Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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Fries, Entwurf. (Aus Molinier, Venise.)

BÜCHERSCHAU.

Emile Molinier, Veuise, ses arts decoratifs, ses
rnusees et ses collections. Paris, Librairie de l'Art
1889. 4. 300 S.
Das Werk scheint seine Entstehung einigen
Aufsätzen zu danken, welche der Verfasser vor einigen
Jahren in der Zeitschrift L'Art über das Museo
Correr zu Venedig und über einzelne Zweige der
venezianischen Kleinkunst veröffentlicht hat. Diese
Studien hat er erweitert, auf alle Teile des Kunst-
gewerbes ausgedehnt und durch eine Einleitung über
die Stadt und ihre Künstler vervollständigt. Daher
der etwas lockere Zusammenhang des Buches; da-
her wohl auch der Umstand, dass die grosse Fülle
der 200 Abbildungen, oft blattgross, zum Teil Radi-
rungen, nicht immer streng den Text begleitet.

Es ist nicht leicht, die Geschichte der Klein-
kunst von Venedig auch nur in einzelnen Bildern
zu schreiben. Venedig ist mehr als die Städte des
Festlandes Fabrik- und Exportstadt gewesen; die
Persönlichkeiten der Künstler traten hier thatsächlich
und vollends in der Überlieferung zurück. Um so
schwieriger war es, für das Mittelalter die Abrech-
nung mit den zahlreichen byzantinischen Arbeitern
und Kunstwerken zu machen, oder in der Renaissance
die einheimischen Werkstätten von den vielen Ein-
wanderern aus Oberitalien zu sondern. Es gehört
die Erfahrung, der Fleiss und die besonnene Methode
des Verfassers dazu, um in allen diesen Fragen nicht
zu wenig und nicht zu viel zu behaupten.

In dem ersten Hauptabschnitt über die Bronze
streift die Erzählung häufig die grosse Plastik, da

ja dieselben Meister Denkmäler und Büsten und jene
zahllosen Musterplättchen und Geräte schaffen. Ein-
gehend gewürdigt wird Riccio's prächtige Büste des
Andrea Loredano (im Museo Correr), ferner Sanso-
vino's und Vittoria's Werke. In das Bereich der
venezianischen Kunst gehört dem Verf. zufolge auch
jener fruchtbare Erfinder von Plaketten, der sich
selbst Moderno nennt, und den der Verf. mit dem
Vittore Gambello, genannt Camelio, hat identifiziren
wollen. Für die Geschichte der venezianischen Gold-
schmiedekunst, das zweite Kapitel, bietet der Schatz
von S. Marco reiche Ausbeute; lange herrschen die
orientalischen Arbeiten, erst im 13. Jahrhundert
organisirt sich eine heimische Goldschmiedezunft,
deren eigentümliche Fertigkeit bald das Filigran
bildet. Im 15. Jahrhundert hebt sich die Familie
da Sesto aus der grossen Zahl der Zunftgenossen
heraus, noch lange aber ist der Einfluss deutscher
Meister und ihrer gotischen Werke erkennbar. Die
Kunst der Renaissance zeigt sich dagegen in reinster
Form in den beiden silbernen Einbanddecken des
Breviarium Grimani, welche der Bildhauer Alessandro
Vittoria um 1526 entwarf: zwei grosse Abbildungen
gaben hier die graziösen Platten vortrefflich wieder.
Das wertvollste Kapitel behandelt die Kunst-
töpferei von Venedig. Wenn auch die venezianischen
Majolika-Werkstätten wenige Meister oder Meister-
werke ersten Ranges geschaffen haben, so sind doch
mehrere Dekorationsweisen für die Stadt charakte-
ristisch. Blumen und Ranken, oft nach orientalischer
Art, blau auf weissem Grunde, durchbrochene Ränder,
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