Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Kunstlitteratur und Kunsthaudel. — Snmmluugeu und Ausstelluugen. — Technisches.

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falls nicht betvnt zu lverden. Trotzdem lväre es doch
aber sehr lvnnschcnslvert, daß sich jemand der Mühe
unterziehcn möchte, eine Beschreibung der Btätter in
der Albertina, nebst genauer Wiedergabe sämtlicher
Unterschriften und Bezeichnungen, zn liefern.

Zum Schlusse nmß ich noch eincn Jrrtnm be-
richtigen, in den ich selbst verfallen bin. Jn meinem
ersten Artikel erwähne ich I. W. Tischbein jrrn. als
Arbeiter in „5o1t-grormä". Als ich das schrieb, hatte
ich dessen „Abhandlnng" (Kassel, 1790) noch nicht ge-
lesen. Kurz darauf gelang es mir, ein Exemplar zu
erstehen, und ich ersehe daraus, daß seine Blätter das
Resultat des vou ihm als „SandmanieA' bezcichnctcn
Verfahrens sind.

Rvxbury, 20. April 1888. S. N. Koehlcr.

Aunstlitteratur uud Aunsthandel.

x. — Meisterholzschnittc aus vier Jahrhundertcn. Unter
dicsem Titel giebt die bekauute Firnia Georg Hirth iu
München ein ncnes Merk herans, dessen erste Lieferung uns
vorliegt. Es wird beabsichtigt, die Entwicklung des Facsimile-
vder Nachschnittes zu illustriren, währcnd der sogenannte
Tonschnitt, wie er heute vorzugsweise genbt lvird, ausge-
schlofsen bleibt. Es sollen demgemäß etwa 200 Blätter stn
zehn Lieferungen ä l Mk. 50 gegeben werden, welche alle
Wandlungen des Holzschnittes in dieser Begrenzung in charak-
teristischen Beispielen zur Anschauung bringcn söilen. Dn-
bei ist von der Nieproduktion allgenicin bekannter und bereits
mehrfach veröffentlichter Darstellungen abgeseheu; Heraus-
gcber, 1)r. R. Muther, nnd Verieger gehen mehr darauf
äus, seltene uud einzige Blätter nachzubilden. Dies kann
man gewiß nur billigen, selbst wenn die Sammlung danu !
hie und da eine Lücke aufweisen sollte. Zugleich ergeht vou
der Verlagsbuchhandlung an die Freunde d'ieser neucn Ver-
öffentlichung die Bitte, ihr mit Beiträgen und Wiukeu zurHand
zu gehen. Deu Jnhalt der erstcn Liescrung bilden 2i Blätter,
darunter einigs doppelseitige, nttmlichi Die heil. Dorothea
(v. I 14101, Krönung Mariä (v. 1420), ein Blatt aus
Ketham, Mseieulu» cls Llsäieina tVenedig 1493), Der phal-
lische Kultus cVencdig 1499), Der hl. Hiervnymus (1503!,
Himmelfahrt dcr hl. Aiagdaleua (nach Dürer), Christuskvpf
(uach Dürer), Altdorfcr, Enthauptung Joh. des Täufers,
H. Baldung. Adam und Eva, Pyramus uud Thisbe uach
Aldegrever, Maria und Elisabeth nach Tob. Stimmer, Der
verspottete Virgil nach Lucas von Lsyden, Der ungläubigc
Thomas nach Marc. Anton, Tizian, VeuuS und Amor von
Jcie. Bolörini, Dcr Asfenlavkoon, angeblich von N. Boldrini,
Frau mit Totenschttdel, von A. Andrcani, nach Casolani
lhelldunkel), Friede und lieberfluß von Bart. Coriolano
(helldunkel!, Galatea von H. Goltzius, Christus und Johannes
nls Kinder in der Landschaft, nach Rubens, von Chr. Jegher,
Susanna im Bade, desgl., Schlußstück aus der illustrirten
Ausgabe der Fabeln Lafontaines vou I. M. Papillon.
Wir werden spttter auf diese dankcnswerte Publikation noch
zuriickkommen.

Sammlungen und Ausstelluugeu.

— Ans London. Jn Burlington House in Piccadilly
sindet gegenwttrtig die Kuiistausstellung der königl. Akademie
stait. 1100 Oelbilder und 400 Aquarelle, das Ergeb-
nis der diesjährigen Einsendnngen, vermag nur derjenige
zu besichtigen, der in den frühen Mvrgenstunden kommt;
später scheitert jeder Versuch au der Menge, die fast jeden
Zoll der zahlreichen Sttle bedeckt. Das Hauptbild der Aus-
stellung ist Alma Tadcma's „Rvsen des Heliogabalus",
welches der KUnstler für die artige Summe von 8000 L.
(120 000 Mk.) für den Großkaufherrn Aird aus Bestellung
malte. Es stellt den schabernackfrohen römischen Kaiser dar,

