Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Vom Kunstmarkt.

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mag besseren Kennern überlassen bleiben. Für uns galt
es nur festzustellen, dass erstens die Zuweisung an Rubens
durchaus willkürlich ist und dass damit auch die Be-
zeichnung des Dargestellten hinfällig wird, und dass zwei-
tens das Bild Bestandteile hat, die sich als Zusätze eines
Kopisten oder Fälschers kennzeichnen. In hohem Grade
verdächtig wird das Bild noch durch seine tadellose Erhal-
tung und die durchsichtige Klarheit des Tons, die keine
Spur von Nachdunkelung aufweist. Bemerkt sei noch, dass
das Bild in einem Goldrahmen Berliner Fabrik steckt, dessen
Typus zu Anfang der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts
aufkam. Damit ist etwa die Zeit begrenzt, in der die Fäl-
schung, wenn eine solche und nicht etwa bloß eine willkür-
liche Taufe vorliegt, entstanden sein kann. A. B.

O Zu dem Verkauf der dreiseitigen Reliefdarstellung der
Sammlung Buoncampagni in Rom, über den unser römi-
scher Korrespondent in Nr. 2I> der „Kunstchronik" berichtet
hat, wird uns geschrieben, dass der Verkauf dieses antiken
Kunstwerks nach Amerika nur beabsichtigt gewesen, aber
nicht ausgeführt worden ist.

0 Ein Kongress für den Kirchenbau des Protestantismus,
der am 24. und 25. Mai in Berlin stattgefunden hat und
von Geistlichen und Architekten zahlreich besucht war, hat
den Zweck gehabt, eine Aussprache über die Hauptfragen
des protestantischen Kirchenbaus nach den Bedürfnissen
und der finanziellen Leistungsfähigkeit der Gegenwart her-
beizuführen. Beschlüsse wurden nicht gefasst; auch wurden
keine Grundsätze aufgestellt, die für die künstlerische Seite
der Frage in Zukunft maßgebend sein sollten. Man be-
gnügte sich damit, einerseits den Standpunkt der Architek-
ten klarzustellen, andererseits die Forderungen der Geist-
lichen zur Geltung zu bringen. In vielen Punkten wurde
eine Einigung herbeigeführt, die voraussichtlich zu einem
für Kunst und Kultus gleich vorteilhaften Ergebnis führen
wird. Aus den Vorträgen ist besonders der des Geheimrats
Otzes über die geschichtliche Entwiekclting dos protestan-
tischen Kirchenbaues hervorzuheben, der die Grundlage für
die Verhandlungen bot. Ihr Ergebnis wurde in folgenden,
vom Prediger Veesenmeier in Wiesbaden aufgestellten Thesen
zusammengefasst: „1. Die Kirche ist für die Gemeinde da,
nicht die Gemeinde für die Kirche. Daher kleine Gemein-
den und kleine Kirchen die Regel für die Gegenwart.

2. Die Raumgestaltung der Kirche muss die Einheit der
evangelischen Gemeinde zur Darstellung bringen, wobei der
Geistliche an allen Orten gehört und gesehen werden muss.

3. Die Orientirung der Kirche ist, soweit die örtlichen Ver-
hältnisse es gestatten, beizubehalten. 4. Die Verbindung
des Kirchengebäudes mit Räumen für das Gemeindelebcn
ist, wo die Vorhältnisse es gestatten, anzustreben." Der
Kirchenbau im monumentalen Sinne scheint demnach in den
Hintergrund treten zu müssen. Nur darin wurde den mit
künstlerischer Phantasie begabten Architekten ein gewisser
Ersatz geboten, dass ihnen die Wahl des Stils freigestellt
wurde, freilich mit der Einschränkung, dass sie stets Füh-
lung mit den Wünschen der Gemeinden behalten müssten.
Auch wurde beschlossen, eine Kommission zu bilden, die
neues Material für einen zweiten Kongress vorbereiten soll.

%* Die Wandgemälde aus dem Speisesaale des Ant-
werpener Malers Hendrik Legs sind für 20 000 Frank von
der Stadt Antwerpen gekauft worden, die sie in einem
Räume neben dem von Ijeys ausgemalten Saale im Rathause
anbringen lassen wird. Die auf 10 000 Frank berechneten
Kosten für die Übertragung der Fresken und den Abbruch
der Mauern, auf die sie gemalt sind, wird die belgische Re-
gierung tragen.

VOM KUNSTMARKT.

V* Bei der Versteigerung dn- Sammlung Josse" in Paris
sind ganz ungewöhnlich hohe Preise für einige Zeichnungen
Watteau's bezahlt worden. Ein in Rotstift und schwarzer
Kreide ausgeführtes Blatt mit fünf Frauen- und drei Knaben-
köpfen wurde mit 30000 Frank, eine Zeichnung mit drei
Frauenstudien mit 24 000 Frank bezahlt. Drei andere Zeich-
nungen erzielten 8200, 7000 und 5000 Frank.

