Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Stickerei in farviger Seide und Gold auf rother Seide. Jtalien, 17. Jahrh.

Bücherschau.

Richard Isofmann. Blätter und Blumen fur
Flächendekoration. Eine Vorlcigensammlung
für Zeichen-, Webe- und gewerbliche Fort-
bildungsschulen, Fabrikanten und Mufter-
zeichner. Leipzig, E. Twietmeyer. 30 Tafeln
in Schwarz- und Buntdruck. Fol.
ck. U Das vorliegeude Werk ist eine sehr
verdienstliche Arbeit, welche der Verfasser selbst
als eine Fortsetzung von E. Herdtle's „Stilisirten
Blumen aus allen Kunstepochen" bezeichnet.

Herdtle hat in seinen vortrefflichen Werken
doch zumeist nnr die Formen gegeben, wie sie
im 15.—16- Jahrhnndert in dem Übergang
der Gotik zur Renaissance üblich waren. Hof-
mann hält sich dagegen an die höchst graziösen
Bildungen des 17.—18. Jahrhunderts. Unter
den Hunderten von Blütenformen, welche
er giebt, ist fast keine einzige, die sich botanisch
benennen ließe, es sind jene phantastisch-spie-
lenden Umbildungen des alten Granatapfel-
musters, welche mit Benutzung des Akanthus
und einiger mauresker Formen den eigentlichen
Formenschatz der Barockzeit in der Flachmuste-
rung ausmachen. Besonders scheint der Verfasser
seine Studien an den Spitzen und Weißsticke-
reien gemacht zn haben, bei welchen in jener
Periode die Stilisirnng viel weiter geht als

in den Webemustern und Seidenstickereien. Die
Weißzengarbeiten bleiben durchans in der Fläche,
da sie Schattenwirkungen doch nicht erreichen
können, und so finden wir besonders bei ihnen
das zierliche Spiel, welches eine größere Form
mit beliebigen kleineren Formenelementen süllt.
Durch diese an kein organisches Wachstum ge-
bundene Behandlungsweise wird das Thema
unerschöpflich. Dieses Material ist daher für
die neuere Jndustrie ebenso lehrreich wie ver-
wendbar. Was der Zeichner sonst nur in jahre-
langer Arbeit in den Sammlungen zusammen-
tragen kann, findet er hier geschlossen, sauber
und übersichtlich zusammengestellt; alle archäolo-
gischen Gesichtspunkte sind beiseite gelassen,
lediglich für den praktischen Gebrauch hat hier
ein Mann, der selbst Lehrer — Professor an
der Fachzeichenschule zu Plauen i. V. — ist,
dasjenige herausgeholt, was verwendbar ist, und
es so weit zurecht gemacht, daß es in vielen
Fällen ohne weiteres in einen neuen Znsammen-
hang hinein gearbeitet werden kann. Jn einem
Anhang wird dann noch an Beispielen demon-
striert, wie sich dasselbe Muster für verschie-
dene Techniken umgestaltet. Wir geben unten-
stehend eine Probe von dem Typus des hier
zunieist vertretenen Blumenwerks.
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