Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

das betreffende Heft noch solche von Arndt, G. Eilers,
Frenzel, Hoffmann- Fallersleben, Skarbina und Sturm. Das
neun Blatt enthaltende Heft gelangt Anfang November an
die Mitglieder zur Versendung, kann jedoch gegenwärtig
schon von Interessenten bei dem Geschäftsführer des Vereins,
Herrn Kunsthändler Paul Bette in Berlin, Charlottenstraße 26,
in Augenschein genommen werden. Wir behalten uns vor,
auf den Inhalt dieser Publikation später zurückzukommen.
Jedenfalls ist den Bestrebungen des Vorstandes, für die
Originalradirung sowohl die ausübenden Künstler als auch
die Kunstfreunde zu erwärmen und die Begeisterung für
diese schöne Kunst in weitere Kreise zu bringen, die leb-
hafteste Anerkennung zu zollen, und wirkönnen nur wünschen,
dass die nach den Satzungen auf 500 Druck beschränkte Auf-
lage ihre Abnehmer finden werde.

NEKROLOGE.

Der englische Mahr Albert Moore, der sich durch
dekorative Malereien und Genrebilder im antikisirenden Stil
bekannt gemacht hat, ist am 25. September im Alter von
52 Jahren in London gestorben.

PERSONALN A CHRICHTEN.

*„* Dem Bildhauer Dr. Ferdinand Ilartxcr in Berlin ist
das Prädikat Professor beigelegt worden.

*„* Von der Berliner Kunstakademie. Die am 30. Sep-
tember abgelaufene Amtszeit des Direktors der akademi-
schen Hochschule für die bildenden Künste, A. von Werner,
ist vom König auf weitere fünf Jahre verlängert worden.

DENKMÄLER.

%* Ein Denkmal für Friedrich Friesen, einen der Be-
gründer des Turnwesens, ist am 24. September in seiner
Vaterstadt Magdeburg enthüllt worden. Auf einem Sockel
von polirtem schwedischen Granit erhebt sich die bronzene
Kolossalbüste Friesen's. Der Sockel ist mit drei Reliefs ge-
schmückt, die Jahn, Friesen und Eiselen in Beratung über
das Turnen, Friesen im Verein mit Lützow und Körner und
Friesen's Tod in den Befreiungskriegen darstellen. Der
Schöpfer des Denkmals ist der aus Magdeburg gebürtige
Bildhauer Ernst Habs in Berlin.

*„* Provinxtal-Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Kiel. Das
Komitee hat in der Sitzung vom 19. September einstimmig
beschlossen, dass das Denkmal als Reiterstandbild durch den
Bildhauer Adolf Brütt in Berlin ausgeführt werde. Die Ent-
scheidung über die Platzfrage und die an dem Modell vor-
zunehmenden Abänderungen sind vorzubehalten, bis ein
engerer Ausschuss von fünf Mitgliedern unter Beirat von
einem oder zwei von diesem Ausschuss zu erwählenden Sach-
verständigen genaue Vorschläge darüber gemacht haben
wird. In den Ausschuss sind gewählt: der Vorsitzende
Klosterpropst Graf Reventlou-Preetz, Verbitter Graf Revent-
lou-Wittenberg, Oberbürgermeister Fuß-Kiel, Geheimer Justiz-
rät Professor Hänel-Kiel und Geheimer Kommerzienrat
Sartori-Kiel.

%* Das Denkmal des Bischofs Bernward von Hildes-
heim, eine Schöpfung des Berliner Bildhauers Dr. Ferdinand
Hartxcr, ist auf dem Domplatze daselbst am 28. September
enthüllt worden.

= tt. Dorumteschingen in Baden. Im hiesigen Schlosse
wurde kürzlich im Saale der altdeutschen Gemäldegalerie
die Büste von deren Stifter, Fürsten Karl Egon zu Fürsten-
berg (1820—1892) zur Aufstellung gebracht; das schöne Kunst-

werk ist von Professor Kopf in Rom modellirt und in Carrara-
marmor ausgeführt.