Berlin. Am 25. Juni und den folgenden Tagen kommt
die sehr wertvolle Sammlung von Aquarellen und Hand-
zeichnungen bedeutender Künstler unseres Jahrhunderts,
sowie berühmter Meister des 15. bis 18. Jahrhunderts aus
dem Nachlasse des zu Bremen verstorbenen Herrn L. IL Storek
durch die Kunsthandlung von Amsler & Ruthardt rur Ver-
steigerung. Die Blätter stammen meist aus den Mappen
hervorragender Sammler. Der Katalog, der mit einer An-
zahl vortrefflicher Reproduktionen der zu versteigernden
Blätter geschmückt ist, enthält ll'Jo' Nummern. Er ist
von der genannten Kunsthandlung für M. 1,50 (ohne Illu-
strationen für 50 Pf.) zu beziehen.

ZEITSCHRIFTEN.
Allgemeine Kunstchronlk. 1894. Nr. 10/11.

Karl von Blaas. Sein Leben und seine Werke. Von J. Max.—
Die Wiener internationale Jubiläumsausstellung. Von Cl.
Sokal. (Forts.) — Ein Baumeister Neu-Wiens.

Architektonische Rundschau. 1893/94. Heft 8.

Taf. Cl. St. Jolianniskirche in High Leigh Cheshire, England;
erbaut von Architekt E. Kirby in Liverpool. — Taf. 61. Kauf-
männisches Vereinshaus in Wien; erbaut von Architekt R. Dick
daselbst. — Taf. 63. Villa Schreiber in Esslingen; erbaut von
Eisenlohr und Weigle, Architekten in Stuttgart. — Taf. 64.
Thür im Schloss Velthurns; aufgenommen von Architekt H.
Kirchmayr in Klausen. —Taf 65/6(i. Entwurf zu einem Logen-
gebäude in einem Vorort Berlins von Werner und Z aar, Archi-
tekten in Berlin. (Vorder- und Seitenansicht.) — Taf. 67. Fas-
sade des ehemaligen Palais Trautson in Wien; aufgenommen
von Architekt J. Schubauer in Baden bei Wien. — Taf. 68.
Entwurf zu einem Landhaus in Norwegen von Architekt A. Gul-
dahl in GroLi-Lichterfelde.

Die Kunst für Alle. 1893,94. Heft 18.

Der Kunstausstellungspalast zu Dresden und die neue König-
liche Kunstakademie. IX Von W. Kirchbach. — Aphorismen
über Kunst. Von Reinhold Begas. — Die große Berliner Kunst-
ausstellung. I. Von Dr. Helling. — Hermann Baisch t- Von
P. Schul tze - Naumburg.

Jahrbuch der königlich Preussischen Kunstsammlungen,
1894. Heft 2.

Julius Meyer. — Die Madonna mit dein Karthäuser und Heili-
gen. Von Jan van Eyck. — Tizian und Alphons von Este.
Von C. Justi. — Friedrich der Große als Sammler. (Schluss.)
Von P. Seidel. — Die italienischen Niellodrucke und der Kupfer-
stich des IS. Jahrhunderts. Von P. Kristeller. — Die Radi-
rungen der Schüler Rembrandt's. Von W. v. Seidlitz. — Pas-
tellbildnis des Grafen Francesco Algarotti von Jean-Etienne
Liotard. Von P. Seidel.

Gazette des Beanx-Arts. Nr. 444. 1. Juni 1894.

Le salon de 1894. I. Peinture. Von T. de Wyzewa. — ün
maitre oubli6 du XV. siecle. Michel Pacher. II. Von A. Mar-
guillier. — L'exposition de Marie Antoinette et son temps.
Von J. Thorel. — Etudes sur la renaissance: Voyages et Voya-
geurs. II. Von E. Bonnaffö — L'art deeoratif dans le vieux
Paris. XVI. Von A. de Champeaux.

L'Art. Nr. 720/721.

Salon de 1804. (Forts.) Von P. Leroi. — Tony Chambre, le
Potier des Teilles. Von J. Dunoyer de Segunzao. — Lettres
de Suisse. Von Ph. God.et. — Salon de 1894. (Forts.) Von
Paul Leroi. — Les Instruments de musique champetres au
XVII et XVIII. siecle. Von E. de Bricquevi 11 e. — Carpeaux,
Souvenirs. Von E. de Champeaux. — L'architecture au salon
de 1894. Von F. Guesnier. — Marie Lescinska, Madame de
Pompadour et la statue de Louis XV. Von Ch. Normand.

The Magazine of Art. Nr. 104. Juni 1894.

Some portraits of Byron. Von V. G. Kitton. — The City of
Dordrecht in 1893. — Glimpses of artist-life. The artists „Ghost"
A Study in evolution. I. Von M. H. Spielmann. — The royal
Academy 1894. II. — Art in the theatre, the art of Dressing an
Materie»] play. Von Seymour Lucas. — Hans Memling A
review. — The great tapestry in Exeter College chapel, Oxford.
Von Rawnsley.
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