Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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DIE KRUGSAMMLUNG DES FREIHERRN ALBERT VON

OPPENHEIM IN KÖLN.

MIT ABBILDUNGEN.

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ON DEN Schätzen, welche das
Oppenheimsche Palais in der
Glockengasse zu Köln bewahrt, sind
im Laufe der letzten Jahre manche
hervorragende Stücke durch Publi-
kationen von berufener Seite weit-
hin bekannt geworden; aber weit mehr noch harren
der Veröffentlichung, um der Wissenschaft als wert-
volle Bausteine, der ausübenden
Kunst als köstliche Vorbilder
dienstbar zu werden. Der Mu-
nifizenz des Besitzers ist es zu
danken, dass eine ganze Ab-
teilung der Sammlung, die
Erzeugnisse der Kunsttöpferei,
nunmehr in einer geschlossenen
Publikation vorliegt. Der Un-
terzeichnete, mit der Heraus-
gabe betraut, bietet sie in
diesen Tagen den Fachgenos-
sen dar.

Es handelt sich hier um
eine Sammlung allerersten
Ranges. Rheinische Krüge
besitzen die meisten öffent-
lichen Kunstsammlungen, auch
manche Privatsammler haben
sich den Krügen zugewandt:
die Geschichte des rheinischen
Steinzeugs lässt sich in Berlin
und Christiania, in Trier und
Brössei studiren. Aber wer sich
eine Vorstellung davon machen
will, bis zu welcher Vollendung diese Kunst ge-
diehen ist, wer die höchsten Leistungen dieser vater-
ländischen Kunst kennen lernen will, der muss
nach Köln gehen, um die Sammlung Oppenheim
zu sehen.

Die Entstehung der Sammlung datirt aus jüng-
ster Zeit; sie reicht kaum fünfzehn Jahre zurück.

Humpen, blau emaflürtea B teinteng

Kacren, Ende 16. Jalirli. — II

In diesen Jahren ist aber fast jedes hervorragende
Stück, welches auf den Markt kam, der Sammlung
einverleibt worden. Dabei handelte es sich nicht
um die landläufige Ware: es sollten in der Samm-
lung nur Stücke vereinigt werden, welche die Spitzen
einer speziell rheinischen Kunst bezeichnen, Arbeiten,
die in Form oder Farbe, Zierrat oder Grösse als
Seltenheiten oder Unika gelten dürfen. Und dies
ist dem Besitzer in über-
raschendem Masse gelungen.
Fast jedes Stück der Samm-
lung nimmt in der langen Reihe
der erhaltenen Typen eine be-
sondere hervorragende Stelle
ein, die Mehrzahl würde in
jeder Sammlung als Haupt-
stiieke gelten müssen. Es sei
hier nur auf die Flachkrüge,
liingkrüge aller Art, Kroiclien
hinsichtlich der Form hinge-
wiesen'; auf die Siegburger
Schnabelkrüge hinsichtlich der
an Ciselirarbeit erinnernden
Reliefs.

Eine abschliessende Ge-
schichte der rheinischen Krug-
1 lückerei zu schreiben ist heute
noch nicht die Zeit. Fort-
während werden neue Funde
gemacht, die oft genug merk-
würdige Überraschungen brin-
gen. Aber bietet schon jede
/ialsanmilung Material zur
og mancher Fragen und zur Erkenntnis mancher
unsicheren Punkte, so gewährt eine Sammlung aller-
ersten Ranges nach diesen Richtungen ganz besondere
Belehrung.

Wir sind gewöhnt die Herstellung der Krüge
als eine einfach mechanische anzusehen: Drehscheibe,
Formen und Stempel waren das Handwerkszeug,
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