Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

Page: 211
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1886/0228
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Notizen.

211

N o t i z e n.

—i. Vom Betriebe der Töpferei in Rußland.
schreibt die Londoner kotterz- AL^etts, ist aus früherer
Zsit wenig weiteres bekannt, als daß im ganzen Lande
eine Menge von älteren Öfen aus emaillirten Fliesen
existiren und daß in einem Moskauer Museum alter-
tümliche unglasirte Fliesen mit Reliefornamenten auf-
bewahrt werden. Viele der alten Moskauer Kirchsn
haben an ihrer Außsnarchitektur bemalte, grün und
gelb glasirte oder emaillirte Backsteine, die vermut-
lich aus dem 17. Jahrhundsrt stammen. Um das
Jahr 17»0 brachte Peter der Große Dslfter Töpfer
nach Rußland, aber obschon dieselben Öfen und an-
dere Dinge herstellten. so scheint doch ihre Kunst
keine besondere Ausbreitung gefunden zu haben. Der
von Demmin citirte Schriftsteller Beausobre konsta-
tirt im Jahre 1773, daß derzeit in Petersburg ge-
schmackvolle Faience fabrizirt wurde, und erwähnt auch
einer Töpferei in Reval. Ein ebenfalls von Demmin
citirter englischer Schriftsteller schreibt von einer gro-
ßsn Zahl von Apothekerstandgefäßen von „Por-
zellan", die er in einem Moskauer Spezereiladen ge-
sehen habe und die mit dem Wapven des Zaren
emaillirt waren. Wahrscheinlich ist die Bezeichnung
Porzellan hier nur irrtümlich gebraucht und die er-
wähnten Gefäße waren vielleicht eine Arbeit der
Delftsr Töpfer Peters des Großen. Jn der 1799 in
London erschienenen Beschreibung des russischen Rei-
ches von Tooke wird berichtet, daß schwarze thönernx
Pfannen in Rußland allgemein gebräuchlich seien,
glasirte Waren jedoch selten vorkommen. Töpfer-
geschirr wurde derzeit in und bei Kiew und an eini-
gen anderen Orten hergestellt.

—s.— Künstliche Patina auf Bronzegegenständen.
Nach der „Zeitschrift für Gießerei und Bronzeindu-
strie" ist die einfachste Weise zur Erzeugung künst-
licher Patina die, den zu patinirenden Gegenstand in
Arsenik mit Salzsäure und Bleischwarz zu färben,
diesem Ton einen gelblichen Firniß zu geben, bis das
gewünschte Braun erscheint, und dann in die Tiefen
etwas mit Tsrpentin geriebenen Grünspan einzu-
streichen. Eine andere Behandlung ist die, das Stück
zu verkupfern, mit Graphit zu bürsten und dann mit
sogenanntem Florentiner Lack zu überziehen. Eine
künstliche Patina wird ferner durch Brüniren mit
Schwefelleber nach der Verkupferung und Bürsten mit
Metallbürsten erzeugt. Ein weiteres Verfahren be-
steht in der Anwendung eines erwärmten Bades aus
scharfem Essig und Grünspan. Läßt man die Gegen-
stände längere Zeit in diesem Bade liegen, nimmt
sie dann heraus und bürstet sis mehrere Male unter
sorgfältiger Reinigung mit frischem Wasser ab, so er-
hält man die gewünschte künstliche Patina. Die an-
geführten Stoffe können auch, nachdem man dem
Essig etwas Zucker zugesetzt hat, direkt auf den er-
wärmten Gegsnstand aufgetragen werden, worauf
letzterer dann trocken gebürstet wird. Die Behand-

lung mit in Säureu gelöstem Kupfer erweist sich für
vorliegende Zwecke sehr wirksam. Der Gegenstand
wird angewärmt und nach der Anwendung der
Kupferlösung zuerst mit Metallbürsten und dann mit
Borstenbürstsn behandelt.

— s. — Über ein Mittel zur Beseitigung von
alten Ölfarbcnanstrichen und Ölflecken schreibt das
Berliner „Centralblatt der Bauverwaltung" Folgen-
des: Unter dem Namen Llsotrie kaint Usiuovsr
kommt seit einiger Zeit ein Erzeugnis in den Handel,
welches, in England erfunden und bereits vielfach
verwendet, zur Beseitignng von Ölfarbenanstrichen
und von öligen Flecksn jeder Art bestimmt ist. Da
besonders der Fall, daß von Kunstgegenständen ent-
stellende Anstriche entfernt werden müffen, heutzutage
ein häufiger ist, so verfehlen wir nicht, auf das ge-
nannte Reinigungsmittel aufmerksam zu machen, nach-
dem dasselbe amtlicherseits auf seine Wirkungen er-
probt worden ist. Das Mittel besteht in einer wei-
ßen, dickflüssigsn Masse. Es ward unter anderem bei
den Eingangsthüren des Berliner Universitätsgebäu-
des zur Befreiung der Holzflächen von zum Teil sehr
dicken und sehr alten Farbenüberzügen angewandt.
Der Erfolg war ein rascher und befriedigender, nach-
teilige Einwirkungen auf das Holz selbst haben sich
nicht gezeigt. Auch mit Anstrichen auf gebranntem
Thon wurden Versuche gemacht, die gleichfalls zu
voller Zufriedenheit ausfielen. Überhaupt dürfts die
Anwendnng des Mittels, wenn es sich um die
Reinigung von Kunstgegenständen handelt, bestens zu
empfehlen sein; bei Anwendung im großen, auf gan-
zen Fassaden u. dergl. möchte das Verfahren wohl zu
kostspielig werden.

Uä Nürnberg. Das Bayerische Gewerbe-
museum veröffentlicht sosben seinen Jahresbericht
für 1885, welcher eingehend die Bestrebungen des
Jnstituts und deren Erfolge darlegt, auch von der
Entwickelung, Erweiterung und Bestand der Samni-
lung ein Bild gewährt. Er enthält Berichts über
die Bibliothek, das Auskunftsbureau, die Thätigkeit
des chemischen Laboratoriums, die Lehrwerkstätte für
Formen und Gießen u. a. m. Statistische Angaben
über Zahl der Besucher, Einnahmen und Ausgaben
sind eingestreut, resp. besonders gegeben. Über die
Jnternationale Metallausstellung wird ein besonderer
Rechenschaftsbericht in Aussicht gestellt, da das finan-
zielle Ergebnis bekanntlich ein überaus ungünstiges
war, so daß die Garantiefondszeichner „den vollen
Betrag der gezeichneten Beiträge werden opfer»
müssen". Der Trost, daß dies „Opfer den betreffen-
den Jndustriezweigen, der Bedeutung der Stadt Nürn-
berg und den Bsstrebungen des Bayerischen Gewerbe-
museums zu bringen ist", wird den Schmerz der
Garantiefondszeichner wenig lindern.

27*
loading ...