Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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KLEINE MITTEILUNGEN.

Berlin. — Das königl. Kunstgewerbemuseum bringt,
wie wir bereits berichtet, in diesem Winter zum ersten Male
seine ganze Stoffsammlung zur Ausstellung. Diese einzig-
artig dastehende Sammlung umfasst an Webereien 6073,
Stickereien 2883, Spitzen, Fransen, Tassementerien 1690,
Teppiche 220, Kleidungsstücke 233 — im ganzen 11055 Num-
mern, wobei die in Bücher eingeklebten Kattunmuster und
Ähnliches, die oft Hunderte von Mustern zählen, nur als eine
Nummer gerechnet sind. Eine solche Sammlung dauernd
auszustellen ist unmöglich: es würde dazu ein eigenes Ge-
bäude erforderlich sein, übrigens erfordert die Erhaltung der
in den Farben sehr vergänglichen Objekte eine sorgfältige
Konservirung in dunklen Schränken. So wird denn auch
die Ausstellung nur serienweise geschehen können und müssen.
Aus Anlass derselben ist ein besonderer ,.Führer durch die
Ausstellung der Stoffsammlung, Gewebe und Stickereien" er-
schienen (Berlin, W. Spemann, 30 Pf.), welcher zunächst
einen kurzen Überblick über die Sammlung, ihren Bestand,
Geschichte, Aufstellung ete. giebt. Daran schlieft rieh eine
„Geschichtliche Übersicht", welche in kurzer knapper Form
— worin ja der Direktor des Museums ein Meister ist —
die wichtigsten Angaben aus dem so wenig bekannten Ge-
biete der Geschichte der Weberei enthält. Gerade die Ber-
liner Sammlung, deren unvergleichliche Vollständigkeit an
frühmittelalterlichen Stoffen sie besonders dazu befähigt, ist
berufen, dermaleinst die vielen hier noch offenen Fragen zu
beantworten. Der Herausgeber hat an dieser Stelle diese
Fragen verständigerweise gar nicht berührt, sondern nur ge-
geben, was heute als gesichtet gilt oder angenommen wird.
Aber je weniger Verständiges ausser von Bock, Schnütgen,
Essenwein und Karabacek über die Geschichte der Weberei
geschrieben ist, um so erfreulicher ist es, hier in allgemein
verständlicher Form die Hauptsachen gedruckt zu finden.
Das kleine Heft wird berufen sein, den Inhalt manches
dicken Wälzers zu ersetzen. Es wird auch über die Aus-
stellung hinaus seinen Wert behalten und für viele Anstalten,
welche kleine Textilsammlungen besitzen, von Bedeutung
werden.

Rd. Hannover. Gelegentlich der Eröffnung des Kesbter-
museiiws zu Hannover hatte, wie in der Kunstohronik ein-
gehend berichtet ist, Direktor Schuchhardl ein Programm
entwickelt, worin er die Ausgestaltung des neuen Museums
zu einem Kunstgewerbemuseum besonders betonte, überhaupt
d;is Kestnermusenni ;ils den Mittelpunkt hinstellte, von dem
aus eine Reorganisation der Kunst zustände in Hannover
zweckmässigerweise zu erfolgen habe. Mit diesem Plan
hal er nicht den Beifall Beiner Mitbürger errungen. Nicht
nur, dass <his Provinxiahnuseum in Dr. Reimen (bisher in
Berlin) einen eigenen Direktor erhalten hat, n hai sich auch
der Kwistgetverbeverein in einer eingehenden Petition an den
Magistrat gewendet. am einer Centralisiriing der Ennst-
Angelegenheiten vorzubeugen und die Errichtung eine« be-
sonderen Kunstgewerbemuseums m erlangen. Die Petition
legt eingehend die Gründe, welche gegen eine Vereinigung

beider Institute spreellen, d;ir. Der Kunste;,.Werbeverein er-
strebt seit fünf Jahr.....nil l'nterstützung der Behörden,

