Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Arabisch-italischer Seidenstoff des 14. Jahrhunderts.

bei unterhöhlte man das Holz beim Drechseln
und schnitt aus dem stehenbleibenden dünnen
Rande verschiedenartige Blattreihen ans.

Solche Blattkränze sind an dem Elfen-
beinpokale mehrfach ausgeführt. Sehr beliebt
sind auch aufgereihte Knöpfchen und allerlei
Musterung, die mit einfachen Kerbschnitten her-
gestellt wird. Jm ganzen ist die Häufung von
Hohlkehlen und Rundstäben ähnlich wie bei
dem Zinnpokal aus Wilster. Nebenbei sei be-
merkt, daß in einer der kleinen Pfeifen am
oberen Rande des Gefäßes eine Öffnung ist,
welche durch die Wandung geht. Der unein-
geweihte Trinker wurde dadurch zum Ergötzen
seiner Genosfen bespritzt.

Wahrscheinlich früheren Nrsprungs als der
Pokal der Sülzer ist der Schafferstab der
Schlosser (Fig. 4). Leider fehlt die Bekrönung,
welche vielleicht ein Jnnungsabzeichen gewesen ist.
Mit einem solchen Stabe gab der zünftige Vor-
sitzende durch Aufstoßen nuf den Tisch das
Zeichen für Ankündignugen. Wegen dieses
kräftigen Gebrauchs sind daher die drei Hohl-
kronen, welche verschiedenfarbig, rot, grün und
weiß, angestrichen find, derber ansgeführt und
die Kugel zeigt die volle Masse.

Nicht wesentlich anders in den Motiven
als die aus früheren Jahrhunderten gegebenen
Arbeiten ist das nnter Fig. 3 mit mehreren
Details gegebene Spinnrad. Dasselbe wurde
im Jahre 1820 von Meister Bode gedrechselt.
Die großen Hohlkugeln sind hier in Ebenholz
eingesetzt; ebenso erscheinen alle anderen auf-
gehefteten Schmuckteile schwarz auf weiß. Der
Meister hat an dem Spinnrade noch ein wei-
teres Kunftstück ausgeführt, indem er an den
Hohlkehlen lose Ninge ausspartc, welche bei
langsamer Drehung des Rades ein angenehmes
Geräusch verursachen. Das Rad selbst ist
reich mit Zierspitzen geziert. Überhaupt zeigen
alle Teile eine so lebendige Gliederung, daß
man in dem Kunstwerk mehr ein bloßes
Schaustück als einen Gebrauchsgegenstand zn
sehen hat.

Zum Schluß weisen wir noch auf den
Turm eines Schachspieles hin, welchen der
Drechsler Gerdan im Jahre 1843 verfertigte.
Dieser alte Meister war es auch, der uns auf
einzelne technische Schwierigkeiten und auf die
Anforderungen bei der Meisterprüfung auf-
merksam machte.

Arabisch-italischer ^eidenstoss des Iahrchunderts.

vo» Ntax k)eide».

(Siehe die Tafel.)

Der auf unserer Tafel in Originalgröße
wiedergegebene Seidenstoff, aus dem Besitze des
Herrn Bildhauer Krauth in Frankfurt a. M.,
gehört nach Technik und den darin enthaltenen
orientalischen Motiven zu der Gruppe von
Stoffen, welche man kurzweg als „arabisch-
italisch" zu bezeichnen Pflegt ^— nm für die
in Jtalien mit nachklingenden Elementen des
Orients gewebten Muster einen generellen Namen
zu haben. Der Grund dieses Gewebes ist weiß
in Atlas-, das Muster, rot und grün, in loser
Köperbindung. Den Fabrikationsort sicher zu
bestimmeu, diirfte kanm möglich sein; vr. Bock
nimmt als solchen Palermo an. Wenn man,
wie neuere Forschnngen ergeben haben sollen,

die Provenienz eines Stoffes nach seiner Webe-
kante feststellen könnte, so miißte der vorliegende
Stoff aus dem Orient stammen; denn die Kante
ist einfarbig und hellblau. Dem widerspricht
aber die ganze Anordnung nnd Behandlung des
Musters.

Die Palmetten, welche die geschwungenen
blattartigen, mit kleinen Schneckenlinien besetzten
Ranken verbinden, erscheinen zwar noch rein
orientalisch; aber das ist auch wohl das einzige
Moment, welches für den Orient sprechen dürfte.
Alles andere wird man ohne weiteres für falsch
verstandene Formen des Orients ansehen: so
setzen z. B. unterhalb der Palmetten die feinen
Arabeskenranken ganz unmotivirt an und alle
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