wie er seiue Geladenen von oben her durch einen Regcn
von Rosenblttttcrn bedecken läht. Die Gäste sind keine Miß-
geburten, wie sie der Kaiser gewöhnlich einlud, um ihnen
irgend einen Streich zu spielen, entweder durch denZusammeii-
sturz der Eßtafel oder andere grobe Spttße. Sie sehen viel-
mehr aus wie ehrsame Bürger, die sich in dem Rosenmeer
ganz wohl zu fühlen scheinen. Die Nosenblätter sind gemalt,
wie sie nnr Tadema zu malen versteht, und über Mar-
mor und Bronze braucht man kein Wort zu verlieren. Von
dcn Bildnissen reizt am meisten durch die Neuheit des Ge-
genstandcs das des Fürsten Bismarck von W. B. Richmond.
Der Künstler ist nicht der bekannte Akademiker G. Richmond,
dessen Bildnisse nach Tausenden zählen, sondern sein Sohn,
der natürlich um das Gliick, den größten Mann des Jahr-
hunderts zu malen, aufrichtiq beneidet lvird. Was Herkomer,
Holl, Millais und andere Portrtttkünstler aus dem eisernen
Kanzler gemacht habcn lvürden, wird vor dem Bilde Rich-
monds selbst eisrigst erörtert; man gibt aber zu, daß letzterer
Thatkraft und Leben gliicklich getroffeu und wiedergegeben
hnt, obgleich es den meisten scheint, als vb der Mann von
Blut und Eisen, der sich soeben noch gegen die Liebesheirat
des Fürstcn Alexander mit der Prinzessin Viktoria stemmte,
schwerlich sv liebenswiirdig dreinschauen kvnne odcr dürfc,
wie Richmond ihn dargestellt Von sonstigen Bildnissen
bleiben zu erwähnen Holls Gladstone und Lord Spencer;
Herkomers Lord Kanzler und schließlich Lord Randolph Chur-
chill, letzteres ein ebenso wenig erbauliches Bild, wie es der
Charakter des edlen Lords selbst ist. (Kvln. Ztg.)

— Lehinaiiii-Aiisstclliiiig in Hamburg. Jn der Kunst-
handlung von L. Bock L Sohn in Hambnrg hat der srüher
in Romj seit einem Jahrzehnt in Londvn lebende und aus
Ottensen gebürtige Bildnis- und Geschichtsmaler Rudolf
Lehmanu cine Ausstellung seinerWerkeveraustaltet. Neben
einigen etwas altfrünkisch 'behandelten Genrebildcrn errcgt
hauptsttchlich eine Saminlung Vvn Bildnissen berühmter
Männer dic allgcmeine Nufmerksamkeit. Unter dcn vierzig
außerordentlich scharf gezeichneten Köpfen befinden sich welt-
liche und geistliche Fürsten, Schriftstellcr, Mnsikcr, Maler
und Weltmänner. Die Bildnisse sind meistcns in den vier-
ziger und fünfziger Jahren auf Studienreisen in Berlin,
Weimar, Rom und Helgoland aufgciiommen worden. Vor
allem interessirt ein Bildnis des Kaisers Fricdrich, das im
Jahre 1854 in Ronr angefertigt wurde. Ganz auffallcnd ist
die Ähnlichkeit mit dem jetzigen Kronprinzen; wttre das
Bildnis ohne Unterschrift und Datum, so würde nian un-
bedingt den Kronpriiizcn Wilhelm in ihm vermuten. Denk-
würdig sind die Bildnisse Pius' IX und Antonelli's. Ferner
bcfindet sich ein Bild dcs Prinzen Vvn Wales aus dem
Jahre 1853 iu der Ausstellung Sehr interessant siud die
Köpfe von Chopin, Liszt, Meyerbeer (Berlin 1860), Vsrdi
(aus dem Jahre 1882), Rauke, Gervinus, Berthold Auer-
bach, Fanny Lewald, Rudolf Virchow, Cornelius, Lessing,
Overbeck und Ludwig Knaus,

Technisches.

— übcr cin Iicucs graphischcs Vcrsahrcn wird in Hest
15 der „Kunst siir Alle" berichtet: Die Kunstanstalt von
I)r. E. Albert in München crhielt soeben ein Patcnt auf ein
iieues Verfahren der photographischen Ätzung zur Herstel-
lung von Autvtypien, bezw. von Platten, die sich siir die
Buchdruckerpresse eignen. Sie will hierzu einen Stoff ver-
wenden, der lvegen seiner großen Widerstandsfähigkeit gegen
Säuren in der Photographie längst Nnwendung gefunden,
nämlich Harz-Chrvmgelatine. vr. Albert benutzt hierbci die
Eigenschast der Chroingelatine, durch Belichtung in lvarmem
Wasser unlöslich zu werden, worauf er der Gelatine durch
Zusatz eines Harzkörpers in feiner Verteilung und späteres
Schmelzen des Harzes die zum Atzen nötigen Eigenschaften
giebt. Die Vorziige des Verfahrens bestehen in der großen
Lichtempfindlichkeit der Harzgelatine, iiidem die Expvsitions-
zeit iu der Sonne nur 3, im zerstreuten„Lichte höchstens
4—5 Minuten dauert. Auch bewirkt die Übertragung auf
Metall eine möglichst große Schärfe und Feinheit der Linien.
— Wahrscheinlich ist diess neue Erfindung dem von uns vor
mehreren Jahren besprochenen „typographischen Lichtdrucke"
(vgl. Kunstchronik XX, Sp. 109) verwandt.
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