Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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NEUE WERKE ZUR GESCHICHTE DER BUCHBINDEREI.

laufe erzeugt wurden. In diesem Fache treten Maffia
und Bastiane- da Pistoja hervor. Kunstarbeiter von
bedeutendem Rufe finden wir in zahlreichen Städten
zerstreut, so Geronimo Spacini in Bologna. Care-
molo da Modrone in Mantua, Serafino Bresciano in
Brescia, Paolo Rizzo in Venedig und viele andere.
Wie wir bereits bemerkten, ragt die Waffen-
industrie Deutschlands aus dem Altertum herüber.
Einen Weltruhm erwarb sich Passau, und die Zeichen
seiner Klingen, den „Wolf und den „Bischofsstab"
schätzte man auch im Oriente und wog damit be-

zeichnete Klingen mit Gold auf. Die Passauer ver-
standen es, ihre Erzeugnisse mit abergläubischem
Nimbus zu umgeben. Mit einer Passauer Klinge
konnte man sich unverwundbar, d. i. „fest" machen,
wie auch die „Passauer Kunst" eine Unzahl von
Geheimmitteln in sich fasste. Der fromme Schwin-
del währte bis zum westfälischen Frieden. Be-
kannt ist, dass Kaiser Karl IV. dem Passauer Messer-
schmiede Georg Springenklee für seine Zunft ein
Wappen verlieh, das eine Krone darstellt, in deren
Zinken drei Schwerter stecken. (Schluss folgt.)

NEUE WERKE ZUR GESCHICHTE DER BUCHBINDEREI.

MIT ABBILDUNGEN.

Über wenige Zweige des Kunstgewerbes existirt
wohl eine so grosse Litteratur, wie über die Buch-
binderei. Eine im Bookbinder (London 1888) ent-
haltene Zusammenstellung führt rund 250 Werke
auf, die sich mit der Geschichte und Technik des
Bucheinbandes befassen. Dass die bei weitem grösste
Anzahl dieser Publikationen in Frankreich und Eng-
land erschienen ist, erklärt sich leicht aus dem
regen Interesse, das von jeher die englischen und
französischen Bibliophilen und Sammler diesem
Teile des Kunstgewerbes entgegengebracht haben.
Das Kunstgewerbeblatt hat von Zeit zu Zeit über
die neuen Erscheinungen auf diesem Gebiete berich-
tet. Auch heute haben wir die Aufmerksamkeit
unserer Leser auf einige neue wichtige Werke über
den Bucheinband zu lenken.

Leon Gruel hat sein „manuel historique et bib-
liographique de l'amateur de reliures" (Paris 1887.
4. Mit 66 Tafeln in Heliogravüre und Farbendruck
und vielen Abbildungen im Text. 70 fr.) speziell
für den Liebhaber berechnet. Die Ausstattung des
Werkes ist prachtvoll und reiht sich den in Frank-
reich seiner Zeit veröffentlichten Büchern von Teche-
ner, histoire de la bibliophilie (mit den Radirungen
von Jacquemart, nicht vollendet) und Marius Michel,
(la reliure francaise. Paris 1880—Sl, 2 Bände) wür-
dig an. Gruel giebt nach einer Abbandlung über
das Format der Bücher, eine kurze nach Perioden
gegliederte Geschichte des Bucheinbandes in Frank-
reich und ein lexikalisch geordnetes Verzeichnis von
Buchbindern, Bücherliebhabern, Verordnungen, tech-

nischen Ausdrücken u. s. w. Den Schluss bildet
eine Bibliographie, die allerdings manche Lücken
aufweist. Nicht allein englische und deutsche Werke,
die einem Franzosen ja ferner liegen, sondern auch
französische Werke fehlen, so z. B. Louisy, le livre
et les arts qui s'y rattachent. Paris 1886. 8. Das
lexikalische Verzeichnis der Buchbinder lässt sich
mit Leichtigkeit um mehrere Dutzend Namen ver-
mehren; hoffentlich hat Herr Gruel Gelegenheit
dazu bei Herausgabe einer zweiten Auflage. Das
Fehlen von Namen, wie z. B. Geoffroy Torys hätte
wohl vermieden werden können; sind doch aus Michel,
la reliure francaise und Brunet, la reliure ancienne
et moderne die schönen Einbände mit dem zerbroche-
nen Kruge, dem Signete Torys, längst bekannt. Von
Ludwig Bloc ist ein zweiter Einband aus dem .lahre
1526 bei Techener Taf. 41 Nr. 2, abgebildet, zu
dessen Verzierung dieselbe Platte, wie bei dem von
Gruel gegebenen Bande, nur in anderer Anordnung
verwandt ist. Louis le Duc wird als Buchbinder
König Heinrichs IV. von Frankreich genannt. Gruel
hält pag. 157 den Einband von Job. Richenbach
aus dem Jahre 1469 für den ältesten siguirten und
datirten. Die Kgl. Sächsische Bibliographische
Sammlung besitzt einen Band aus dem Jahre 1436,
der von Conrad Förster, Sakristan des I'redigerklo-
sters zu Nürnberg gebunden ist. ferner zwei Bände aus
den Jahren 1453 und 1 157, die von demselben För-
ster zusammen mit seinen Ordensbrüdern Job. Wir-
sing und Joh. Susterer gebunden sind.

Ein Band aus dem Jahre 1135, einstmals im
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