= tt. Karlsridie. Am 24. September fand die Enthüllung
des in den Promenaden der Kriegsstraße errichteten Denk-
mals für den Freiherrn von Drais mit entsprechender Feier-
lichkeit statt. Auf einem Postamente von rötlichem Granit
erhebt sich die von Bildhauer Th. Haf in München model-
lirte und in Erz gegossene Büste des Erfinders vom Fahr-
rade.

*„.* Das Denkmal Andreas Hofens, das letzte Werk des
Wiener Bildhauers Heinrich Natter, ist am 28. September
auf dem Iselberg bei Innsbruck in Gegenwart des Kaisers
Franz Josef feierlich enthüllt worden. Zwei Tage später
veranstalteten die Freunde Natter's, dessen Witwe zur Ein-
weihung nicht geladen worden war, wie es hieß, wegen der
Stellung ihres verstorbenen Mannes zur Kirche, eine Gedächt-
nisfeier , bei der Prof. Erich Schmidt aus Berlin die Festrede
hielt. Der Redner führte, wie der „Neuen freien Presse"
geschrieben wird, im Eingange aus, Schiller's „Teil" habe für
alle Zeiten das Thema des Kampfes eines wahrhaften Berg-
volkes gegen Fremdherrschaft vorweggenommen und er-
schöpfend behandelt für die Dichtung. Aber tirolischer
Landeskraft war es vergönnt, mit Pinsel und Meißel das
Drama von 1809 zu verewigen. In viele Figuren hat es
Defregger zerlegt. Die Plastik arbeitet konzentrirter; ihr
Leitwort ist: „ünum, sed leonem." Das ist Natter's Hofer.
Eine Feier der Trauer abseits von der großen Feststraße ist
dies Fest. Wir beglückwünschen die Frau, die so tapfer des
Erbes gewaltet, wie man's bei der Taufe eines Nach geborenen
thut, da sich Schatten in das junge Tageslicht drängen. Aber
uns tröstet's, dass es dem Künstler vor allen Sterblichen ge-
gönnt ist, als ein Gegenwärtiger fortzuleben in seinen
Gebilden. Hier gilt Goethes Wort: „Ich weiß es, sie
sind ewig, denn sie 'sind.1' Erich Schmidt schilderte darauf
kurz das Leben Natter's. Er erzählte, wie aus dem Herrgotts-
schnitzer ein freier Künstler ward. Sein Losungsruf war:
Cinquecento! Die große Zeit großer Kunst! Sein stetiges
Streben ging nach einfacher Wucht bis zu seinem letzten
flüchtigen Entwürfe eines Dante. Das wurde an einer Über-
sicht seiner Werke gezeigt. Ihn beschäftigten germanische,
nicht hellenische Göttergestalten; ihm lag Haydn, der zier-
liche Rokokomensch mit seinem Zöpfchen, nicht so, wie die
festgeschmiedeten wetterharten Männer. An Zwingli, Walther
und Hofer zeigte das Schmidt. Er wollte vollenden, nicht
beenden; seine Statuen und Büsten sind der Bund der rea-
listischen Porträtkunst mit typischer Monumentalität. In der
Vollkraft ward er abberufen; so bleibt er uns. Schmidt
entwarf dann ein Bild des Menschen. Das Hoferdenkmal
sei Natter's eigenes Denkmal; so stämmig stand er selbst
da, so fest hielt er sein Banner, wie der gewaltige Thorwart,
den er vor ein paar Jahren geformt. So wache die Treue
über seinen Schöpfungen und rufe ein lautes: Hände weg!
wenn Unverstand sie antasten wollte. Mit den Worten:
„Du bist früh von uns geschieden, um so länger lebe dein
Ruhm" beschloss Schmidt seine glänzende und aus treuer
Freundschaft empfundene Rede.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

= tt. Straßburg i. E. Die in der Wiedererrichtung be-
griffene Gemäldegalerie hat eine sehr wertvolle Bereicherung
erfahren. Großherzog Friedrich von Baden hat ihr ein
Bildnis des deutschen Kaisers Maximilian I., gemalt von
dessen Hofmaler Bernhard Strigel, als Geschenk überwiesen.
Das Bild des 1460 in Memmingen geborenen und daselbst
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