unter Teilnahme einer Reihe angesehener Bürger und unter
Leitung der mit den Bedürfnissen des lokalen Kunsthand-
werks genau bekannten Fachleute der Stadt die Gründung
und Erhaltung eines Kunstgewerbemuseums, welches in
erster Linie bestimmt ist, das Handwerk in der Stadt Han-
nover durch gute und bewährte Vorbilder zu heben. Diese
Absicht ist schon teilweise verwirklicht; der Bestand der im
alten Rathause öffentlich aufgestellten Sammlung ist ein an-
sehnlicher, 3000 Nummern des Katalogs sind mit über 30000 M.
versichert. Der Umfang der Sammlung ist so bedeutend,
dass die vor Jahren an den Magistrat gerichtete Bitte, das
Museum mit in das Kestnermuseum aufzunehmen, schon
damals wegen Platzmangels in letzterem abschlägig beschie-
den werden musste. Jetzt genügen auch die Räume im
alten Rathause längst nicht mehr, um auch nur die Hälfte
der Sammlung in geeigneter Weise aufzustellen. Um diesem
Mangel abzuhelfen, richtete der Verein sein Augenmerk auf
eine anderweitige dauernde Unterkunft, auf das infolge seiner
Anregung wieder hergestellte Leibnizliaus. Dieses zu er-
langen betrachtet er als seine Hauptaufgabe, um dem Kunst-
gewerbemuseum eine gedeihliche Enlwickelung und Wirk-
samkeit zu sichern. Er zählt dabei auf die wohlwollende
Unterstützung der Stadt ebensosehr als auf die offene Hand
wohlhabender und kunstsinniger Mitbürger.

Karlsruhe, Der Badische Kunstgewerbeverein hat in
seiner Generalversammlung vom S.Dezember 1889 in Karls-
ruhe die liegrümlinig eines Kinislycirerbcnntsciims beschlossen.
Der Antrag des Vorstandes wurde von Direktor Giitx, in
längerer Rede eingehend begründet und von der Versamm-
lang einstimmig gutgeheissen. Das neue Museum soll in
engster Verbindung mit der Grossherzoglichen Kunstgewerbe-
schule gebracht werden, die.vor kurzem ihr neuerrichtetes
Gebäude bezogen hat. Der schön ausgestattete Lichthof ist
für die Anlage einer Sammlung besonders geeignet. Gerade
diese glückliche Verbindung hat dem neuen Unternehmen
viele Freunde zu verdanken, da das gemeinnützige Wirken
der Kunstgewerbeschule sich besonderer Beliebtheit zu er-
freuen hat. Den energischen Bemühungen von Direktor Götz
ist es gelungen, in kaum drei Wochen die erste Grundlage
zu schafi'en, indem in dieser kurzen Zeit in Karlsruhe für
das Museum über 20000 M. an Geld und ebenso wertvolle
Beiträge an Kunstgegenständen gespendet wurden. Man er-
hofft ferner eine Unterstützung von seiten des badischen
Staates und der Stadt Karlsruhe. Insbesondere hat sich auch
Prof. Dr. Eosenberg um das Unternehmen verdient gemacht.
Die neu angelegte Sammlung enthält bereits über 1000 mit-
unter sehr wertvolle Nummern, welche in 15 zum Teil sehr
grossen Schränken untergebracht sind, die in dem stattlichen
Lichthofe zu bester Wirkung gelangen. Die entere grössere
Erwerbung bildete der Ankauf der prächtigen Fayencen-
Saininlung von Bildhauer Kreuth in Frankfurt a. M.. welche
etwa 220 auserlesene Stücke umfasst, die sich als Vorbilder
für die Unterricht s/weeke des Kunstgewerbes trefflich eignen.

Flensburg. Dem Gewerbemuseum unserer Stadt sind
von dem ..Sehitl'er^elag". der ältesten bestehenden (iesell-
achftft der Stadt, die alten Silbergeräte leihweise aber


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