Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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BÜCHERSCHAU.

hütte errichtet worden. Als erster Hüttenmeister wird
Georg Wander, ein Schwede, genannt. Von diesem soll
die Hütte im Jahre 1536 in so blühenden Zustand erhohen
worden sein, dass der Schwede auf des damaligen k. k.
Rates und Kanzlers Christoph Bürgheimer von Birken
Empfehlung im Jahre 1599 in den Adelsstand er-
hoben wurde, eine offenbar auf Familientradition in
derPhysikalischenBeschreibung des Bunzlauer Kreises
von Jos. Leop. Wander von Grünwald beruhende
Nachricht, die durch die nachfolgenden urkundlichen

Angaben sehr an innerer Wahrscheinlichkeit ge-
winnt. (Hallwich, Nordböhmen auf der Weltausstel-
lung in Wien. 1873. V. Heft. S. 31 Anm.) Um das
Jahr 1600 wurde auf das Geheiss des Freiherrn
Melchior von Rädern (f 1600) oder dessen Witwe
Katharina am Ursprünge des Lautschneibaches bei
Reichenberg eine Glashütte erbaut, um die sich schon
im Jahre 1604 ein ganzes Dorf, Friedrichswald, aus-
breitete.

(Fortsetzung folgt.)

BÜCHERSCHAU.

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F. S. Meyer, Die' Liebhaberkünste (Seemanns kunst-
gewerbliche Handbücher Bd. V. Vollständig in 7—
8 Lieferungen ä 1 Mark). Liefg. 1.
P. — Die kunstgewerblichen Handbücher des See-
mannschen Verlages haben durch die Zweckmässigkeit
der Anlage und den Ton, welcher sich gleich weit von
übergrosser Gelehrsamkeit oder Gelehrtthun, wie von der
Plattheit ähnlicher
Unternehmungen
entfernt hält, all-
gemeinen Beifall
gefunden. Hier
wird Handwerkern
und Publikum ge-
rade das geboten,
was der eine von
der Geschichte sei-
ner Kunst, der
andere ausserdem
von der Technik
und den Herstel-
lungsprozessen
wissen will und zu
wissen nötig hat.
Der neueste
Band, von dem erst
eine Lieferung
vorliegt, geht nach einer Richtung weiter: er^will nicht
nur belehren und Auskunft geben, sondern vor allem zu
eigener Thätigkeit auf künstlerischem Gebiet Anregung
geben. Der Verfasser, dem die Reihe der Handbücher
bereits zwei Bände verdankt, äussert sich darüber in der
Einleitung so hübsch, dass wir ihm gern hier das Wort
erteilen. Es sagt:

„In Bezug auf die Kunst giebt es dreierlei Menschen.
Die einen bekümmern sich gar nicht um dieselbe, sei es
aus Unzulänglichkeit und Verständnislosigkeit, sei es

Schmuckkästchen, entworfen von Dir. H. Götz. (Bad. Gewerbeztg.)

aus Mangel an Zeit und Gelegenheit oder aus irgend
einem anderen Grunde. Das ist die „misera plebs", die
aber darum noch nicht unglücklich zu sein braucht. Die
anderen bringen ihr ein oifenes Herz entgegen und haben
ihre Freude an derselben, wenn sie auch nicht selbst
ausübend und selber schaffend sich an ihr beteiligen. Zu
diesen zählt die Mehrheit der Menschheit und der ge-
bildete Teil schon

deswegen, weil
eine gewisse Em-
pfänglichkeit für
die Kunst eben zur
allgemeinen Bil-
dung gehört. Die
dritten legen sel-
ber Hand ans
Werk und lassen
die Gebilde der
Kunst erstehen,
die wirklichen
oder die vermeint-
lichen, zur Bewun-
derung oder zum
Schrecken der an-
deren und der
dritten.

Diese dritten
scheiden sich wieder in zwei ungleiche Lager, zwischen
denen eine scharfe Grenze nicht besteht. Auf der
einen Seite stehen die Künstler von Gottes Gnaden
und die von Beruf, auf der anderen die Liebhaber, die
Dilettanten, wie man dieses Heer zu nennen pflegt.

Die letzteren treiben die Kunst zum Vergnügen,
zum' Zeitvertreib in müssigen Stunden. Hat doch jeder
sein Steckenpferd, das er zu reiten pflegt, und die Kunst
ist gewiss nicht das schlechteste.

Unsere Liebhaber werfen sich auf die holte Kunst,
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