Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

Page: 108
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1890/0139
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
KLEINE MITTEILUNGEN.

Rd. — Von Quantins „Bibliothcque de V cnscigncment
des beaux arts" liegen wiederum zwei Bände in gewohnter
Ausstattung und Preis (4,50 geb.) vor. Dieselben behandeln
Heraldik (l'art heraldique par H. Gourdon de Genouillac) und
die Siegelkunde (les sceaux par Lecoy de la Marche). Für
die erstere Kunst besitzen wir in Deutschland ausgezeichnete
Hilfsbücher, die auch in den Händen fast aller Künstler und
Handwerker sind, welche, wie Glasmaler, Graveure, Buch-
maler u. a., häufig mit Wappen zu thun haben. Das vor-
liegende Buch behandelt fast nur französische Wappen resp.
Wappenkunst, in einem kurzen Kapitel werden die übrigen
Länder abgemacht. Von Deutschland weiss der Verfasser
gar nichts, nicht einmal Siebmacher kennt er. Deshalb kann
das Buch für uns nur in Beträcht kommen, wenn es sich
um französische Heraldik handelt und wird dann gewiss mit
Nutzen zu Rate gezogen werden. Ein Buch über Siegel fehlt
dagegen unseres Wissens in der deutschen Litteratur. Auch
das Quantinsche ist für Frankreich geschrieben, enthält aber
viel Lesbares und Nützliches auch für Deutsche. Es ver-
breitet sich über die Entstehung der Siegel, ihren Gebrauch,
Herstellung und Entwicklung: zahlreiche zum Teil recht gute
Abbildungen erläutern den Text. Eine deutsche Bearbeitung,
womöglich durch einen Historiker und Graveur im Verein
würde in deutschen Archiven und Sammlungen ein über-
reiches Material an Originalabdrücken und Stempeln finden,
welches wohl gehoben und der heutigen Gravirkunst dienst-
bar gemacht zu werden verdiente.

Köln. Am 30. Juni a. c. hielt der Kölnische Kunst-
gewerbeverein seine zweite Hauptversammlung ab. Der Vor-
sitzende, Baurat Pflaume, hiess zunächst die Anwesenden
willkommen, sprach aber zugleich sein Bedauern aus, dass
die Zahl derselben nur gering sei. Direktor Pabst vom Kunst-
gewerbemuseum erstattete sodann den Jahresbericht. Er be-
tonte, dass die Thätigkeit des Vereins nach aussen wenig
bemerkbar, doch von grosser Bedeutung für das Kunst-
gewerbemuseum gewesen sei. Durch die Fürsorge der städt.
Verwaltung, welche die Errichtung der Bibliothek aus städt.
Stiftungsmitteln selbst in die Hand genommen hätte, habe
der Verein seine Kräfte ausschliesslich der Vermehrung der
Sammlungen zuwenden können. Aus Vereins'mitteln wurden
im vergangenen Jahr für IS 000 M. etwa 560 Gegenstände ange-
kauft, welche namentlich den Gruppen Schmiedeeisen, Buch-
einbände, Stoffe, Stickerei, Porzellan und Bronze zugute
kommen. Neu eingerichtet wurde die Gruppe Posamentir-
arbeiten. Leider sei zu bedauern, dass die Räume so unzu-
reichend wären, dass zahlreiche Gegenstände nicht ausgestellt
werden könnten. Es wäre zu wünschen, dass durch die be-
absichtigte Räumung der Domschule dem Raummangel bald
abgeholfen werde. Lebhafte Unterstützung fand der Verein
durch das'kgl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin, durch die
Herren Geheimrat Lüders, Bode, Direktor Lessing in Berlin,
Hermeling und Bourgeois in Köln. Redner empfahl zum
Schluss den Beitritt neuer Mitglieder. Herrn Direktor Pabst
wurde nach Erstattung des Rechnungsberichts, der in Ein-
nahme und Ausgabe mit 19 336 M. abschliesst, Entlastung
erteilt. Die aus dem Vorstand ausscheidenden Mitglieder

Direktor Romberg, Frhr. v. Oppenheim. Berghausen und
Schultz wurden durch Zuruf wiedergewählt.

