Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

Seite: 333
DOI Artikel: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1888/0173
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
333

Dänische Ausstellungen und Scinunlnngen.

334

den seltsamen Jacopo de Barbari zurückzuführein
Es tragt die Nummer 208.

Nr. 232. „Die Findung Mosis", dou G. B.
Tiepolo. Mehrere kleiue mit eigenem Reiz be-
handelte Figuren; das Bild würde cine bessere Auf-
stellung vcrdienen, als über der Thüre, wo ich es gesehen-

Zweiter Saal. — Das dem Cesare da Sesto
zngeschriebeue Madonuenbild, mit dem heil. Hicrony-
mus vor einem grünen Vorhang uud mit Landschaft
im Hiutergrunde, würde wahrhaftig keineu richtigen
Begriff von dem feinen Meister geben. Es trägt die
Nr. 319 und ist jener Reihe von nicht seltenen Werken
zuzuzählen, welche aus dem Atelier seines Lands-
maunes Gian Pietrino zu stammen scheinen.

Die Verwechselung der Leistungen eines Fra
Bartolvmeo und seines Genosseu Mariotto Alber-
tinelli ist bekanntlich mehrfach nachzuweiseu. So im
Louvre, in der Galerie Poldi Pezzoli u. s. w. Das
ist denn auch in Stuttgart der Fall, wo die drei zu-
eiuander gehörenden Stücke 323, 324 und 325 zu
einer Krönung Mariä mit Eugelsgruppen uach den
Typen, den etwas gedrungenen Formeu und dem setten
Farbenauftrag zu schließen, gewiß dem zweiten, jeden-
falls weniger idealeu, dieser beiden Küustler zuzuer-
kennen sind.

Nr. 329. Gehört zu den durch ihrcn Farbenreiz sich
hervorthueuden Gemälden der Sanimluug. Wir sehen
darin in Halbfiguren Maria niit dcm Christuskinde
zwischen den Heiligcn Petrus und Johauues deni Täu-
fer dargestellt. Aber nicht „Palma Vecchio" also,
sondern den bereits erwähnten Bonisazio (den crsteu)
aus Verona möchten wir als Nrheber uciinen. Schaut
aus demselben die Herknnft von dem berühmtcn Bcrga-
masken noch herans, so läßt er sich dvch stets Vvn
ihm unterscheiden durch seinen wärmcren Farben-
akkord nnd den pastoseren Auftrag. Obwohl er weuiger
großartig in der Auffassung ist als Palma, darf doch
von ihm behauptet werden, daß er demselbcn, be-
sonders in seinen früheren Werken, an poetischeni,
malerischeni Reiz der Darstellung überlegen ist. — Als
das glänzendste Beispiel dieser Art sei hier beiläufig
das herrliche von der Nationalgalerie iu London er-
worbene Breitbild ans der Jugendzeit des Bonifazio
erwähnt, welches lauge in Bergamo als eiue Arbeit
des Palma angesehen wurde, au den es auch faktisch
lebhaft eriunert, wiewohl heutzutage die von Lermo-
lieff augegcbcne neue Bestimmung von niemandem mehr
beanstandet wird. Z

I) Diese wundervolle, edle Zusaiiiiuenstelliing von Heili-
gen in einer weiten luftigen Landschaft kann man selbst in
der kleinen aber wohlgelungenen Photographie würdigen,
welche im Vcstibül der reichhaltigen Londoner Galcrie mit
anderen zuni Kauf aufliegt.

Es ist sehr zu bedauern, wie bereits angcdcutet,
daß der aus Venedig stammende Teil der Stuttgarter
Galerie iu so jämmerlichem Zustaude ist. Sollte sich
die Möglichkeit ergeben, dem Übelstaude der ärgsteu
Mißhandlungeu dcr Bilder durch die Hand cincs ver-
stäudigen uud gewissenhaften Nestaurators wenigsteus
teilweise abzuhelseu und würde zugleich eine kritische
Sichtuug in der Pinakothek der königlich württeni-
bergischen Residenzstadt vorgenommen, so hegen wir
keinen Zweifel, daß derselben daraus eiu beträchtlicher
Gewiun nnd eine größere, gebührende Beachtung er-
wachsen würde.

Gustav Frizzoni.

Dänische Ausstellungen und Saininlungen.

Kolding, den 16. Febr. 1888.

Die bei weitem bedeutendste Ausstellung künst-
lerischer und industrieller Erzeugnisse, welche jemals
innerhalb der Grenzen des skandiuavischen Nordens
stattgefuuden hat, wird iu diesem Frühjahr in Kopen-
hagen eröffnet werden. Jnternational wird freilich
nur die kunstindustrielle Abteilung werden; von Ar-
beiten des Handwerks und der Jndustrie, sowie von
Werken der eigentlichen Kunst werden nur solche, die
aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Fiunland
herrühren, angcuommcn. Alle bcdeuteuden Küustlcr
dieser Läuder aber werden die Ausstelluug beschicken,
so daß dieselbe auch für Fremde ein keiueswegs ge-
riuges Jnteresse haben wird.

Gleichzeitig wird aber in Kopeuhagen uoch einc
zweite, von der großen nordischen nnabhängigc Aus-
stellung cröffnct werden, cine Ausstellung srauzösi-
scher Kuustwcrkc, deren gleichen man außerhnlb Paris
noch uicht gesehen hat. Der reiche nnd freigebige
Karl Jacobscn, Besitzer der großen Bicrbrauerei
Ny Carlsberg hegte den Wuusch, auf dcr „uvrdischcn
Ausstellnng" für einige hervorragende Werke der
neueren französischen Skulptur Platz zu erhalteu.
Solches niußte ihm, den Statuten der Exposition ge-
mäß, verweigert werden; schuell eutschlvß er sich dann,
auf eigene Faust eine französische Ausstelluug herbei-
zuschaffen; im Laufe weniger Wochen war der Plan
zur Reife gelangt und mit den Vorbereituugen weit
hervorgeschritten. Von dem Magistrat Kopenhagens
wurde ein Bauplatz leihweise hergegebcn und zwei
dazn besonders geeignete Künstler nach Paris ge-
schickt; der Architekt Professor V. Klein sollte mit der
frauzösischen Regierung und auderen Autoritäten, der
Maler P. S. Kröyer mit den einzelnen Künstlern
verhandeln; die dänische Negierung versprach, die Kunst-
werke von Havre nach Dänemark mit eiuem Kriegs-
schiffe überführcu zu lassen. Und schou jetzt kaun man
loading ...