Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 2.1886

Page: 85
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1886/0094
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Zwei Arbeiten des Matthäus Wallbaum.

85

Ganz analog der schon beschriebenen Kuß-
tafel ist die zweite, mit Ausnahme des Mittel-
stückes, welches hier die Beweinung Christi
vorstellt. Die Auffassung und Ausführung
dieses Reliefs verrätviel mehr Fleiß, künstlerische
Begabung und Sorgfalt als die der anderen.
Aian sieht liuks im Hintergrund Golgatha,
rechts eine Stadt, vorn die Gestalt der Jung-
frau. Von tiefcm Schmerz ergriffen, halb
ohumüchtig unterstützt sie den toten Heiland,
zu dessen Füßen die Zange, die Dornenkronc
und ein Schädel liegen. Darunter auf glatter
Fläche fvlgende Jnschrift gravirt: LOOK
^0«V8 VLI HVI I0IIII
ILOO^IL NVHVI. Der Stem-
pel des Künstlers: der sWalnuß-s
Baum, und das Beschauzeichen der
Stadt Augsburg finden sich auf
beidcn Reliefs.

Noch wolleu wir erwähnen,
daß ein schmaler vergoldeter Sil-
berreif innerhalb der Holzrahmen

gebildet und beschrieben und vomHeraus-
geber dieser Zeitschrift bereits in der Be-
sprechung des genannten Werkes (Kunst-
chronik XVIII. S. 493) als eine Arbeit
Wallbaums erkannt ist.

die Platten umfängt, und daß dieselbcn vcr-
möge sechs kleiner und einer großen Rosette an
der Holzplatte befestigt sind.

Schließlich sei es uns gestattet zu bemerken,
daß wir auf der Klagenfurter Ausstellung einen
allerdings nicht sehr hervorragenden Becher mit
dem Stempel von Sebaftian Hann aus Her-
manustadt (Siebenbürgen) und einen Herrn
Walcher iu Tarvis gehörigen Deckelpokal von
mittlerer Größe, beide aus Silbcr, vergoldet,
gesehen haben. Dies letztere Stück aus der
ersteu Hälfte des 16. Jahrhunderts dünkt uns
besonders interessant, sowohl wegen der feinen
Ausführung, des schöuen, im Alde-
greverschen Geschmack komponirten,
getriebeneu Laubwerkes, als auch
hinsichtlich einiger Details, die uns
an den berühmten Pokal der Fa-
milie Rumy, welcher auf der Buda-
pestcr Goldschmiedcausstellung billi-
ges Aufsehen erregt hat, lebhast
crinnerten; auch auf diescn Becher
kommen medaillenartige Porträts
vor, unter auderen die Karls V.,
doch ist der hier gedachte Becher nicht
emaillirt und leider auch ohne
Marke.


Kronleuchter, 1.S5 m Durchmesser, 2,16 m hoch, zu 48 Kerze», aus Polirtem Messingguß. Für die St. Johanniskirche in Wcrbcn
enttvorscn und auSgestthrt im Atclier für kirchlichc Kunst von Th. Prüfer, Architekt, Berlin.
loading ...