Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Fig. 1. Trichc mit emgklcgtcr Arbcit. Jtcilicn, 1«. Jnhrh.

Das ungarische §andeskunstgewerbennlsemn zil Budapest.

INit Abbildmmeii.

Die ungarische Landesausstellung hat auch
aus Deutschlaud eiue grvße Auzahl Besucher uach
der Hauptstadt des Reichs der Stefanskrane ge-
führt, welche mit Erstauueu deu Aufschwung
der schöuen Stadt sowohl als die Eutwickeluug
des Landes nberhaupt betrachtet haben werden.
Gewöhnlich Pflegen bei Besuchen größerer Aus-
stelluugen die bleibenden Eiurichtungeu einer
Stadt sehr schlecht wegzukommen; Budapest ent-
hält u. a. eine Anzahl vortrefflicher öffentlicher
Sammlungen, welche noch längst nicht nach Ge-
bühr gekannt und gewürdigt sind.

Die jüngste derselben, dasungarischeLandes-
kuustgewerbemuseum, ist ein echtes Laudeskiud,
vom ungarischen Publikum geboreu. Es lvar
der Ausdruck eines seiner Zeit allgemein ge-
wordenen Erkenntnisses: des Zurückgeblieben-
seins; und eiues ebenso tief empfundeueu Be-
dürfnisses: der Abhilfe.

Das Verdienst, auf die einheimischen Ver-
hältnisse der Kunstindustrie zuerst aufmerksam
gemacht und deren wenig ermutigenden Stand
erkannt zu haben, gebührt cinem der ältesten Vor-
kämpfer der ungarischen Archäologie Kanonikus
Florian Romer, der in seiner Eigenschaft
eines Vertreters des Nationalmuseums auf der
Pariser Weltausstclluug 1867 der Regierung
einen Bericht nnterbreitet hatte, in welchem er
auf die Bildung eines Kunstindustriemuseums
drang. Leider sollten seine Wünsche nicht so bald
in Erfüllung gehen, denn erst nach Jahren kon-
stituirte sich aus dem Schoße des neu gegrün-
deten Kunstvereins und des Landesindustrie-

Kimstgewerbcblatt. 11.

vereius eine gemischte Kommission, welche die
Mittel zur Gründung eines Kunstindustrie-
museums zu beraten hatte. Jndem wir die
lobenswerteJnitiative dicser beideu Gesellschafteu
rühmend anerkennen, glauben wir die langwie-
rigen, ohne positives Resultat verlaufenen Ver-
haudluugeu dieserKommission kurzweg übergeheu
zu könneu. Nur eines möchten ivir hervorge-
hoben wissen, daß nämlich die finanzielle Unter-
stützuugdesMuseums lediglichauf Grundprivater
Beisteuern erfolgen sollte. Die Kommissiou
hoffte dieses ueue Jnstitut ohne Mithilfe des
Staates errichten und unterhalten zu können.
Aber selbst die namhaften Geldopfer, welche die
Hauptstadt diesem Gedanken brachte, und die
Mittel, welche später vom Staate bewilligt
wurden, erwiesen sich als unzulänglich, umso-
mehr, als sich die Überzeugung Bahn brach, daß
einzig und allein der Staat den geregelten Fort-
bestand dieses Museums, falls er überhaupt zu-
stande kommeu sollte, werde garantireu köunen.

Den in diesem Sinne eingeleiteten Ver-
handlungen der Kommission liehen die da-
maligen Leiter der Regierung eiu williges Ohr.
Aklenthalben ward zugegeben, daß ein Kunst-
gewerbemuseum nicht nur sür die Hauptstadt,
sondern auch für das ganze Land von Not-
wendigkeit sei. Diesen Gedanken gab der Land-
tag 1872 in der Bewilligung von 50000 Gulden
praktischen Ausdruck, mit welcher Snmme der
Grundstein derMusealsammlungen gelegt wurde:
es waren die modernen Kunsterzeuguisse und
einige Sammlungen älterer Arbeiteu, welche mit
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