wurde.
Später widmete er noch ein Glas dem neben ihm sitzenden
Menzel, der köchsten Zierde der deutschen Kunst, eine Auf-
merksamkeit, dis der greise Meister mit tiefsinnigen Ge-
danken erwiderte, indem cr das Können und die Kraft in
der Kunst als wesentlichste Bedingung jedes Fortschrittes
hinstellte. Eine Anzahl von Aufsührungen meist sehr
komischen Jnhalts trug zur Erheiterung der Gäste wesent-
lich bei; zunächst ein Festspiel von Jül. Wolff, in welchem
Werner, der Trompeter, seinem Jllustrator Werner eine
rsizend erdachte Huldigung darbringt. Dann ein sehr
komisches, mit reichen satirischen Bcmerkungen verwobenes
Gedicht von W. Scholz, das zumal die Lachmuskeln des Ge-
feierten und aller Anwesenden in Bewegunq setzte, als auf
der Bllhne das Taschentuch des Fürsten Bismarck gezeigt
wurde, welches dieser auf dem.bekannten Bilde von Werner:
„Fürst Bismarck im Reichstage redend", unausgesetzt aber
erfolglos in seiner Rocktaschs suche. Auch die hnmoristische
Erklärung, welche Professor Breitbach der meisterhaft von
Professor Paul Meyerheim gezeichneten Tischkarte zu Teil
werden ließ, fand brausenden Beifall. (Köln. Ztg.)

— Der „Rheinischc Kuiistvereiii", ein seit 51 Jahren
bestehender Verband von Kunstvereinen in dem südwestlichen
Teile von Deutschland, hat durch den Austritt des Kunst-
vereins zu Mannheim einen sehr bedauernswerten Verlust
erlitten. Der Verband umfaßt nunmehr die Kunstvereine
zn Baden-Baden, Freiburg i. B., Heidelberg, Karlsruhe,
Darmstadt (mit den drei Zweigvereinen zu Gießen, Offen-
bach a. M. und Wornis), Hanau und Mainz. Die vier zuerst
genannten Vereine unterhalten ständige Kunstausstellungen
neben ihrer Beteiligung an den wandernden Berbands-
ausstellungen. Jn dem letzten abgeschlossenen Rschnungs-
jahre 1886 haben diese Vereine bei der Zahl von 2882 Mit-
gliedern für die Beschaffung von Kunstwerken den Betrag
Vvn 54 735 Mark, und zwar hierunter ZÜ86Z Mark auf ver-
mittelte Privatankäufe verwendet. Der nnverkennbare Rück-
gang in dem Werte der Kunstwerke bei den wandernden
Ausstellungen hat veranlaßt, in dem Jahre 1888 solche zum
letztenmal und von 1889 an nur ständige Ausstellungen zn
veranstalten. Der Verband ist demnach in einer Unibildung
begriffen, von welcher nur der günstigste Erfolg erwartet
werden kann.

5ammlungen und Ausstellungen.

O 3»in Ehrengedächtnis dcs jiingst verstorbcneii Zeich-
ners nnd Jllustrators Oskar Pletsch hat dis Direktion der
Berliner Nationalgalerie eine Ausstellung von etwa
150 seiner Zeichnungen und 30» „Holzschntttnachbildungen
derselben veraustaltet, welche einen klberblick über das steißige
Schaffen des Meisters gewtthrt, das seinen Schwerpunkt in
Haus und Familie, im Leben der kleinen Leute gefunden
hat. Pletsch, ein Schüler von Bendemann in Dresden,
begann seine künstlerifche Thätigkeit mit Jllustrationen zur
Bibel, zu Schwabs „Deutschen Volksbüchern", zu Jean Paul
u. a., fand aber zu Ende der fünfziger Jahre in Dar-
stellungen aus dem Kinderleben sein eigentliches Gebist, auf
welchem er, im Geiste Lndwig Richters und im Anschluß
an dessen anspruchslose Naivetät, Liebenswürdigkeit nnd
Anmut, bis an sein Lebensende fleißig gewesen ist. Die
Welt, in welcher er lebte und schuf, hatte er sich schon früh-
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