— Graz. Der siebente Thätigkeitsbericht.des Museums-
vereins „Joanneum" berichtet zunächst über das Hauptergeb-
nis des verflossenen Jahres, die Bewilligung von 284126 Fl.
für die Musealbauten durch den Landtag. Von dieser Summe
wird der Betrag von rund 250000 Fl. für den Bau eines
neuen Museums in Verwendung kommen. Mit Befriedigung
kann der Verein, der sich lange Zeit allein für die Notwen-
keit eines Landesmuseums und für die Verwendung von
Landesmitteln für dasselbe eingesetzt hat, auf dieses Resultat
seiner Bemühungen hinweisen. Nachdem seine reorganisa-
torischen Anregungen im neuen organischen Statut des
Landesmuseums Joanneum die \ Sanktion des Landtages er-
halten haben, ist nun auch die Sicherheit gegeben, dass die
in diesen Satzungen ausgesprochenen Gedanken und Ten-
denzen in dem Neubaue wirklich ins Leben treten und ihre
segensreiche Wirkung auf Kunst und Kunsthandwerk des
Landes ausüben werden. Es wurde in der Generalversamm-
lung der Antrag genehmigt, dass die von dem Vereine ge-
sammelten Objekte von nun an aus den Depots der einzelnen
Sammlungen dem Landesmuseum als Eigentum übergeben
werden sollen und zwar in der Reihenfolge, in welcher die
Abteilungen des Landesmuseums gemäss dem neuen organi-
schen Statut in den, sei es neu gebauten, sei es umgestalteten
Räumlichkeiten endgültig zur Aufstellung gelangen. An
diese Übergabe wurde keine andere Bedingung geknüpft, als
die, dass sowohl in den Inventaren des Landesmuseums, als
auf der Etikette bei jedem übergebenen Gegenstande die Be-
zeichnung: „Vom steiermärkischen Landesmuseumsvereine"
ersichtlich gemacht werde. Über den auch diesmal sehr nam-
haften Zuwachs der Sammlungen giebt die beigefügte Liste
Auskunft. Hier besonders hervorzuheben sind eine von dem
Vereine gewidmete schöne vollständige Rokokozimmervertäfe-
lung, ein Tischtuch mit reichen Seidenstickereien, sowie eine
Sammlung von Steinwaffen aus der Umgebung von Friedau.
Ausser den Geschenken wurde wiederum eine grosse Anzahl
Objekte dem Verein unter Wahrung des Eigentumsrechtes
zur Ausstellung überlassen. Die Zahl der Mitglieder beträgt
57, der Förderer 14, der Gründer 14. '

z— Der sog. Damenkursus der mit dem Kunstgewerbe-
museum xu Leipzig verbundenen kunstgewerblichen Zeichen-
schule hat unter der Leitung des Architekten G. Mühlbach
einen sehr erfreulichen Aufschwung genommen. Die be-
gabteren jungen Mädchen entwickeln eine frische Erfindungs-
gabe, bei der ihnen mustergültige Vorbilder älterer Zeit als
Anhalt dienen. Auch die freie Übersetzung von Motiven
aus einer Technik in die andere gelingt ihnen unter der
guten pädagogischen Führung des Lehrers nicht selten in
ansprechender Weise. Die letzte Ausstellung dieser kunst-
gewerblichen Erziehungsresultate giebt uns Anlass, einige
Entwürfe selbständiger Erfindung den Lesern d. Bl. mitzu-
teilen, eine irische Spitze entworfen von Fräulein Maria
Werner und eine Stickerei in venetianischer Art von Fräu-
lein E. Kühne.
loading ...