Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

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Aufnäharbcit, Jtalien, 16. Jahrh., Kgl. Kunstgewerbe-Mnseum zu Berlin.

B ü ch e r s ch a u.

VIII.

Sknlpturenschmuck am köuigl. Zeughause zu
Berliu. Text von Arthur Pabst. I. Serie:
Thürfüllungen. 25 Blatt photographische
Originalanfnahmen nach der Natur in Licht-
druck von Hermann Rückwardt. Folio.
Berlin, H. Rückwardt. 1885. — Mk. 25.

ü. ll. — Das königl. Zeughaus zu Berlin
gehört zu den Bauten, die im ganzen sehr be-
rühmt und im einzelnen doch sehr wenig be-
kannt sind. Trotzdem es jetzt zur Ruhmeshalle
umgewandelt ist, besitzen wir keine Publikation
desselben, ja uicht einmal den Versuch einer
solcheu. Lediglich die Masken sterbender Krieger,
jene herrlichen Werke, welche Schlüter als
Schlußsteine in die Fenster des Hofes einge-
fügt hat, sind bereits früher veröffentlicht wor-
den. Diese Schlußsteine bilden aber nur einen
kleinen Teil des Skulpturenschmuckes, der sich
mit erstaunlichem Reichtum und doch weisem
Maße über alle Teile des Gebüudes breitet. Das
Bedürfnis der modernen ornamentalenKunst nach
dekorativen Vorbildern hat dazu geführt, daß
nun dieser Skulpturenschmuck zunächst znr Ver-
öffeutlichung gelangt. Die rühnilichst beivährte
Photographische Verlagsanstalt von Rückwardt
hat sich dieser Aufgabe mit vorzüglichem Er-
folge unterzogen, der erläuternde Text ist in
sachgemäßer Weise von Arthur Pabst verfaßt.

Das Programm, welches zu erfüllen bleibt,
ist ein sehr reiches. Die mächtigen Giebel-
gruppen, die Füllungen der Metopen, die Schluß-
steine über den Fenstern, die Trophäen auf der
Brüstung, alles giebt Gruppen, die bei dem
Umfange des Gebäudes und der konsequent
durchgeführten Verschiedenheit jedes Teiles vom
andern ein gewaltiges Material liefern.

Jetzt sind zunächst in Angriff genommen:
die Thürfüllungen der großen Hauptportale.

An jeder der vier Seiten des Zeughauses be-
stnden sich drei Portale, jedes mit zwei in
Eichenholz gefügten Flügeln. Jeder dieser vier-
undzwanzig Flügel hat ein zwischen 105 und
117 our hohes und 53 oiu breites Hauptfeld,
welches von einer Waffentrophäe gefüllt wird.
Diese Felder sind es, die in einer stattlichen
Mappe vor uns liegen. Bis vor wenigen
Jahren waren diese Werke kaum beachtet, erst
bei der Umwandlung des Zeughauses zur
Ruhmeshalle verschwand die dicke Schicht von
Ölfarbe, welche seit mehr als 180 Jahren von
Generation zu Generation darüber gelagert war,
welche aber das Verdienst hatte, diese Meister-
werke mit voller Frische auf uus gelangen zu
lassen.

Jn diesen 24 Füllungen wiederholt sich
fast durchweg das nämliche Motiv und doch ist
nicht eine einzige wie die andere. Jn jedem
Felde haben wir eine hängende Trophäe aus
Waffen gebildet. Den Mittelpuukt giebt ein
Panzer ab, der, dem Geschmack der Zeit von
1700 entsprechend, im wesentlichen den Typus
des römischen Panzers zeigt. Aber in diesen
Panzer ist das Leben und die schwunghafte Be-
wegung der Barockkunst gebracht; er ist nicht
feierlich auf dem Kreuzholze aufgestellt wie in
der Trophäe der klassischen Kunst, sondern er
hängt von oben herab und zwar in jedem Falle
verschieden angeknüpft, aber immer so stark von
der Seite oder Mitte her, daß er in bewegter
Linie sich herabsenkt; bald ist er mit einer Feld-
binde aufgenommen, bald mit einer Kette, bald
nur am Schulterstück mit einem Haken be-
festigt. Die hierdurch gebildete Linie ist immer
mit hoher künstlerischer Feinheit darauf berech-
net, den Raum zu füllen und zugleich noch Platz
zur Entfaltung anderer Waffenstücke zu lassen.
Je zwei Platten, die zu einer Thüre gehören,
sind stets als Gegeustiicke komponirt, so daß
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