Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 1.1890

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KLEINE MITTEILUNGEN.

P. Eine übersichtliche, zusammenfassende Arbeit über
„Die Uhr in kulturgeschichtlicher und kunstgewerblicher Be-
ziehung" bietet Karl Schirek dar. Das reich ausgestattete
Heft, aus einem Vortrag erweitert, giebt an der Hand der
historischen Entwicklung der Uhren zugleich eine Darstel-
lung der künstlerischen Ausbildung der verschiedenen For-
men, von den Anfängen der Sonnen- und Wasseruhren durch
alle die reichen Ausgestaltungen im 16. und 17. Jahrhundert
bis zu den Prachtstücken französischer Bronzekünstler des
vorigen Jahrhunderts. In gleicher Weise wird die Taschen-
uhr behandelt, beginnend mit der eisernen, Peter Henlein
zugeschriebenen ersten Uhr und endigend mit den emaillir-
ten und edelsteingezierten Luxusstücken der Empirezeit. Eine
grosse Anzahl Illustrationen, nach den besten Stücken mit
Geschick ausgewählt, geben von den wichtigsten Typen der
Uhr gute und bezeichnende Beispiele, so dass das Heft auch
in dieser Hinsicht zu schneller Orientirung zu empfehlen ist.

Kunst thätigen Künstler undGowerbtrcibenden möglich macht,
sich dieses vortreffliche Vademecum anzuschaffen.

Kunstschmiedearbeiten. 40 Entwürfe auf 12 Lichtdruck-
tafeln von F. Brandt. München, Caesar Fritsch. Mk. 10.
Unter den überreich veröffentlichten Vorlagen für Kunst-
schlosserei zeichnen sich die vorliegenden durch eine unge-
wöhnliche Phantasie der Erfindung aus. Der Verf. hat die
alten Schmiedearbeiten gründlich studirt und, was an ihnen
zu lernen ist, in seinen Entwürfen glücklich verwertet. Er
bietet sehr hübsche und originelle Motive, die sich dankbar
auch anderweitig verwenden lassen. So z. B. zeigen die
Schäfte von Ständern (für Laternen, Kleiderhalter etc.) man-
chen neuen und hübschen Gedanken; auch die Ausgestal-
tung der freien Rankenendigungen in Tierleiber, die ein-
ander bekämpfen oder sich jagen, ist wiederholt glücklich
verwendet. In technischer Hinsicht stellen die Vorlagen
hohe Anforderungen an den Schlosser und dürften nicht
ganz billig zu stehen kommen. Für grössere leistungsfähige
Werkstätten mit zahlungsfähigem Kundenkreis werden sie
teils als direkte Vorbilder, teils zu anregendem Studium
gleich von Nutzen sein.

—y—. Von dem bei E.A.Seemann in Leipzig erschienenen
Handbuch, der Ornamentik von Professor Franz Salcs
Meyer erschien vor kurzem die dritte Auflage. Sie ist wie
die zweite eine im wesentlichen unveränderte. Der ganz
ausserordentliche Erfolg, den dieses Werk, das den ersten
Band der Seemannschen Kunsthandbücher bildet, aufzuweisen
hat, erklärt sich aus der klaren Anordnung und Übersicht-
lichkeit, mit dem das ganze Gebiet der Ornamentik auf 300
Tafeln mit vorzüglich gezeichneten Darstellungen von dem
an der Karlsruher Kunstgewerbeschule wirkenden Verfasser
vorgeführt wird, abgesehen von der Billigkeit des Preises
(9 Mark), der es jedem auf dem Gebiete der dekorativen

P. van der Burg, Die Holz- und Marmormalerei, ein prak-
tisches Handbuch für Dekorationsmaler. Zweite Auflage.
148 S. 8°. mit einem Atlas von 36 Tafeln in Folio. Wei-
mar 1890, B. J. Voigt. Preis 15 Mark.
F. S. Diese Übertragung aus dem Holländischen hat in
wenig Jahren eine zweite Auflage erlebt, was dafür spricht,
dass ein praktisches Bedürfnis für die Veröffentlichung vor-
gelegen hat. Die Tafeln bringen in Farbendruck Mustor von
Maserirung und Marmorirung, wobei die bekannteren Möbel-
hölzer und meist verwendeten Marmorsorten Berücksich-
tigung gefunden haben. Einige Tafeln in Schwarzdruck ver-
anschaulichen die nötigen Geräte und deren Handhabung.
Der Text erläutert zunächst die Tafeln, bringt aber auch
allerlei anderes über die nachzubildenden Materiale und über
andere Zweige der dekorativen Malerei, so z. B. über Ver-
golden, Bronziren, Schriften u. s. w. Den Schluss bildet
eine Auslassung über die Bedeutung der Farben und über
allegorische Darstellungen, was dem Hauptinhalt gegenüber
etwas weit hergeholt erscheint. Der Preis ist gegenüber
dem Gebotenen sehr massig zu nennen.

F. Janrücke, Handbuch der Glasmalerei. 298 S. 8°. Mit
31 Illustrationen im Text. Stuttgart 1890, P. Neff. Preis
4 M. 50.
F. S. Der ausserordentlich rührige Verfasser reiht hier-
mit seinen bekannten früheren Veröffentlichungen eine wei-
tere an. Der Hauptzweck des Buches dürfte wohl der sein,
dem Kunstfreund einen Einblick in die Technik der Glas,
maierei zu verschaffen und ihn über alles Einschlägige zu
belehren. Dazu erscheint das Werkchen auch vollständig
angethan. Die Einleitung befasst sich mit der geschicht-
lichen und technischen Entwicklung der halbvergessenen
und nun wieder zu neuen Ehren gelangten Kunst. Eine
theoretischer Teil beschreibt das Material, die Farben und
Geräte. Der praktische Teil schildert die verschiedenen Ver-
fahren in Hinsicht auf die vorbereitenden Arbeiten, auf die
eigentliche Malerei, sowie auf das Einbrennen, Verbleien,
Armiren u. s. w. Der reichhaltige Inhalt gegenüber dem
billigen Preise empfiehlt das Buch von selbst.

F. Janrücke, Figuren- und Blumenmalerei. 310 S. 8°.
Stuttgart 1889, Paul Neff. Preis 4 M. 50.
F. S. Das vorliegende Buch ist eine Ergänzung der
„Aquarellmalerei" des nämlichen Verfassers. Während diese
sich nur mit der Landschafterei und Architektur befasst, so
werden hier auch in Bezug auf die Porträt-, Genre-, Tier-
und Stilllebenmalerei die nötigen Anleitungen gegeben. Das
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