Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

Seite: 87
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Photographieen von Gemälden der Augsburger Galerie. —

Bücherschau.

SS

altar, der seltene Gumpold Giltlinger mit seinem
Dreikönigsbilde, Amberger mit einer venezianischen
Mustern nachempfundenen Madonna. Neben diesen
Arbeiten von hervorragendem künstlerischen Ver-
dienst wurden aber auch solche von mehr kunst-
geschichtlicher Bedeutsamkeit ausgiebig berücksich-
tigt und gelangen so zum erstenmal zur Veröffent-
lichung das ßasilikenbild des Meisters L. F., die von
Janitschek grundlos demselben Anonymen zuge-
schriebenen Flügelbilder mit der Geschichte des hl.
Kreuzes (Nr. 652 und 653), die noch dem Zeitblom
belassenen Tafeln vom „Meister des hl. Quirinus",
einem Schüler B. Strigel's, sowie eine Anzahl alt-
schwäbischer Schulbilder, deren nähere Bestimmung
eben durch die nunmehr gegebene Möglichkeit ver-
gleichender Prüfungen wesentlichen Vorschub er-
fährt. Unter den aus anderen oberdeutschen Schulen
aufgenommenen Gemälden seien hervorgehoben
das Marienbild von Dürer, Bartel Beham's Pfalz-
graf Ottheinrich, das männliche Porträtstück des
Nürnberger Illuministen Jak. Eisner, von dem im
Vorjahre auf der Auktion Hoech in München eine
Wiederholung auftauchte, zwei der Schule von Re-
gunsburg zugeteilte Bildnisse, von welchen eines
(Nr. 652) indes von beachtenswerter Seite für Am-
berger in Anspruch genommen wird, eine kürzlich
aus Schweden erworbene, wahrscheinlich von dem
Regensburger Feselen für den Bayernherzog Wil-
helm IV. 1537 ausgeführte Susannenhistorie, endlich
die beiden großartigen Kirchenväter von Michael Pacher
aus Bruneck mit ihren Rückmalereien, welche die Le-
gende des Nicolaus von Cusa zum Gegenstande haben.
Wie diese Altarblätter, zu denen noch ein zweites,
neuerdings in die Münchener Pinakothek versetztes Paar
von Kirchenvätern gehört, stammt auch die interes-
sante Bilderreihe Nr. 38—41 aus Neustift in Tirol,
und als tirolisch erkannte R. Vischer (Studien zur
Kunstgeschichte) mit Recht auch die noch als „ Schwä-
bisch" bezeichnete „Krönung" und „Tod Mariae"
(58, 667). Von den in der Sammlung nur spärlich
vertretenen Niederdeutschen liegen die Himmelfahrt
Mariae vom Kölner Meister von St. Severin und zwei
Sibyllenbilder H. tom Ring's vor. Den Ubergang
zu den Italienern macht das rätselhafte Stillleben
des Deutsch-Venezianers Jacopo de' Barbari, dem sich
an weiteren Galerieperlen das weibliche Porträt in
der Art Antonello's da Messina, der vielumstrittene
Lionardo-Kopf, Tintoretto's „Christus im Hause des
Lazarus" und das frühe Sebastiansbild des Ribera
— von Justi für das beste Werk des Meisters in
Deutschland erklärt — anschließen. Aus der be-

kanntlich sehr gut ausgestatteten niederländischen
Abteilung der Sammlung wurden wiederum nicht
nur Elitebilder, wie der Hobbema, die schönen van
Goyens, der Dorfpoet von Jan Steen, der Auferstan-
dene von S. Köninck (mit der gefälschten Namens-
inschrift Rembrandt's), Breughel's ,.Jagd der Diana",
das Bildnis des Seemalers Aertvelt von van Dyck
, u. a. m. vervielfältigt, sondern auch verschiedene sel-
tene Meister zweiten Ranges, wie M. Sweerts (Kon-
zert), de Blieck (Kircheninneres), Eglon van der Neer
(Landschaft), der merkwürdige Monogrammist M. S.,
wahrscheinlich ein Breughel-Schüler (Auferstehung)
mit Reproduktionen bedacht. Für weitere Aufnah-
men, die in Aussicht gestellt sind, würden sich das
Feldherrnbildnis von Pourbus Sohn, die bezeichneten
Stillleben von Aart van Gelders (99) und W. Kl. Heda
(639), sowie eine der beiden Landschaften des sonst
wenig bekannten Vlamen A. Goverts, eines Zeit-
genossen Savery's, empfehlen.

Indes gewährt, wie man sieht, schon die jetzt
abgeschlossene Serie eine nahezu erschöpfende Uber-
sicht über den Bilderbesitz der Augsburger Galerie,
die an innerem Wert mancher umfangreicheren Samm-
lung überlegen ist. Mit Dank muss die Absicht der
rührigen Firma begrüßt werden, dieselbe durch eine
Anzahl von Aufnahmen ausgezeichneter Kirchenbilder
in Augsburg zu ergänzen, welche Folge mit den Wein-
gartener Altarflügeln des älteren Holbein im Dom
bereits begonnen wurde. Es wäre zu wünschen,
dass Herr Hoefle durch eine entsprechende Verbrei-
tung der preiswürdigen Blätter veranlasst würde,
seine Thätigkeit nicht auf Augsburg zu beschränken,
wo einzelne bemerkenswerte Stücke im bischöflichen
Ordinariatsgebäude und Privatbesitz, die Malereien
des Fuggerhauses allerdings noch manche Nachlese
gestatteten, sondern auch auf andere bayerische
Filialgalerieen, zunächst Schleißheim und die Ge-
mäldesammlung des Germanischen Museums auszu-
dehnen und weiterhin etwa eine Herausgabe der
Hauptwerke der Galerieen von Donaueschingen und
Sigmaringen ins Auge zu fassen.

M. STIASSNY.

BÜCHERSCHAU.

Theodor von Frimmel, Kleine Galeriestudien. Dritte
Lieferung. Gemalte Galerieen. Bamberg, C. C. Buchner,
1893. 8.

Die ersten beiden Lieferungen von Frimmel's „Kleinen
Galeriestudien", die 1892 zu dem ersten Bande eines Ge-
samtwerkes vereinigt wurden, enthielten vergleichende Ge-
mäldestudien aus den Sammlungen zu Pommersfelden, Bam-
berg, Wiesbaden, Pest und aus der Nostitz'schen Galerie in
Prag; dazu den hübschen kleinen Aufsatz „Wie die alten
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